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Bulimie – Entstehung und Behandlung

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Symptome

Frau Linder war eine junge Frau, schlank, attraktiv, in einer guten Stellung. Sie sucht psychotherapeutische Hilfe, weil sie seit vielen Jahren an einer Bulimie leidet. Sie sagte: „Ich habe Bulimie, keine Anorexie und kein binge eating.“ Sie hatte sich also schlau gemacht. „Ich bekomme Heißhunger und esse, was ich finden kann. Oft kaufe ich mir noch einige Kuchenstücke oder Teilchen dazu.“ Sie druckste etwas. Offensichtlich war es ihr peinlich. Sie konnte sich denken, was ich jetzt wissen wollte, nämlich wie oft das passierte.
„Na ja, zwei mal die Woche. Manchmal auch öfter.“

Heimlich schlingt sie alles in sich hinein.

Schließlich aber gab sie sich einen Ruck und erzählte freimütig, wie es war. Nach der Pubertät war es aufgetreten und seitdem nicht mehr verschwunden. Der Heißhunger kommt anfallsartig und ist so extrem, dass ihr Bauch danach aussieht wie bei einer Schwangeren. Dann rennt sie voller Scham auf die Toilette und bricht alles wieder aus. Anfangs musste sie mit dem Finger den Brechreiz auslösen, aber inzwischen geht es auch so. Sie erbricht sich so lange bis es weh tut. Danach aber ist die Scham noch größer. Sie macht sich Vorwürfe, beschimpft sich, hat tausend gute Vorsätze. Ein, zwei Tage, in ruhigen Zeiten auch mal drei Tage geht es gut. Sie kann normal essen. Dann kommt wieder so ein Anfall, dem sie nicht widerstehen kann.

Frau Linder hatte es fertig gebracht, dass ihre Freunde gar nichts davon wussten, weil sie die Fressanfälle immer nur zu Hause bekommt. Die Eltern hatten es zwar mitbekommen, aber nachdem sie eine eigene kleine Wohnung bezogen hatte, konnte sie es auch vor den Eltern verschleiern. „Es kostet viel Geld“, meinte sie. „Und meine Zähne haben auch gelitten, weil die Salzsäure aus dem Magen die Zähne angreift. Mein Zahnarzt hat schon mal so eine Bemerkung gemacht. Der denkt sich wohl, dass ich eine Bulimie habe. Aber gesagt hat er noch nichts.“

Sie hatte mit sich die Geduld verloren. Sie wollte die Bulimie endlich los werden und darum kam sie nun zu mir, weil sie dachte, dass eine Psychotherapie ihr dabei helfen würde.

Die Kindheit

Frau Lindner war das einzige Kind ihrer Eltern. Beide waren Lehrer. Der Vater hatte sich sehr früh intensiv um seine kleine Tochter gekümmert. Die Mutter hatte wohl ein schwieriges Verhältnis zu dem Kind. So, wie es Frau Lindner mit der Zeit erzählte, hat sie ihre Tochter gut versorgt, auch geliebt, aber sie ließ sie auch fühlen, dass ihr die Arbeit oft eine Last war. Das hat Frau Lindner nicht so erzählt. Sie hat es auch ursprünglich gar nicht gewusst. Es hat viele Stunden gebraucht,  in denen wir die Situation ihrer Kindheit untersuchten, bis sie diese Erkenntnis hatte.
„Und was habe ich jetzt davon, dass ich weiß, dass meine Mutter mich manchmal auch abgelehnt hat? Ändern kann ich es ja doch nicht!“ Als sie diese Bemerkung in der Therapie machte, konnte ich es ihr noch nicht erklären, dass diese Einsicht notwendig für eine Besserung war. Ein längerer Urlaub, den ich machte, brachte sie einen Schritt weiter. Es war ihr während meines Urlaubs gar nicht gut gegangen. Die bulimischen Anfälle, die in letzter Zeit deutlich an Zahl geringer geworden waren, hatten wieder sehr zugenommen. „Nur wenn ich bei meinem Freund übernachtet habe, ging es besser“, sagte sie.
„Könnte es sein, dass Sie mich vermisst haben?“ fragte ich sie. Ihre Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: “Nein. Sie müssen doch manchmal Urlaub machen. Nein, auf keinen Fall.“

In den nächsten Stunden kam sie wieder auf ihre Kindheit zu sprechen und realisierte, wie verlassen sie sich oft gefühlt hatte. „Mein Vater war weg, ich glaube, der hatte damals eine Freundin, und meine Mutter war weg. Ich stand am Fenster und wartete, dass jemand kam. Die Nachbarin sollte auf mich aufpassen, aber die mochte ich nicht. Ich habe mich nach meinen Papa gesehnt.“

Ich versuchte es noch einmal: „War das Gefühl, als ich in Urlaub war, nicht ähnlich?“ Sie schwieg lange und dann weinte sie leise.

