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Borderline

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Laura Lohmann kam wegen einer schweren Erkältung in meine Sprechstunde. Als sie sich für die Untersuchung frei machte, sah ich ihren Bauch und erschrak. Der Bauch war mit Narben übersät. Laura war etwas verlegen. „Das habe ich gemacht, geschnitten. Ich habe eine Borderlinestörung.“ Ihre Geschichte hat sie mir später erzählt.

Selbstbildnis einer Frau mit Borderlinestörung

 

Symptome

„Ich kann überhaupt nicht alleine sein. Aber das habe ich jahrelang nicht gemerkt. Ich habe eben immer einen Menschen um mich rum gehabt. Wenn keiner da war, habe ich mir irgend einen Menschen gesucht, notfalls war es eine Bekanntschaft für eine Nacht oder ich habe bei einer Freundin geschlafen. Ich habe immer Gründe dafür gefunden, warum ich dies oder das tat. Erst durch die Therapie habe ich gemerkt, dass es eine zwanghafte Maßnahme war, um ja nicht alleine zu sein. Auf der anderen Seite konnte ich es nicht ertragen, wenn einer immer in meiner Nähe war. Vor allem meine Liebschaften musste ich ständig wechseln. Die gingen mir nach kürzester Zeit auf den Keks. Inzwischen ist das alles besser geworden, aber ganz weg ist es immer noch nicht.“

Laura war eine schlanke, hoch gewachsene Frau etwas auffallend gekleidet, aber elegant. Wie so viele Borderline Patientinnen, war sie begabt und in ihrem Beruf erfolgreich. Sie war Direktrice in einer Boutique.

Das selbstverletzende Verhalten

„Natürlich habe ich mich auch geschnitten, mit einer Rasierklinge, immer in den Bauch. Na ja, nicht gerade in den Bauch, sondern die Haut auf dem Bauch. Die ist voller Narben. Haben Sie ja gesehen. Wenn die Männer das gesehen haben, haben die genau wie Sie einen Schreck bekommen. Zwei Mal ist es mir passiert, dass die nicht mehr wollten.

Das mit dem Schneiden, das versteht ein normaler Mensch nicht. Mein Problem ist, dass ich so zerrissen bin von Leidenschaft. Ich bin Feuer und Flamme für einen Menschen oder eine Sache und plötzlich überfällt mich der größte Katzenjammer. Aber beide Gefühle sind zusammen da. Am schlimmsten ist es mit den Männern. Ich liebe wie verrückt und plötzlich kommt die Wut, ich weiß nicht, woher. Die Wut und die Liebe machen mich verrückt. Stellen Sie sich das doch mal vor! Sie geben sich ganz auf aus Liebe und zugleich wollen Sie ihm den Schädel einschlagen. Wenn ich mich dann schneide, sehe das Blut fließen, spüre den Schmerz, dann ist wieder Ruhe, dann ist Klarheit im Kopf und ich weiß, was ich will.

Aber auch das habe ich nicht immer so erlebt. Früher war es so, dass ich einfach wie benommen war. Nur die Klarheit im Kopf und die Ruhe, die habe ich immer empfunden, nach dem Schneiden.

Ich habe eine Freundin, die ist auch Borderliner. Die habe ich in der Klinik kennen gelernt. Die trinkt. Und das macht sie kaputt. Als ich sie kennen lernte, hat sie nicht so viel getrunken. Mit der Zeit ist es immer mehr geworden. Heute würde ich gar nicht mehr sagen, dass sie eine Borderlinestörung hat, sondern dass sie Alkoholikerin ist.

Vielleicht hat mich der Beruf gerettet. Ich habe immer gerne geschneidert. Ich kann ganze Nächte dasitzen und Kleider entwerfen und nähen. Das was ich heute anhabe, habe ich auch entworfen und selbst genäht.“ Laura lachte und war sichtlich stolz.

Die Kindheit

Bei anderer Gelegenheit erzählte mir Laura auch von ihrer Kindheit.
„Ich habe schon gesagt, dass die Symptome nicht alle weg sind, aber es ist doch viel besser geworden. Vor allem habe ich das erste Mal jetzt einen Freund, mit dem ich schon zwei Jahre zusammen bin. Roland ist aber auch sehr lieb und geduldig mit mir.

