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Asthma (Asthma bronchiale)

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Symptome

Lukas ist jetzt 27 Jahre alt. Mein Patient war er schon als Junge. Er hat Asthma. Als kleines Kind hatte er eine Neurodermitis, die zwar nicht besonders schwerwiegend war, die aber schon erkennen ließ, dass er eine Neigung zu überempfindlichen Reaktionen hat.

Die Neurodermitis verschwand, aber er bekam später eine Pollenallergie mit Heuschnupfen, fast gleichzeitig mit dem Asthma. Atopie ist der medizinische Ausdruck für eine solche Neigung zu Allergien.

Glücklicherweise ist das Asthma bei Lukas nicht sehr ausgeprägt. Normalerweise merkt er nichts davon. Wenn aber die Heuschnupfenzeit kommt, hat er manchmal ein leichtes Gefühl der Atemnot. Es kann auch sein, dass er nachts mit einem solchen Gefühl und Husten aufwacht. Er bemerkt dann selbst, das es beim Atmen in der Lunge etwas pfeift.

Wie gesagt, bei Lukas ist dieses Asthma nur schwach ausgeprägt, und er hat gute Chancen, dass es auch später in seinem Leben so bleibt. Wer leichte Symptome hat, bleibt in der Regel dabei. Wer von Anfang an schwere Symptome hat, wird sie behalten, wenn er nichts dagegen tut.

Links normale, rechts asthmatisch verengte Bronchie. Man erkennt gut die verdickte Schleimhaut. Was wie Bänder aussieht, die um die Bronchien gewickelt sind, sollen die Muskeln sein.

Bei schwererem Asthma kommen die Zustände mit Atemnot häufiger, vielleicht täglich. Sie können dramatisch verlaufen. In solchen Fällen ist die Atmung ständig erschwert. Es werden vier Schweregrade unterschieden: Bei Stufe I gibt es nur gelegentlich leichte Anfälle und dazwischen ist die Atmung normal. Bei Stufe II gibt es Atemnotanfälle so ungefähr 1 Mal/Woche, aber die Atmung ist auch zwischenzeitlich leicht behindert, was man aber nur durch Messung feststellen kann. Bei Stufe III gibt es zusätzlich täglich leichte Atemnot. Bei Stufe IV besteht ständige Atemnot, die auch nicht mehr leicht ist. Das Asthma von Lukas war Stufe I.

Um sicher zu gehen, habe ich Lukas für eine Testung der Lungenfunktion an einen Lungenfacharzt überwiesen. Dabei wurde die Vitalkapazität gemessen, das ist die Luft, die er maximal einatmen kann (es waren 3,5 Liter), der Peak Flow, das ist die Luft, die er maximal in einer Sekunde ausatmen kann (es waren hochgerechnet um die 500 Liter), und welchen Druck er dabei mit der Atemmuskulatur aufwenden musste. Alle Werte waren normal.

Ursache

Die Bronchien, also das Schlauchsystem, durch das die Luft von der Luftröhre in die kleinen Lungenbläschen und aus denen wieder heraus strömt, sind innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet. In und unter dieser Schleimhaut besteht bei Menschen mit Asthma eine chronische Entzündung (siehe das Bild). Wenn diese Entzündung ausgeprägt ist wird die Schleimhaut mit der Zeit dicker und die Bronchien werden enger. Auf diese Weise kann die Atmung behindert werden. Bei Lukas kommt es zu der Entzündung nur während der Pollenzeit und auch dann ist sie nicht sehr ausgeprägt. Darum hat er eben nur sehr leichte asthmatische Symptome.

Die Bronchien haben in der Wand Muskelzellen. Wenn die sich anspannen, verengen sich die Bronchien noch weiter und die Luft strömt nicht mehr so leicht hindurch. Das geschieht bei einem Anfall von Atemnot. In extremen Fällen kann auch viel Schleim abgesondert werden, der schließlich die Bronchien verstopft.

Das Problem ist natürlich, wie das Ganze zustande kommt. Meistens ist das Asthma durch eine Allergie bedingt. Das bedeutet, dass die Bronchien auf bestimmte Stoffe, wie z. B. Pollen oder Haare von Tieren, mit einer Entzündung reagieren. Bei der Entzündung erweitern sich die kleinen Blutgefäße in der Bronchialwand, es tritt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen ins Gewebe, so dass es zur Schwellung der Bronchialwand kommt. Die Bronchien sind dadurch verengt. Durch Anspannung der Wandmuskeln, die durch die Entzündung gereizt werden, kann es anfallsweise zu einer weiteren Verengung kommen. Diese Veränderungen findet man auch dann, wenn das Asthma nicht allergisch ist. Warum es in diesen Fällen dazu kommt, wissen wir nicht.