Die Erkenntnis

Nach dieser Stunde war eine Hürde genommen. Frau Lindner realisierte allmählich, dass sie immer dann bulimische Anfälle hatte, wenn sie sich verlassen fühlte, wenn z.B. ihr Freund wegging oder wenn eine Freundin sich nicht meldete usw. Sie merkte, dass sie eine besondere Empfindlichkeit in diesem Punkt hatte. Ihr Gefühl der Verlassenheit war bei diesen geringen Anlässen so heftig, weil es die kindliche Situation, in der sie sich so unglücklich gefühlt hatte, wiederbelebte. Das war ihr völlig unbewusst gewesen. Sie hatte auch das Gefühl, verlassen zu sein, gar nicht mehr gehabt, weil es von den Fressattacken und dem nachfolgenden Erbrechen überdeckt war.

Schließlich tauchte das Gefühl, verlassen zu sein, auch in den Therapiestunden auf. Sie fühlte sich von mir verlassen. Das nun half ihr, das Gefühl der Verzweiflung in Wut auf Mutter und Vater, die sie so viel allein gelassen hatten, umzumünzen. Schließlich konnte die die Wut in Trauer verwandeln und dann allmählich überwinden. Damit hatte sie gewissermaßen keinen Grund mehr für die Bulimie, die dann auch völlig verschwand.

So konnte ich ihr auch erklären, warum es notwendig gewesen war, die alte Verletzung wieder zu beleben, zu erkennen, woran sie in der Kindheit gelitten hat. „Nicht weil wir die Vergangenheit ändern könnten, sondern weil Sie durch diese lebendige Erinnerung die alte Verletzung überwinden konnten. Solange sie nicht erinnert ist, bleibt sie im Unbewussten lebendig, als geschehe sie jeden Tag neu und verursacht die Symptome. Jetzt kann die Wunde endlich verheilen und Sie können Frieden machen mit den Eltern.“

Etwas über die Entstehung

Natürlich ist jede Geschichte der Menschen, die an Bulimie leiden, anders. Aber immer gibt es eine Erfahrung in der Kindheit, mit der sie überfordert waren. Die Eltern von Frau Lindner haben ihre Tochter geliebt, aber sie waren selbst in einer schwierigen Situation, in der sie sich nicht ausreichned auf das Kind konzentrieren konnten, und zwar gerade zu einer Zeit, als das Kind sie mehr gebraucht hätte. Manchmal ist die Geschichte der Menschen mit Bulimie grausamer, manchmal harmloser. Meistens ist es aber so, dass das Kind mit sich alleine und darum überfordert war.

Bis zur Pubertät können die Kinder diese Überforderung irgendwie ausgleichen. Vielleicht klammern sie oder suchen sich eine Ersatzmutter oder machen etwas anderes. In der Pubertät aber erwacht die Sexualität und die treibt die Jugendlichen innerlich weg von den Eltern. Sie müssen sich von ihnen lösen, weil sie sich anders nicht verlieben und einen anderen Menschen begehren können. Diese Ablösung aber setzt voraus, dass man auch alleine sein kann. Wenn das nicht möglich ist wegen der kindlichen Verletzungen, dann brechen die Symptome aus wie bei Frau Lindner. Warum es nun ausgerechnet eine Bulimie ist, das wissen wir nicht.

Binge eating nennt man übrigens Fressattacken ohne nachfolgendes Erbrechen. Zwangsläufig führt das zu Übergewicht, was bei der Bulimie nicht der Fall ist. Anorexie ist Magersucht. Wie die Bulimie kommt sie überwiegend bei Frauen vor. Sie führt zu extremer Abmagerung, unbehandelt auch schon mal zum Tod. Bulimie und Anorexie kommen nicht selten kombiniert vor.

Hauptsymptome: Anfallsartig extreme Fressanfälle. Nachher wird alles ausgebrochen.

Behandlung: Psychotherapie

Ausführliche Beschreibungung eines jungen Mädchens, das an einer Bulimie leidet und später noch weitere seelische Schwierigkeiten bekommt, unter:

http://www.familienstuerme.de/psyche/symptome/fressanfall.html

sowie die weiteren Folgen

 

 

Beitrag von , letztmals geändert am 18.10.2015, 13:11 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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