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Betreuung bei Demenz

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Betreuung ist ein gesetzlicher Begriff. Er bedeutet, das auf gerichtliche Anordnung wichtige Angelegenheiten für einen Menschen von einem anderen erledigt werden, z. B. das Geld verwalten, die Wohnung festlegen usw. Unter Umständen kann Betreuung gegen den Willen eines Menschen angeordnet werden.

Im Alter geht es oft nicht ohne Beratung und Hilfe

Im Alter geht es oft nicht ohne Beratung und Hilfe

Warum Betreuung?

Eine typische Situation, die Betreuung erfordert, ist die Demenz bei alten Leuten.

Frau Liebmann zum Beispiel. Sie war vor langer Zeit schon verwitwet und lebt gut von der Rente und den Einnahmen eines kleinen Mietshauses, das sie und ihr Mann zusammen gekauft hatten. Die beiden erwachsenen Kinder waren nicht auf die Unterstützung durch die Mutter angewiesen. Die Kinder hatten sich in der Kindheit und Jugend gut versorgt gefühlt und jetzt kümmerten sie sich um die Mutter. In den letzten Jahren, die Mutter ging auf die 80 zu, war sie ziemlich halsstarrig geworden und legte sich oft mit Leuten an, wenn ihr etwas nicht passte.

Der Sohn ertrug es geduldig, wenn sie z. B. verärgert war, dass er schon mal aus beruflichen Gründen einer Einladung nicht folgen konnte und die Tochter sah sarüber hinweg, wennsie mit ihren veralteten Modevorstellungen die Kleidung der Tochter kritisierte. Aber dann wurde die Mutter auch dement. Komplizierte Sachverhalte verstand sie nun nicht mehr. Das wäre auch nicht so schlimm gewesen, da ihr die Kinder helfen wollten. Viele Male versuchten sie auch, die Mutter zu bewegen, all die Dinge den Kindern zu übergeben. Das aber ließ ihr Starrsinn nicht zu. So ergaben sich schließlich gehäuft Situationen, die nicht mehr tragbar waren. Sie bezahlte Gebühren nicht mehr, reagierte nicht auf Post usw.

Der Antrag ans Gericht auf Einrichtung einer Betreuung

Es musste etwas geschehen. Der Anwalt, den die Kinder um Rat fragten, erklärte es ihnen. 1. Es gibt wichtige Angelegenheiten, die geregelt werden müssen, z. B. die Verwaltung des Mietshauses. 2. Die Mutter leidet an einer psychischen Krankheit bzw. psychischen Behinderung, nämlich an Demenz. Dieser Zustand führt dazu, dass sie die wichtigen Sachverhalte nicht mehr versteht. 3. Die Mutter widersetzt sich allen Hilfsangeboten, sie ist also in wichtigen Angelegenheiten nicht einsichtig. – Die drei Gegebenheiten rechtfertigen es und machen es notwendig, dass für die Mutter eine gesetzliche Betreuung auch gegen ihren Willen eingerichtet wird. Das ist in den §§ 1896 bis 1908 des BGB (bürgerliches Gesetzbuch) geregelt. Die Kinder sollten an das Amtsgericht einen Brief schreiben, in dem sie vorschlagen, dass für die Mutter eine Betreuung angeordnet wird.

Der Brief hatte folgenden Wortlaut:

„An das Amtsgericht Straße Ort

Sehr geehrte Damen und Herren,
unsere Mutter, Frau Eva Liebman, geb. am 22. Juni 1925 ist seit einigen Jahren dement. Sie ist nicht mehr in der Lage, die wichtigen Dinge ihres Lebens selbständig zu regeln. So öffnet sie z. B. nicht mehr ihre Post, lässt aber auch niemand anderen, z. B. uns, ihre Kinder es tun. Das Mietshaus, das ihr gehört und von dessen Einnahmen sie lebt, kann sie nicht mehr verwalten. Sie bezahlt z. B. nicht die notwendigen Gebühren. Wir haben auch keine Übersicht über ihre Konten.

Ihr Arzt hat uns mitgeteilt, dass mit einer Verschlimmerung zu rechnen sei, dass sie früher oder später in ein Heim müsse. Damit wird sie wahrscheinlich nicht einverstanden sein.

Wir möchten deshalb anregen, dass eine gesetzliche Betreuung für unsere Mutter eingerichtet wird. Als Betreuer schlagen wir uns, die beiden Kinder von Frau Liebmann, Andreas Liebmann und Sabine Müller, geb. Liebmann vor.“

Es fiel den Kindern schwer, diesen Brief abzuschicken. Sie hatten ihn gemeinsam schnell verfasst, aber dann blieb er wochenlang liegen. Die Mutter, die früher so tatkräftig war, auf diese Weise zu entmündigen, ihr alles aus der Hand zu nehmen, das schien ihnen lange unmöglich. Aber als sie dann bei einem Besuch wieder Post vorfanden, die nicht geöffnet war, wichtige Bescheide der Stadt, da schickten sie den Brief doch ab.

Was passierte nach dem Antrag ans Gericht?