Behandlung

Wenn das Asthma allergisch bedingt ist und man den Stoff meiden kann, gegen den man allergisch ist, z. B. bei einer Allergie gegen Katzenhaare, ist es eine günstige Situation. So kann man das Asthma los werden. Bei Lukas gab es diese Möglichkeit nicht. Aber er konnte doch etwas tun. Wenn es Pollenflug im Frühjahr gab, ist er nicht ins Grüne gegangen. Er hat sich die Haare abrasiert, weil sich darin viele Pollen fangen. Das ist ja zur Zeit ohnehin modisch. So konnte er den Kontakt mit Pollen reduzieren, wenn auch nicht ganz vermeiden.

Die Messung der Lungenfunktion von Lukas hatte ergeben, dass keine Behinderung der Atmung bestand, wenn er nicht gerade eine seiner seltenen und leichten Atemnotanfälle hatte. Wenn aber eine solche ständige Behinderung bestanden hätte, also bei Stufe II bis IV, hätte man ihm ein Medikament verschrieben, das die Entzündung in den Bronchien soweit zurück drängen würde, dass die Atmung wieder mehr oder weniger unbehindert wäre. Diese Medikamente müssen ständig genommen werden, jedenfalls so lange wie das Asthma besteht. Man nennt diese Medikamente Controller, weil sie die asthmatische Entzündung unter Kontrolle halten.

Bei mittlerem bis schwerem Asthma kann mit einem kleinen käuflichen Gerät der Peak flow regelmäßig gemessen und damit der Zustand der Lunge kontrolliert werden. Das ist ein Gerät, in das man hinein blasen muss. Es misst wie viel Luft in einer Sekunde ausgeatmet werden kann. Wenn dieser Wert abnimmt, bedeutet es, dass die Bronchien eng geworden sind. Dann muss mehr an Medikamenten gegeben werden. Aber ein solches Gerät habe ich Lukas nicht empfohlen, weil die Ausprägung des Asthmas bei ihm nur gering war und darum keine Gefahr bestand. Er soll sein Asthma zwar beobachten, aber eine ständige Kontrolle ist nicht förderlich. Das würde ihn nur überbesorgt machen und auf diese Weise das Asthma verstärken.

Gegen die Atemnotanfälle, die ja nur zwischenzeitlich auftreten, wenn sich die Muskulatur in den Bronchien verkrampft, gibt es besondere Medikamente. Sie lassen die Muskeln in den Bronchien erschlaffen, haben aber keinen Effekt auf die Entzündung. Sie heißen Reliever (englisch: Erleichterer). Lukas bekam einen solchen Reliever, den er dann nahm, wenn er Atemnot bekam. Lukas wusste auch, wenn er seinen Reliever öfter brauchen würde, wäre das ein Zeichen dafür, dass sich die Situation verschlechtert hätte. In diesem Fall wäre zu untersuchen, ob er nicht zusätzlich einen Controller brauchen würde.

Als Controller werden hauptsächlich Kortisonpräparate, manchmal auch sogenannte Mastzellenstabilisatoren oder andere Medikamente benutzt. Weil das Kortison unerwünschte Nebenwirkungen hat, benutzt man es als Spray, der inhaliert wird. Das Kortison in dem Spray ist so aufgearbeitet, dass es durch die Lunge nicht in den Körper gelangt. So vermeidet man die Nebenwirkungen. Als Reliever werden Sprays benutzt, die dem Adrenalin ähneln.

(Adrenalin ist ein Hormon des Körpers, das bei körperlicher und seelischer Anstrengung ausgeschüttet wird. Sie führen zu einer Erschlaffung der Bronchialmuskulatur.

Bei schweren Atemnotanfällen ist eine sofortige Krankenhausbehandlung notwendig. In besonders schweren Fällen kann ein solcher Anfall nämlich lebensgefährlich sein.

Das Asthma ist eine psychosomatische Erkrankung. Oft, aber natürlich keinesfalls immer,  haben die Asthmatiker Eltern, die sich ängstlich an sie klammern. In den Fällen, in denen sich Patienten einer längeren Psychoanalyse unterzogen haben, habe ich immer eine wesentliche Verbesserung der Krankheit beobachtet. Vielleicht kann sich Lukas dazu entschließen.

Hauptsymptome: Husten, leichte bis schwere Atemnot, ständig oder anfallsweise.

Behandlung: Bei allergischem Asthma, wenn möglich die Stoffe, gegen die eine Allergie besteht, meiden. Meist sind Medikamente nicht zu vermeiden. Kortisonspray bzw. adrenalinähnlicher Spray.[/box]

Weitere Informationen bei:

http://www.atemwegsliga.de/atemwegsliga.html  

 

 

Beitrag von , letztmals geändert am 15.11.2015, 17:38 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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