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Demenz

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Frau Friedemann war Lehrerin. Als sie vor ca. 12 Jahren in Pension ging, kam sie zu mir und erzählte:
„Angefangen hat es schon, als ich noch berufstätig war. Ich musste Dinge nachschauen, die ich früher wusste. Aber seit meiner …“
hier stockte sie einen Augenblick, bis sie fortfuhr:
„seit meiner Pensionierung ist es schlimmer geworden. Ich kann nicht genau sagen, wie es im einzelnen ist, aber ich habe jetzt oft Schwierigkeiten Worte zu finden.“
Sie schluckte und sagte dann:
„Ich glaube, ich werde dement. Ich bin gerade mal 65 Jahre alt.“

Was ist Demenz?

Ich habe sie beruhigt. Vergesslicher wird man nun mal im Alter, aber das heißt nicht, dass man darum gleich dement ist. Im Alter lassen alle Fähigkeiten etwas nach, hören, sehen, riechen, laufen, Sexualität, Ausdauer, Schnelligkeit usw. So ist auch die Intelligenz oder das Gedächtnis nicht so wie in jüngeren Jahren. Der Altkanzler Helmut Schmidt mag geistig noch sehr rege sein, aber so wie früher ist es bei ihm auch nicht. Man bemerkt dieses Nachlassen der Fähigkeiten meistens ab dem 65. bis 70. Lebensjahr deutlicher. Selbst wenn die Geisteskräfte von Frau Friedmann weiter nachlassen, hätte sie unter Umständen noch viele Jahre Zeit bis es wirklich schwerwiegend sein würde.

Von Demenz spricht man erst dann, wenn Gedächtnis und Intelligenz stärker beeinträchtigt sind. Wenn ein Alter immer die gleiche Frage  stellt, ständig dasselbe erzählt, nicht mehr weiß, wie man Kanaster spielt, obwohl er das früher mit Leidenschaft gemacht hat, mit dem Geld durcheinander kommt, sein Äußeres vernachlässigt, dann ist die Demenz auf dem Vormarsch. Aber selbst wenn es schon so weit gekommen sein sollte, kann sich die Sache  lange hinziehen, bis ein Zustand erreicht ist, der intensive Pflege erfordert. Allerdings kann der Verlust der Intelligenz auch Einfluss auf den Charakter bzw. das Verhalten haben. Der oder die Alter nimmt merkwürdige Verhaltensweisen an, wird unbeherrscht oder findet sich in seiner Umgebung nicht mehr zurecht.

Die Demenz wird dadurch verursacht, dass Nervenzellen im vorderen Großhirn, das ist der Teil des Gehirns, der hinter der Stirn und unter dem Scheitel liegt, zu Grunde gehen. So werden es allmählich immer weniger und die Geisteskraft, das heißt Gedächtnis und Intelligenz, schwinden. Dieser Prozess verläuft unterschiedlich schnell. Die Ursache dafür ist unbekannt. Man weiß nur, dass sich in und neben den Nervenzellen Stoffe ablagern, die nicht dahin gehören und die die Nervenzellen zerstören. Die intensiven Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet lassen hoffen, dass  man ziemlich bald heraus finden wird, wie das verhindert werden kann.  Zunächst sind nicht alle Teile des Gehirns von diesem Prozess betroffen, sondern eben nur die Teile, die in besonderer Weise für Gedächtnis und Intelligenz zuständig sind. Erst wenn der Prozess erstens sehr ausgeprägt und zweitens sehr fortgeschritten ist, befällt er auch andere Gehirnteile. Das Sprachvermögen geht verloren, dann die Kontrolle von Blase und Darm, schließlich können die Betroffenen nicht einmal mehr laufen. Die Entwicklung ist umgekehrt wie in der Kindheit. Was an Gehirnleistung zuerst da war, hält am längsten. Aber es muss hier betont werden, dass sich ein solcher Zustan nur selten entwickelt, nämlich in der Endphase besonders schwerer Fälle.

Die beschriebene Form der Demenz hat der Arzt Alois Alzheimer 1901 zuerst beschrieben. Man spricht darum von Demenz vom Alzheimer Typ. Andere Schädigungen des Gehirns können, wenn sie die entsprechenden Teile des Gehirns zerstören, auch zu einer Demenz führen. Aber diese Demenzformen verlaufen anders. Das sind z. B. Schlaganfall, Hirnverletzung oder langjähriger Alkoholmissbrauch.  Eine Demenz, die sich z. B. nach einem Schlaganfall einstellt, entwickelt sich in der Regel nicht weiter, es sei denn es kommt ein weiterer Schlaganfall hinzu. Boxer, die viele KOs einstecken mussten, werden oft in jungen Jahren schon dement.

Es gibt viele berühmte Männer und Frauen, die im Alter dement wurden. Man sagt es von Jonathan Swift (Gullivers Reisen), dem großen Philosophen Immanuel Kant, den Schauspielern Rita Hayworth und Peter Falck, dem ehemaligen US Präsidenten Ronald Reagan. Der Schriftsteller Rolf Hochhuth hat jüngst in einem Interview davon gesprochen, dass sein Gedächtnis rasant schwindet.

