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Arthrose

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Symptome

Herr Beyoglu ist jetzt 64 Jahre. Er war noch keine 12 Jahre alt, da musste er schon täglich mit dem Vater aufs Feld, hat er mir erzählt. Oft ist er darum nicht zur Schule gegangen. Als junger Mann hat er ein Mädchen aus dem Nachbardorf geheiratet und ist dann bald nach Deutschland gekommen. Seine junge Frau hat er gleich mitgenommen. Hier hat er fast vierzig Jahre am Band gestanden, bis er vor zwei Jahren nicht mehr konnte. Alle Knochen taten ihm weh.

Kniegelenk. Das Blaue zwischen den Knochen soll den Knorpel darstellen. Die Gelenkkapsel ist nicht mit eingezeichnet. Sie setzt am oberen und unteren Knochen an und läuft um das ganze Gelenk herum.

Es hat etwas gedauert, bis er mir mehr über seine Beschwerden erzählte. In der rechten Schulter hat es schon vor fast 10 Jahren angefangen. Dann kam der Rücken dazu. Bei der Arbeit musste er sich oft bücken. Schließlich tat ihm auch das rechte Knie weh. Ganz allmählich nahmen die Schmerzen zu. Die ersten Jahre traten sie nur bei Bewegung auf, aber in letzter Zeit hatte Herr Beyoglu auch schon mal Schmerzen, wenn er im Bett lag, und zwar wenn er irgendwie “falsch” lag. Aber schließlich tat es ihm manchmal auch weh unabhängig von der Lage. Herr Beyoglu war nicht oft in meine Sprechstunde gekommen. Wenn er wegen einer Erkältung oder mit seiner Frau, die öfter mal krank war, kam, hatte er seine Gelenkbeschwerden eher beiläufig erwähnt. Aber jetzt war es so schlimm geworden, dass er die Sache nicht mehr runter spielen konnte. Er hatte ganz offensichtlich eine Arthrose.

Was passiert am Knochen?

Arthrose nennt man eine Erkrankung der Gelenke, die auf Verschleiß beruht.  Ein Gelenk besteht aus den beiden (manchmal drei) Knochen, die gegeneinander wie ein Scharnier beweglich sind. An den Berührungsstellen sind sie von Knorpel überzogen. Von dem einen Knochenende zum gegenüber liegenden Knochenende läuft eine Sehnenmanschette um das Gelenk herum (wie Stulpen, die man z. B. über dem Knöchel am Fuß trägt). So sind die beiden Knochen zwar gegeneinander beweglich aber doch auch fest miteinander verbunden. Die Sehnenmanschette ist die Gelenkkapsel, die jedes Gelenk hat.

Der Orthopäde, zu dem ich Herrn Beyoglu geschickt hatte,  bestätigte die Diagnose. Im rechten Kniegelenk war der Gelenkknorpel großflächig abgewetzt. Die Gelenkkapsel war ausgeleiert. Im Schultergelenk und an den Wirbelkörpern fanden sich zahlreiche kleine Knochenauswüchse. Das heißt, die Knochenoberfläche am Gelenk war nicht mehr glatt. Am Rand der Gelenkeflächen waren kleine Knochenauswüchse entstanden. Weil die Gelenflächen bei Bewegung aufeinander rieben, ohne dass ausreichend Knorpel dazwischen lag oder weil die Gelenkfläche uneben war, machte das Schmerzen. Durch die Unebenheit kam es bei Bewegungen auch zu kleinen Verletzungen am Knochen. Die Verletzungen lösten eine entzündliche Reaktion aus, und das tat auch weh, wenn das Gelenk nicht bewegt wurde. Auch an beiden Hüftgelenken gab es schon kleinere Veränderungen, die darauf hinwiesen, dass dort der Gelenkknorpel beschädigt war. Die Veränderungen, sagte der Orthopäde, haben viele Jahre gebraucht, um sich so zu entwickeln. Die körperliche Belastung durch die Arbeit ist wohl die Ursache. Dass Herr Beyoglu nicht schon vor Jahren heftige Schmerzen hatte, wundere ihn. Jedenfalls waren die Veränderungen, die der Orthopäde beschrieb, typisch für eine Arthrose.

Starke, langdauernde Belastung durch körperliche Arbeit, Extremsport oder Übergewicht begünstigen die Entstehung einer Arthrose. So war es wohl auch bei Herrn Beyoglu, der sein Leben lang die Gelenke durch die Arbeit stark belastet hatte.

Was kann man tun?

