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Alkoholismus – was hilft?

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Meine Meinung über den Alkoholismus habe ich in den Jahren meiner ärztlichen Tätigkeit sehr oft geändert. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, wie vielschichtig das Problem ist.

Alkoholismus

 

Wer trinkt zu viel Alkohol?

Das ist das erste, was man lernen muss: Die Grenze zwischen Menschen, die Alkohol trinken, vielleicht auch viel Alkohol trinken, und Menschen, die ihren Alkoholkonsum nicht mehr steuern können, ist fließend.

Es gibt Menschen, die regelmäßig viel trinken, aber ihr Leben gut meistern, beruflich erfolgreich sind, vielleicht auch eine gut funktionierende Familie haben. Sie trinken vielleicht nur am Abend zwei Flaschen Wein, aber das tun sie regelmäßig. Zu erwarten ist, dass sich nach dreißig Jahren gesundheitliche Schäden einstellen, aber manchmal passiert nicht einmal das. Ein Bankmanager, der schließlich im Rentenalter trocken sein wollte, gestand mir glaubhaft, dass er seit seinem 20. Lebensjahr nicht einen Tag nüchtern war. Er hatte immer eine Flasche Wein auf dem Nachttisch, damit er, wenn im Schlaf der Alkoholspiegel gesunken war und er darum aufwachte, etwas nachschütten konnte, um weiterschlafen zu können. Ein Arzt erzählte mir, dass er die ganze Woche nichts trank, aber am Wochenende sich „den Kopf wegtrank“, wie er sich ausdrückte.


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Es gibt Männer, die sind aus beruflichen Gründen in der Woche nüchtern. Freitag Abends gehen sie in ihre Stammkneipe und trinken dort mit Thekenbekanntschaften bis zum Morgen. Dann wanken sie heim, schlafen etwas und machen es Samstag Nacht genau so. Irgendwie kommen sie in den Montag, den sie oft blau machen müssen, um den Rausch und Kater zu überwinden und dann malochen sie wieder ohne einen Tropfen bis zum nächsten Freitag.

Von den Anonymen Alkoholikern habe ich in der Sache viel gelernt. Sie würden dazu sagen, wer glaubt kein Alkoholiker zu sein, der soll doch einfach mal eine Woche nichts trinken, auch nicht am Wochenende, und dann soll er mal in eine Kneipe gehen, ein halbes Bier trinken und wieder nach Hause gehen. Wer das kann, der ist kein Alkoholiker, sagen sie. Ich würde hinzu fügen, dass er aber auf seinem normalen Stressniveau leben muss; denn vielen Menschen fällt es leichter, auf den Alkohol zu verzichten, wenn sie im Urlaub sind oder nicht mehr arbeiten.

Warum Alkohol?

Warum trinken die Menschen zu viel? Es ist bestimmt keine schlechte Angewohnheit und es ist auch kein Zeichen für einen schwachen Willen. Es gibt Menschen, die den Stress des normalen Lebens nicht gut aushalten können. Sie brauchen den Alkohol, um ihre tägliche innere Aufruhr so runter regeln zu können, dass sie es überhaupt aushalten können. Manche trinken praktisch immerzu, um einen bestimmten Alkoholspiegel zu haben. Das sind die Spiegeltrinker. Andere trinken erst am Abend, dann aber unter Umständen so viel, dass sie nicht mehr gefechtsfähig sind. Und wieder andere machen ein paar Tage Pause, um sich dann fast bewusstlos zu trinken.

Die Wirkung des Alkohol wird schließlich vom Körper und von der Psyche benötigt, damit sie überhaupt noch funktionieren können. Das ist der Zustand, in dem der Mensch das Trinken nicht mehr beeinflussen kann. Die Sucht hat ihn auf die eine oder andere Weise fest im Griff. Es besteht ein Kontrollverlust. Aber das ist auch nicht bei jedem Menschen gleich. Es gibt Menschen, die vom Alkohol abhängig sind, aber dennoch die Menge einigermaßen regulieren können, auch wenn sie viel zu viel trinken.