Organisatorische Maßnahmen

Frau Friedemann ist jetzt Ende 70. Ihre Vergesslichkeit hat in letzter Zeit doch stark zugenommen. Vor ca. drei Jahren ist der Abfall ihrer geistigen Kräfte plötzlich stärker geworden. Das Kochen kriegt sie nur mit Mühen hin, aber sie kennt den Weg zum nächsten Supermarkt. Zum Einkaufen nimmt sie einen Zettel mit, den sie mit ihrer Tochter zusammenstellt. Das Geld, das ihr die Tochter mitgibt, ist ungefähr passend, da sie nicht kontrollieren kann, ob das Rückgeld stimmt. Aber die Kassiererinnen sind ehrlich. Die Tochter kommt alle zwei Tage, ruft aber zwei Mal am Tage an, auf meinen Rat hin, immer zur gleichen Uhrzeit. Das Problem war der Herd. Sie hat jetzt einen Induktionsherd. Dessen  Herdplatten können nie so heiß werden, dass Brandgefahr besteht, auch wenn Frau Friedemann vergisst, sie auszustellen. Frau Friedemann trägt eine Notrufanlage am Körper. Ihre Tochter trifft sich in größeren Abständen mit Fachkräften und sie beraten, was zu tun ist, um Wohnung und Tageslauf von Frau Friedemann ihren Fähigkeiten anzupassen.

Jetzt ist Frau Friedemann wirklich dement. An ihrer Geschichte kann man erkennen, dass der Übergang von einem “normalen” Alterungsprozess zur Alzheimerschen Krankheit fließend ist. So gibt es auch vereinzelt Menschen, die schon im Alter von 60 Jahren massive Einschränkungen haben.

Frau Friedmann ist körperlich noch sehr rüstig. Das erleichtert ihre Situation sehr. Wenn sie zusätzlich z. B. herzkrank wäre oder eine starke Osteoporose hätte, wäre es viel schwieriger sie allein in der Wohnung zu lassen.

Vorbeugung und Behandlung

Wir wissen nicht, welche Menschen früh und schwerwiegende geistige Einbußen hinnehmen müssen. Es gibt zwar eine gewisse Erblichkeit. Aber die besagt nur, dass die Wahrscheinlichkeit dement zu werden, etwas größer ist, wenn es die Vorfahren auch wurden. Alles spricht dafür, dass ein Leben, in dem alle geistigen und auch körperlichen Fähigkeiten gefordert sind, eine Demenz, wenn sie überhaupt das Schicksal eines Menschen sein sollte, hinaus zögert. Darum sollten Menschen, so lange es geht in jeder Hinsicht aktiv bleiben, also Herausforderungen annehmen, auch wenn sie unbequem sind. Es gibt  Medikamente, denen eine gewisse aufschiebende Wirkung nachgesagt wird, aber bewiesen ist das keinesfalls. (Das bei Ärzten bekannteste heißt Donepezil und ist ein Acetylcholinesterase-Hemmer. Dieser komplizierte Name sagt, dass es eine Substanz ist, die einen bestimmten Botenstoff im Gehirn davor schützt, zu schnell abgebaut zu werden.) Den Prozess zum Stillstand bringen, kann es mit Sicherheit  nicht. Dass man durch Medikamente verlorene Geistesfähigkeiten nicht wieder erlangen kann, versteht sich von selbst. Wichtig ist, dass körperliche Krankheiten behandelt werden; denn jede Krankheit beeinträchtigt auch die geistige Leistungsfähigkeit.

Vielleicht wird es bald Medikamente geben, die den Zerfallsprozess im Gehirn aufhalten oder sogar verhindern können. Zur Zeit ist es das beste, seinen Frieden damit zu machen, wenn sich eine Demenz ankündigt. Das ist die eigentliche Herausforderung sowohl für die Betroffenen wie ihre Angehörigen. Diese innere Haltung ist wirksamer als jedes zur Zeit verfügbare Medikament.

Wenn die Demenz schon fortgeschritten ist, muss man die Anforderungen den Fähigkeiten anpassen. Frau Friedemann in ihrem jetzigen Zustand ist dafür ein Beispiel. Was zur Routine geworden ist, kann sie länger tun. Irgendwann gilt, möglichst immer das Gleiche zur gleichen Zeit am gleichen Ort! Kein Urlaub, der die Alten doch nur verwirrt. Kein Krankenhausaufenthalt, wenn er nicht umumgänglich ist. Wenn noch Hilfen dazu kommen, z. B. von den Kindern oder durch ambulante Pflegedienste, lässt sich oft eine Heimunterbringung für lange Zeit vermeiden.

Hauptsymptome: Stärker werdende Vergesslichkeit, die zunächst nur die neueren Ereignisse betrifft. Später auch Nachlassen der Intelligenz.

Behandlung: Vorbeugung ist zu einem gewissen Ausmaß wirksam. Eine wirksame Behandlung der Demenz gibt es zur Zeit nicht, doch werden immer wieder Medikamente eingesetzt, denen eine positive Wirkung nachgesagt wird.  Durch eine zweckmäßige Organisation des Tagesablaufs, am besten mit Beratung spezieller Dienste, lässt sich die Selbständigkeit der Alten lange erhalten.

Eine Firma, die Betreuungspersonen vor Ort vermittelt: http://www.linara.de/home.html

Beitrag von , letztmals geändert am 24.10.2015, 23:43 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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