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Betreuung bei Psychose

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Die Krankheit

Reiner S. war ein lieber Junge gewesen – so erzählten es seine Eltern. Er tat, was man ihm sagte, brachte gute Zeugnisse nach Hause und war leicht zufrieden zu stellen. Was seine Eltern nicht wussten, war, dass er es in der Schule schwer hatte. Er wurde dort oft gehänselt und da er schüchtern war, wehrte er sich nicht. Den Eltern fiel auch nicht auf, dass er kaum Freunde hatte.

Ganz allmählich wurde alles nach der Pubertät anders. Reiner zog sich mehr und mehr zurück. Die schulischen Leistungen wurden schlechter. Mit der Zeit ging er oft gar nicht mehr in die Schule. Schließlich machte er die Nacht zum Tage, schlief bis in den Nachmittag und holte sich nachts aus der Küche etwas zu essen.

Diese Entwicklung vollzog sich in mehreren Jahren und wurde, wie man sich denken kann, von heftigen Auseinandersetzungen, besonders zwischen Sohn und Vater begleitet. Schließlich, Reiner war inzwischen 19 Jahre alt geworden, hielten es die Eltern nicht mehr aus. Sie hatten Lehrer, Erziehungsberatung und Ärzte um Rat gefragt, viele der Ratschläge zu befolgen versucht, aber nichts hatte einen Umschwung bewirken können. Eine psychiatrische Klinik schien ihnen das letzte Mittel. Irgendwie schafften sie es auch, Reiner dorthin zu bringen. Er hielt es da drei Tage aus und stand dann wieder vor der Tür. Jetzt gingen die Eltern zu einem Rechtsanwalt und der meinte, wenn sie für Reiner eine Betreuung einrichten würden, könnten sie ihn für längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik unterbringen.

Für einen Menschen mit Psychose erscheint oft alles in der Welt merkwürdig verändert.

Für einen Menschen mit Psychose erscheint oft alles in der Welt merkwürdig verändert.

Das Betreuungsgesetz

Was gesetzliche Betreuung ist, ist in den Paragraphen 1896 bis 1908 des BGB (bürgerliches Gesetzbuch) geregelt. Danach kann jemand durch Anordnung eines Gerichts einen gesetzlichen Betreuer erhalten, der mit ihm oder für ihn wichtige Dinge regelt. Das geht aber nur, wenn der Betreffende (1) an einer Krankheit oder Behinderung leidet, (2) aus diesem Grund wichtige Angelegenheiten nicht selbst regeln kann. Wenn die Krankheit oder Behinderung dazu führt, dass der Betreffende nicht einsichtig ist, kann eine Betreuung auch gegen seinen Willen eingerichtet werden. Der Betreuer kann dann für den Betreuten handeln.

Im Falle von Reiner bedeutet das: Er ist psychisch krank. Die Krankheit macht ihn uneinsichtig, er lässt sich nicht behandeln. Das ist aber wichtig. Also kann man bei Gericht beantragen, dass eine Betreuung eingerichtet wird, so dass der Betreuer Reiner auch gegen seinen Willen in eine Klinik einweisen könnte. Die Eltern bräuchten nur einen Brief an das Amtgericht schreiben, in dem sie anregen, dass das Gericht einen Betreuung anordnet. Sie sollten auch schreiben, warum sie das für notwendig halten.

Die Eltern haben diesen Rat befolgt. Das Gericht hat einen Psychiater beauftragt, ein Gutachten darüber zu machen, ob Reiner psychisch krank ist und ob eine Betreuung notwendig ist, gegebenenfalls auch für welchen Bereich. Aber Reiner ist weder der Einladung des Psychiaters gefolgt, sich bei ihm zu melden, noch hat er mit ihm gesprochen, als er einen Hausbesuch machte. Also hat das Gericht mit der Abfassung des Gutachten die Ärzte des Krankenhauses, in dem Reiner 3 Tage war, beauftragt. Das Ergebnis war, die Ärzte befürworteten eine Betreung mit dem Bereich Gesundheitsfürsorge, und zwar mit Einwilligungsvorbehalt.

„Einwilligungsvorbehalt“ bedeutet, dass Reiner nichts entscheiden kann, womit der Betreuer nicht einverstanden ist. Der Betreuer muss einwilligen, hat also das letzte Wort. Dieser Einwilligungsvorbehalt sollte aber nur für die Gesundheitsfürsorge gelten, also für Fragen, die mit seiner Behandlung zusammen hängen. Die gesetzliche Betreuung galt auf Anordnung des Gerichts auch für andere Angelegenheiten, aber ohne Einwilligungsvorbehalt. Das heißt, der Betreuer würde Reiner auch in allen anderen Fragen beraten, aber Reiner könnte Entscheidungen treffen, auch ohne dass der Betreuer einwilligte.

Behandlung in der Klinik

Zum Betreuer wurde ein Sozialarbeiter ernannt, der das beruflich machte. Es war ein freundlicher Herr, aber Reiner blieb bei seiner ablehnden Haltung. Schließlich, nach vielem hin und her, wurde Reiner mit Polizeieinsatz in die Klinik auf die geschlossene Station gebracht. Der Betreuer hatte es so beschlossen. Für diese einschneidende Maßnahme musste er, weil Reiner nicht einverstanden war, beim Gericht eine Erlaubnis beantragen, die er auch bekam. Alle waren der Meinung, Reiner sollte sich nun endlich behandeln lassen.