Menschen in extremen Situationen, z. B. im Krieg greifen oft zum Alkohol, um die Situation überhaupt aushalten zu können. Leben sie wieder unter normalen Umständen, können sie ihren Alkoholgebrauch auch auf das normale Maß reduzieren. Man wird also nicht durch Gewöhnung zum Alkoholiker. Ich glaube aber auch nicht, dass der Alkoholismus erblich ist. Wahrscheinlich ist er Folge einer Entwicklung. Menschen, die ihren Alkoholkonsum nicht kontrollieren können, haben keine dicke Haut und sie haben keine Möglichkeit sich in einen Zustand der Ausgeglichenheit zu versetzen, ohne auf ein Beruhigungsmittel wie Alkohol (neuerdings oft auch Hasch) zurück zu greifen.

Entzug

Alkohol ist ein Beruhigungsmittel. Es macht zudem oft gute Laune. Nach dem Alkoholgenuss, also am nächsten Morgen, kommt es zur Umkehrung. Es bestehen Angst, Schlaflosigkeit, Zittern, Depression. In schwächerem Ausmaß nennen wir das einen Kater. Menschen die viel trinken, haben oft morgens ausgeprägte Entzugssymptome. Der erste Cognac hilft darüber hinweg. Die Wochenendtrinker haben diese Symptome Montag morgens. In extremen Fällen kann sich aus dem Entzug ein Delir mit extremer Unruhe und Halluzinationen entwickeln.

Die Folgen

Man kann ein ganzes Leben sehr viel Alkohol trinken und dennoch ohne größere Schwierigkeiten leben. Aber die Chancen sind dafür nicht groß und zweitens muss man auch dafür einen Preis bezahlen. Man bekommt im Leben vieles nicht mehr mit. Vor allem nimmt die innere seelische Lebendigkeit und das seelische Empfindungsvermögen ab. Das Leben wird flach. Meistens kommt es aber doch zu Schwierigkeiten. Die gesundheitlichen Schäden sind fast immer erheblich: Leber, Bauchspeicheldrüse, Magen, Herz, Gehirn und Nerven können schwer geschädigt werden. Die Krebshäufigkeit ist wesentlich größer. Mehr noch schlagen die sozialen Folgeschäden zu Buche. Der Ehepartner ist es leid, einen Partner zu haben, der zu nichts zu gebrauchen ist. Wenn es unter Alkohol zu Streit kommt, ist die Partnerschaft bald kaputt. Der Arbeitsplatz ist wegen der häufigen Fehlzeiten gefährdet.

Es gibt Menschen, die unter Alkohol aggressiv werden, andere besonders lieb, wieder andere legen sich ins Bett und verschlafen die Zeit.

Aber man muss hier auch zwei positive Dinge erwähnen. Alkoholiker finden oft schnell einen neuen Partner. Ich glaube das hängt damit zusammen, dass sie anderen Menschen leicht und ohne Scheu deutlich machen können, wie sehr sie sie brauchen. Zusätzlich verstrahlen sie oft einen unwiderstehlichen Optimismus, wenn sie sich vorgenommen haben, alles zu verändern und vor allem weniger oder gar nicht mehr zu trinken. Wenn es um die Arbeit geht, sind sie unschlagbar, was Fleiß und Engagement angeht.

Die Ehrlichkeit

Das schwierigste Kapitel ist die Ehrlichkeit. Darüber kann meist erst dann gesprochen werden, wenn der Mensch mit Alkoholproblemen trocken geworden ist. Eine Frau erzählte mir, dass sie beruflich viel auf Empfänge gehen musste. Sie hatte sich vorgenommen, dort nicht zu trinken – weil sie sich eingestehen musste, dass sie Probleme mit dem Alkohol hatte. So blieb sie bei Säften oder Wasser und lehnte den angebotenen Sekt oder Wein immer ab. Heimlich ging sie dann auf die Toilette und trank aus dem Flachmann, den sie sich mitgebracht hatte. Aber – so sagte sie: „Ich war stolz darauf, das Angebot, Alkohol zu trinken, abgelehnt zu haben.“

Der schwierigste Schritt ist, anzuerkennen, dass man mit dem Alkohol, schließlich auch wegen des Alkohols, Probleme bekommen hat. So sagen viele, die schließlich trocken geworden sind, dass sie eigentlich lange genau wussten, wie es um sie stand. Aber wann immer sie darauf angesprochen wurden, haben sie sich maßlos geärgert. Jetzt würden sie sagen, weil der Betreffende Recht hatte.

Anfangs trinkt man, weil man Probleme hat. Aber irgendwann hat man Probleme, weil man trinkt. Wenn jemand sich einen Rausch antrinkt, bekommt er im übrigen auch gar nicht mehr mit, was dann passiert.

