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Demenz verstehen

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Oft sind Angehörige von Demenzkranken zu mir gekommen und haben Rat gesucht. “Unser Opa”, so erinnere ich mich an einen Fall, “läuft nachts auf die Straße. ‘Die Russen kommen!’ ruft er und versteckt sich irgendwo. Dabei zittert er vor Angst am ganzen Körper. Was können wir tun? Er ist zwar schon sehr vergesslich, aber er kommt doch noch in seiner Wohnung gut zurecht, wenn täglich jemand nach ihm sieht.”

Demente Menschen vertragen das Alleinsein so wenig wie kleine Kinder.

In einem anderen Fall erzählten die Betreuer eines Altenheims, dass sich eine alte Dame nachts in ihrem Zimmer verbarrikadierte. Sie rückte Schrank und Stühle vor die Tür, so dass die Betreuer nicht mehr hinein kamen.

Häufig auch behaupten Alte, sie seien bestohlen worden.

Wie entsteht das merkwürdige Verhalten?

Eine Demenz entsteht, wenn die Nervenzellen im Großhirn mehr und mehr zugrunde gehen. Sie macht sich durch ein zunehmendes Nachlassen von Gedächtnis und Intelligenz bemerkbar. Wenn die Demenz schon fortgeschritten ist, kann ein Verhalten wie oben beschrieben entstehen. Selten wird dann gefragt, was das absonderliche Verhalten bedeuten mag. Aber so wie das Verhalten eines kleinen Kindes, auch wenn es noch dumm ist, doch einen Sinn hat, so ist es auch bei den Dementen. Bei den Alten kommt nur die Lebensgeschichte hinzu, die ja nicht auf einen Schlag gänzlich vergessen ist. Wenn das Gedächtnis allmählich schwindet, dann zuerst die Fähigkeit Neues zu behalten. So vergessen demente Alte schnell, was sie gestern gesgessen haben oder wo sie am letzten Sonntag waren etc. Die Einnerung an das Frühere bleibt länger erhalten. Erst allmählich werden auch die Erinnerungen an das Frühere gelöscht, und zwar die wichtigen Dinge, die früh gelernt wurden, zuletzt. Die Erinnerung an Vater und Mutter z. B. wird meistens später gelöscht als die Erinnerung an Freunde oder auch an den Ehepartner.

Bedeutung der Lebensgeschichte

Der alte Mann, der nachts Angst vor den Russen hatte, war als Soldat im Krieg in Russland gewesen. Seine Angst war also ein Wiederaufleben eines früheren Erlebnisses. Tagsüber konnte er sich noch einigermaßen an der Wirklichkeit orientieren. Aber nachts war er alleine und er hatte Angst. Die Gegenwart, in der er lebte, hinterließ in seiner Erinnerung keine Spuren, die intensiv genug waren, für ihn seine Situation zu erklären. Er konnte nicht denken: Ich bin hier in der Wohnung alleine, ich fühle mich darum unsicher und ängstlich, aber wenn etwas passieren sollte, rufe ich mit dem Telefon meinen Sohn. Diese Gegenwart war in seiner Einnerung nicht mehr präsent. Darum drängten Ereignisse der Vergangenheit, die mit intensiver Angst verbunden waren, ins Bewusstsein. Das waren seine Erlebnisse im Russlandfeldzug des zweiten Weltkrieges, die für ihn dafür herhalten mussten, die Angst zu erklären.

Aktuell war Abhilfe darum nicht so schwierig. Tagsüber kümmerten sich der Sohn und dessen Familie um den alten Mann, der, wie gesagt, mit dieser Unterstützung noch gut zurecht kam. Für die Nacht reichte es für eine längere Zeit, dass der alte Mann ein Medikament nahm, das die Angst unterdrückte und ihn gut schlafen ließ. Erst viel später verschlechterte sich sein Gesundheitszustand so sehr, dass der Sohn beschloss, ihn in ein Altenheim zu geben.

Wie bei Kindern, die nicht alleine sein können, ist es bei den dementen Alten. Sie bekommen Angst, wenn sie alleine sind. Sie spüren, dass sie hilflos sind und mit Unvorhergesehenem nicht zurecht kommen. Die Angst drücken sie aber meist so aus, dass sie auf ein früheres Ereignis, das ihnen einmal viel Angst gemacht hat, zurück greifen und auch das entsprechende Mittel dagegen versuchen. Also, sie laufen weg oder verbarrikadieren sich oder schreien usw. Angst tritt auch oft auf, wenn sich die Alten an einem Ort befinden, den sie nicht kennen.

Angst

Man kann darum sagen, dass es meistens Angst ist, was die Alten zu absonderlichem Verhalten treibt. Die Angst wird wiederum meistens ausgelöst durch Alleinsein oder durch eine ungewohnte Umgebung. Beruhigungsmittel, die die Angst nehmen, helfen darum. Das sollte aber nicht dazu führen, dass die normalen Aktivitäten unterdrückt werden. Beruhigungsmittel reduzieren die Aktivität der Menschen und sie lähmen auch bis zu einem gewissen Grad die geistigen Fähigkeiten, was gerade bei Dementen nicht erwünscht ist. Besser ist immer, wenn man das Verhalten versteht und Abhilfe schaffen kann.

Bei der Dame, die sich nachts verbarrikadierte, war es die Angst vor einem Pfleger, der sie wahrscheinlich an einen Menschen ihrer Vergangenheit erinnerte. Das Heim achtete nun darauf, dass sie mit diesem Pfleger keinen Kontakt mehr hatte, was auch gut half.

Die Vorstellung bestohlen zu sein, wird oft herangezogen, weil die Alten vergessen haben, wo sie die Sachen hingetan haben. Es ist in solchen Fällen darum das Beste, ihnen zu erklären, wo die Sachen hingekommen sind, ohne die Alten zu beschämen.

Nicht selten kommen in der Demenz auch liebenswerte Züge zum Vorschein. Durch die Demenz fallen spät erworbene Charaktereigenschaften weg und der liebenswerte Teil, wenn er denn darunter verborgen war, wird nun deutlich. So erzählte mir ein Mann, dass seine Mutter, die seine Leistungen nie anerkannte und ihn immer zu Höchstleistungen anzustacheln versuchte, in der Demenz ganz anhänglich wurde und liebevoll zu ihm war. Diese Zeit hat ihn für viel Kummer, den er mit seiner Mutter hatte, entschädigt. Von vielen Menschen, die ihre dementen Eltern gepflegt haben, habe ich ähnliches gehört.

Im Endstadium der Demenz sind die Menschen wieder wie kleine Kinder und sie reagieren auch so. Worte erreichen sie nicht mehr, weil sie auch die Sprache vergessen haben. Vielleicht ist es noch der liebevolle Ton, der sie beruhigt. Auch die Berührung, wenn man ihnen über das Gesicht oder die Hände streichelt, macht sie zufrieden wie ein Kind in den Armen der Mutter.

Hauptsymptome: Das absonderliche Verhalten dementer Alter lässt lebensgeschichtliche Ereignisse wieder aufleben.  Erinnerungen an frühere Ereignisse werden herangezogen, um für den Betroffenen eine aktuelle schwierige Situation zu erklären.

Behandlung: Wenn man erkennt, welches aktuelle Problem durch das Verhalten ausgedrückt und scheinbar gelöst werden soll, kann man leichter Abhilfe schaffen.

Informationen über Pflege von Demenzkranken:

https://www.deutsche-alzheimer.de/ueber-uns.html

Beitrag von , letztmals geändert am 22.10.2015, 11:08 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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