Was Herrn Beyoglu betraf, meinte der Orthopäde, man könne durch einen kleinen Eingriff am Knie abgerissene Knorpelteile herausholen. Das würde die Bewegung erleichtern und  die Schmerzen vermindern. Aber an der Wirbelsäule ließe sich nichts bessern, auch das Schultergelenk sollte man besser in Ruhe lassen. Die Hüftgelenkarthrose sei noch nicht sehr fortgeschritten. Wenn Herr Beyoglu in Rente gehen wolle, würde er das aus ärztlicher Sicht unterstützen. Die Gelenkveränderungen seien so ausgeprägt, dass körperliche Arbeit kaum zumutbar sei.

Die Behandlung der Arthrose basiert auf drei Maßnahmen. Gegen starke Schmerzen gibt es Medikamenten, z. B. Aspirin,  Ibuprofen, Diclophenac und andere. Sie bekämpfen zusätzlich auch die Entzündung, die sich im Gelenk entwickeln kann.Doch haben alle diese Medikamente Nebenwirkungen, die unangenehm werden können. Darum darf man sie nicht ohne ärztliche Überwachung regelmäßig einnehmen.

Die zweite Behandlungsmaßnahme ist Bewegung. Das klingt zwar paradox, weil die Arthrose ja durch eine Überlastung der Gelenke entsteht. Aber für die Wirksamkeit von Bewegung gibt es Gründe. Bei Schmerzen in den Gelenken, findet man zwar so gut wie immer (wenn keine Arthritis vorliegt) arthrotische Veränderungen. Aber umgekehrt heißt das noch lange nicht, dass arthrotische Veränderungen weh tun müssen. Viele Menschen haben sehr massive Veränderungen in den Gelenken, so wie oben beschrieben, aber kaum Schmerzen. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass der Knochen in manchen Fällen sich so umbauen kann, dass das Gelenk wenigstens ungefähr normal funktioniert. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Gelenk bewegt wird.  Nachweislich führt Sport, wenn richtig angewandt, auch bei Arthrose zu einer wesentlichen Verbesserung.Wahrscheinlich kommt noch ein auslösender Faktor hinzu, wenn die Arthrose starke Schmerzen macht. Bei Herrn Beyglu war es sein Gefühl, dass er nun genug gearbeitet habe.

Als drittes ist eine operative Behandlung zu überlegen, wenn die Schmerzen stark sind und nicht behoben werden können.  Hüftgelenk und Kniegelenk kann man heute durch ein künstliches Gelenk ersetzen. Die Operation ist fast schon eine Routinesache. Bei anderen Gelenken ist das noch nicht so gut entwickelt. Auf jeden Fall sollte eine solche Operation an einem Zentrum durchgeführt werden. Nur Chirurgen, die diese Operationen regelmäßig machen, also darauf spezialisiert sind, haben die nötige Erfahrung und Geschicklichkeit.  Manchmal genügt es auch, abgerissene Knorpelteile oder Knochenauswüchse zu entfernen oder die Gelenkoberfläche durch Einsatz von künstlichen Teilen zu reparieren. Manche Operation bringen aber kaum Gewinn.  Es gibt auch Versuche, Knorpelgewebe des Patienten in der Retorte anzuzüchten und dann auf die Knochenoberfläche zu pflanzen. Aber es wird wohl noch dauern, bis das eine ausgereifte Methode ist.

Ob aber eine Operation notwendig ist oder nicht, sollte man nicht allein den Orthopäden fragen, der die Operation gegebenenfalls ausführt. Man sollte auch die Meinung eines Orthopäden einholen, der selbst nicht operiert.

Nach einigem Hin und Her wurde Herr Beyoglu berentet. Operieren lassen hat er sich nicht. Nun sitzt er zu Hause oder im türkischen Cafe. Übungen, wie sie der Orthopäde und ich dringend empfohlen haben, macht er nicht. Sport, meinte er empört, sei etwas für seine Söhne. Er klagt jetzt nicht mehr über Schmerzen und nur selten nimmt er Medikamente. Durch seine Inaktivität wird die Beweglichkeit wohl in den nächsten Jahren eher noch abnehmen. Aber Herr Beyoglu ist zufrieden und sein Leben ist bestimmt nicht langweilig. Seine Frau versorgt ihn gut. Die verheiratete Tochter ist zwar ziemlich aufsässig und will von der türkischen Tradition nicht viel wissen, aber sie kommt doch, wie auch die zwei Brüder, oft zu den Eltern und trinkt dort einen Tee.

Hauptsymptome: Schmerzen in den Gelenken, erst bei Bewegung später evtl. auch in Ruhe. Als Folge davon Bwegungseinschränkung.

Behandlung: Keine extreme Belastung der Gelenke, aber auch nicht Inaktivität. Vorübergehend lassen sich Schmerzen durch Medikamente lindern. Wenn alles nicht mehr hilft, bei Hüfte und Knie Operation.

Beitrag von , letztmals geändert am 12.12.2015, 11:58 Uhr.

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Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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