Viele Menschen sind zu mir gekommen, weil sie Probleme am Arbeitsplatz oder mit der Familie oder mit sich selbst hatten. Manchmal war ich mir ziemlich sicher, dass Alkohol im Spiel war. Nein, war die Antwort auf meine Frage, Alkohol würden sie eher wenig trinken. Ich habe es ihnen oft nicht geglaubt. Aber da ich Arzt und nicht Kriminalist bin, habe ich nichts weiter dazu gesagt.

Was hilft?

Niemand weiß besser als der Alkoholiker, dass er aufhören muss. Darum hilft ihm eines bestimmt nicht, nämlich ihn zu ermahnen oder gar ihm Vorwürfe zu machen. Hilfreich ist es, gemeinsam zu überlegen, was der Betreffende braucht, um den Alkohol meiden zu können. Aber er muss es wollen.

Das was die Anonymen Alkoholiker die „Kapitulation“ nennen, ist unvermeidbar der erste Schritt. Sie sagen, dass der Alkoholiker einsehen muss, dass der Alkohol stärker ist als er.

Es gibt eigentlich nur eine Regel, die man beachten sollte, wenn man aufhören will. Man muss nicht für alle Zeiten entscheiden. Was ich morgen tue, entscheide ich morgen. Ja selbst, was ich heute Abend tue, brauche ich erst heute Abend zu entscheiden. Nur jetzt trinke ich nicht. Umgekehrt, wer morgen aufhören will, der sollte sich klar machen, dass es morgen wieder ein Morgen gibt und so bis ans Ende des Lebens. Was zählt, ist nur das Jetzt.

Immer wird der Alkoholiker sich wünschen, dass er lernt kontrolliert zu trinken. Das ist verständlich. Er will nicht auf den Alkohol verzichten, aber er will nicht die bösen Folgen. Leider geht das aber nicht. Es hat viele Versuche gegeben, für das kontrollierte Trinken therapeutische  Programme zu entwickeln. Keines hat funktioniert. Es gibt auch keine Medikamente, die dem Süchtigen den Suchtdruck nehmen – ausgenommen solche, die selbst süchtig machen. Aber ein Trost ist, was sich kein Mensch mit Alkoholproblemen vorstellen kann: Irgendwann wird ihm der Alkohol egal, wenn er ihn lange genug meidet.

Nie ist es zu spät, mit dem Alkohol aufzuhören. Egal, wie viele Versuche es gegeben hat, jeder neue Versuch ist es Wert. Rückfälle sind niemals ein Grund, alles hinzuschmeißen. Rückfälle sind oft unvermeidbar, aber was zählt, ist nicht der Rückfall, sondern die Zeit, die vor dem Rückfall lag, die Zeit der Trockenheit.

Viele profitieren davon, wenn sie in eine Gruppe für Menschen mit Alkoholproblemen gehen. Keiner weiß besser als ein Alkoholiker, was der Alkohol für Unheil anrichten kann. Aber keiner kennt auch besser die Ausflüchte, Ausreden und Halbwahrheiten. Von den Selbsthilfegruppen sind die Anonymen Alkoholiker die bekanntesten. Daneben gibt den katholischen Kreuzbund und das evangelische Blaukreuz. Es gibt auch viele Gruppen, die von Therapeuten geleitet werden. Man muss sehen, ob die Zusammensetzung einer Gruppe, die ja immer zufällig ist, einem zusagt. Wenn nicht, kann man andere Gruppen versuchen, bis man eine gefunden hat, mit der man klar kommt.

Zum Schluss will ich betonen, was man nicht oft genug sagen kann: Die Mehrzahl der Menschen mit Alkoholproblemen schafft es irgendwann.

Hauptsymptome: Wer zu viel Alkohol trinkt, hat meist eine besondere Sensibilität. Er ist besonders leistungsfähig aber leidet auch mehr unter den Anforderungen, die das Leben an ihn stellt. Die Folgen des Alkoholkonsums sind oft verheerend: Verkehrsunfälle, finanzielles Desaster, Eheprobleme, gesundheitliche Schäden usw.

Behandlung: Es gibt viele Hilfen, aber ohne Mitwirkung und Mühen des Betreffenden geht nichts.

Beitrag von , letztmals geändert am 23.03.2016, 18:52 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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