So wie Roland ist, das kenne ich gar nicht. Kurz nach meiner Geburt bekam meine Mutter Krebs und ist gestorben, als ich zwei Jahre alt war. Ich habe noch einen Bruder, der zwei Jahre älter ist als ich, aber der hat sich nie um mich gekümmert. Er war wohl auch zu jung dafür. Mein Vater hat dann bald wieder geheiratet. Mit der Frau habe ich mich nicht verstanden. Die bekam schnell ein eigenes Kind und sie hat mich schlecht behandelt. Mein Vater hat mich nie in Schutz genommen. Ich wurde dann später auch sehr frech. An meine Kindheit und Jugend kann ich mich fast gar nicht erinnern. Ich weiß nur, dass ich sehr früh einen Freund hatte, da war ich vierzehn, und dass ich immer von zu Hause weg wollte. Darum habe ich leider auch nur die Realschule gemacht. Heute hätte ich gern das Abitur. Aber das mit der Schneiderei, das macht alles wett. Ich habe einen guten Job. Ich kann vieles entscheiden und wenn der Laden läuft, verdiene ich sehr gut.“

Therapie

„Ich habe früh gemerkt, dass etwas mit mir nicht in Ordnung ist. Darum habe ich gedacht: Mach doch mal eine Therapie. Ich bin in die Psychiatrie gegangen. Als ich denen von dem Schneiden erzählte und meinen Bauch zeigte, haben die mich auch gleich genommen. Ich hatte damals auch manchmal Suizidgedanken. Aber in der Klinik war es eine Katastrophe. Die haben mich mit Medikamenten voll gestopft, dass ich nicht mehr denken konnte und haben sich wohl eingebildet, dass mir das helfen würde. Ich war froh, als ich schließlich wieder raus kam. Ich hab denen erzählt, dass ich nicht mehr an Selbstmord denken würde und auch nicht mehr schneide. Da waren die zufrieden und ließen mich raus, obwohl ich das nur gesagt habe, um raus zu kommen. Von Kliniken hatte ich erst mal die Nase voll.

Fast drei Jahre später habe ich von einer Spezialstation gehört. Ich war vorsichtig und habe erst mal Patienten, die da waren, befragt. Was ich erfuhr, hat mir gefallen. Ich bin dort drei Monate gewesen und es war ein Durchbruch. Die haben meine Probleme erst mal richtig ernst genommen, ohne um das blöde Schneiden und meine Suizidphantasien ein Buhei zu machen.

Danach habe ich eine ambulante Therapie angefangen, die viele Jahre gedauert hat. Wenn Sie mich fragen, ob ich geheilt bin, würde ich sagen, so richtig nicht. Aber schließlich hat jeder so seine Macken. Und … “, Laura strahlte „ … wir haben uns entschlossen, ein Kind zu kriegen und dann zu heiraten. Noch vor ein paar Jahren hätte ich jeden für verrückt erklärt, der mir das voraus gesagt hätte.“

Mein Kommentar

Laura hat ihre Geschichte so erzählt, dass man nicht viel dazu sagen muss. Sie ist vielleicht mehr als andere begabt und hat darum gut verstanden, wie es um sie bestellt ist. Viele Menschen mit einer Borderlinestörung tun sich schwerer als Laura, besonders, wenn sie die Probleme mit Alkohol oder einem anderen Suchtmitteln haben und das nicht in den Griff bekommen.

Hauptsymptome: Nicht allein sein können, extreme Schwankungen in der Stimmung, Begeisterung und schnelle Enttäuschung, Betäubung durch Suchtmittel, selbstverletzendes Verhalten, manchmal auch Essstörung

Behandlung: Psychotherapie. Evtl. eine gute Spezialklinik.

Im Internet findet man Borderline Selbsthilfegruppen, wenn man “borderline forum”, etwa bei google, eingibt. Die meisten mischen Beschreibung der Borderline Problematik mit Ratschlägen. Man findet dort auch Listen von Kliniken, die Borderlinestörungen behandeln. Aber die Listen sind nicht vollständig und auch nicht unbedingt verlässlich. Am besten macht man es wie Laura und fragt bei ehemaligen Patienten nach, die man übers Internet sucht. Die Kosten der Behandlung übernimmt die Krankenkasse. 

Beitrag von , letztmals geändert am 14.10.2015, 11:13 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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