Reiner war also auf der Geschlossenen einer psychiatrischen Klinik. Erst hexte er etwas herum, dann schaltete er auf stur. Aber die Leute dort kannten das und ließen sich nicht aus der Reserve locken. Schließlich folgte er dem Vorschlag eines jungen freundlichen Arztes und nahm die Medikamente, die man ihm anbot. Und siehe da, er wurde innerlich ruhig, vergaß alle Gründe, die ihn vorher dazu brachten, alles abzulehnen. Er war nicht wieder zu erkennen. Die Eltern waren glücklich und die Ärzte stolz. Mehr als drei Monate war Reiner nun in der Klinik. Das Verhältnis zu den Eltern war blendend, es wurden Pläne geschmiedet, dass Reiner nun endlich eine Ausbildung machen sollte. Die mittlere Reife hatte er ja. So wurde er schließlich entlassen.

Keiner der Beteiligten, nicht Reiner, nicht die Eltern, nicht die Ärzte, nicht der Betreuer machten sich Gedanken darüber, warum Reiner in einen so schlimmen Zustand geraten war und dass die Gründe dafür durch die Medikamente, die er nun erhielt, nicht ausgeräumt waren. Und selbst wenn man unterstellt, dass diese Gründe keine Rolle spielten, Reiner hatte seine persönliche Entwicklung mit 14 Jahren eingestellt. Er konnte nicht einfach so weiter machen, wie es für sein Alter typisch gewesen wäre. Wichtige Entwicklungssschritte hatte er nicht gemacht. So hatte er z. B. überhaupt keine Erfahrung im Umgang mit seinen Altersgenossen oder im Umgang mit Autoritäten, die für einen Jugendlichen ja etwas anderes bedeuten als für ein Kind.

Es kam also, wie es kommen musste. Nichts klappte. Reiner nahm schließlich seine Medikamente nicht mehr und nach 2 Monaten war alles so schlimm wie früher. Der Betreuer, den diese Entwicklung allerdings nicht überraschte, wies Reiner wieder in die Klinik ein. Reiner nahm dort bereitwillig die Medikamente, aber sein Zustand änderte sich nicht mehr so positiv wie beim ersten mal.

Die weitere Entwicklung von Reiner

Jetzt sind einige Jahre vergangen. Es gab viele Krankenhauseinweisungen und Reiner lebt allein in einer kleinen Wohnung. Mit seinem Betreuer, der allerdings nicht so viel Zeit für ihn hat, wie beide es gerne hätten, versteht er sich gut. Er verlässt sich in vielen Dingen ganz auf ihn. Der Betreuer teilt ihm das Geld ein, regelt alle Behördenangelegenheiten für ihn und sorgt vor allem dafür, dass Reiner in psychiatrischer Behandlung bleibt. So gesehen, ist gut für Reiner gesorgt.

Aber Reiner ist extrem unselbständig und es gibt keinen Anreiz für ihn, daran etwas zu ändern. Alle Schwierigkeiten werden ihm abgenommen. Der Betreuer teilt das Geld ein, kümmert sich um die psychiatrische Behandlung, regelt alles, was mit Ämtern und Behörden zu tun hat. Die Eltern sorgen dafür, dass Reiner nicht ganz alleine ist, versorgen ihn mit vielen kleinen Annehmlichkeiten des Lebens und haben immer ein offenes Ohr für ihn.

Man kann sagen, dass alle zufrieden sind – bis eben doch auf Reiner. Ganz im Verborgenen spürt er, dass der Preis, den er zahlt, sehr hoch ist. Und wenn auch langsam und für seine Umwelt noch unsichtbar, macht er doch eine Entwicklung. Eines Tages wird er ausbrechen und eine Form von Selbständigkeit realisieren, die gesellschaftlich vielleicht nicht hoch bewertet wird, die ihm aber das Gefühl verschaffen wird, dass er um seiner selbst willen da ist. Dann wird er eine Betreuung nicht mehr wollen.

Was bedeutet Betreuung? Wer wegen Krankheit oder Behinderung in wichtigen Dingen nicht mehr für sich sorgen kann, kann durch das Gericht einen Betreuer bekommen. Wenn zugleich „Einwilligungsvorbehalt“ angeordnet wurde, hat der Betreuer in den Dingen, für die Betreuung besteht, das letzte Wort.

Wie beantragt man Betreuung? Ein Brief an das Amtsgericht mit der Anregung, die Einrichtung einer Betreuung zu prüfen. Die Gründe sollten angeführt werden.

Lesen Sie auch den Artikel, wie eine Mutter mit der Psychose ihrer Tochter besser umgehen konnte:

http://www.gesundheitsthema.de/psychose-mutter-und-tochter/ 

und eine längere Geschichte, wie eine Psychose entsteht und was das mit der Familie macht:

http://www.familienstuerme.de/

Beitrag von , letztmals geändert am 13.10.2015, 13:26 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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