Als dann der Brief raus war, lief alles von alleine. Vom Gericht bekamen sie die Nachricht, dass ein Psychiater die Mutter bestellen, bzw. aufsuchen würde, um sich ein Bild von ihrer geistigen Verfassung zu machen. Die Mutter bekam auch eine Einladung zum örtlichen Gesundheitsamt. Aber sie las den Brief nicht, wie üblich. So kam zwei Wochen später ein Psychiater in ihre Wohnung, den sie aber äußerst misstrauisch empfing. Der Psychiater schloss sich der Meinung der Kinder an und teilte dem Gericht in einem kurzen Gutachten mit, dass eine Betreuung notwendig sei, auch wenn Frau Liebmann das nicht wolle. Er schlage vor, dass die Betreuung für Vermögensangelegenheiten, für die Aufenthaltsbstimmung und für die Gesundheitsfürsorge gelten solle.

Der Psychiater schlug auch vor, dass die Betreuung mit Einwilligungsvorbehalt für den Bereich Vermögen und Aufenthalt eingerichtet werden solle. Das ist ein wichtiger Punkt. “Einwilligungsvorbehalt” bedeutet, dass Frau Liebmann in diesen Bereichen Wichtiges nicht selbst entscheiden kann, sondern dass der Betreuer einwilligen muss, also das letzte Wort hat. Nun war es so, dass Frau Liebmann selbst so gut wie nichts mehr entschieden hatte. Der Betreuer würde ihr das abnehmen müssen. Aber dieser Einwilligungsvorbehalt bedeutet eben, dass der Betreuer auch ohne sie entscheiden könnte.

Das Gericht lud nun Frau Liebmann zu einem Termin. Die Kinder hatten davon Mitteilung erhalten und konnten die Mutter überreden in ihrer Begleitung hinzugehen. Aber nachher waren sie sehr im Zweifel,ob die Mutter überhaupt verstanden hatte, worum es ging. Der Richter sprach kurz mit Frau Liebmann und dann wurde entschieden, dass sie eine Betreuung erhalten würde. Zu Betreuern wurden die Kinder gemeinschaftlich ernannt. Der Richter legte auch fest, für welche Bereiche die Betreuung gelten solle. Er hätte sie auf einzelne Bereiche begrenzen können, aber bei Frau Liebmann war es sinnvoll, die Betreuung auf Vermögensangelegenheiten, Wohnung und Gesundheitsfürsorge auszudehnen. Für die Vermögensangelegenheiten ordnete er Einwilligungsvorbehalt an.

Der Richter tat sich etwas schwer, den Kindern die Regelung über das Vermögen der Mutter zu überlassen. Als er aber hörte, dass die Kinder eigentlich den größten Teil des Vermögens vom Vater schon geerbt hatten, das Erbe aber nicht in Anspruch genommen, sondern der Mutter überlassen hatten, willigte er ein. Er wies aber eindrücklich darauf hin, dass die Kinder jährlich unaufgefordert einen Bericht über die Angelegenheiten der Mutter, besonders der Vermögenssituation, an das Gericht schicken müssten.

Einwilligungsvorbehalt galt nicht für die Aufenthaltsbestimmung. Das bedeutete, dass die Kinder die Mutter nicht gegenn ihren Willen in ein Heim verlegen konnten. Der Richter meinte: Wenn es da Schwierigkeiten geben sollte, müssten sie sich eben wieder an das Gericht wenden. Auch für die Gesundheitsfürsorge ordnete er nicht Einwilligungsvorbehalt an. Die Mutter hatte Vertrauen zu ihrem Hausarzt, dessen Empfehlungen sie sehr genau befolgte. Wenn die Kinder etwas in der Sache für die Mutter tun wollten, würden sie sich mit ihr einigen müssen. Sie hätten da ja einen starken Verbündeten, nämlich den Hausarzt.

Etwas später erhielten Andreas und Sabine vom Gericht eine Bestellung als Betreuer für ihre Mutter. Sie konnten nun vieles auch ohne die Zustimmung der Mutter für sie regeln. Für die beiden war es komisch, dass es jetzt, wo sie gar nicht mehr mit der Mutter darüber diskutierten, was zu tun sei, viel einfacher wurde. Sie taten, was Ihnen für die Mutter gut schien und der war es recht. Offensichtlich war die Mutter sehr entlastet, dass sie nun in schwierigen Sachen gar nicht mehr gefragt wurde.

Was bedeutet Betreuung? Wer wegen Krankheit oder Behinderung in wichtigen Dingen nicht mehr für sich sorgen kann, kann durch das Gericht einen Betreuer bekommen. Wenn zugleich „Einwilligungsvorbehalt“ angeordnet wurde, hat der Betreuer in den Dingen, für die Betreuung besteht, das letzte Wort.

Wie beantragt man Betreuung? Ein Brief an das Amtsgericht mit der Anregung, die Einrichtung einer Betreuung zu prüfen. Die Gründe sollten angeführt werden.

Beitrag von , letztmals geändert am 13.10.2015, 10:23 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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