Herr Limburger ist 49 Jahre alt und erfolgreicher Anwalt. Früher, als Schüler und Student war er begeisterter Fußballspieler und hat es bis zur Regionalliga gebracht. Als der Beruf kam, dann auch die Familie, hatte er „keine Zeit“ mehr dafür. Man sieht es ihm an. Er wiegt 98 kg bei einer Größe von ein Meter neunundsiebzig. Jetzt hat Herr Limburger einen Diabetes. Der Diabetes ist eine Stoffwechselstörung, an der inzwischen viele, meist übergewichtige Menschen leiden.

Wandern z. B. schützt vor Altersdiabetes.
Mit unserer Nahrung nehmen wir die Stoffe auf, die uns die nötige Energie liefern. Das sind Kohlehydrate (z. B. alle Getreidesorten), Fette (z. B. Öl), Eiweiß (z. B. Fleisch). Diese Stoffe werden in Mund, Magen und Darm in kleinere Bestandteile aufgespalten und dann durch die Darmwand ins Blut aufgenommen. Bei dieser Aufspaltung entsteht Glukose (= Traubenzucker), die für die einzelnen Zellen des Körpers der Sprit ist, den sie zur Energiegewinnung „verbrennen“. Wenn die Zellen keine Glukose bekommen, dann können sie eine Zeitlang andere Substanzen als Energielieferanten benutzen, aber früher oder später müssen sie ihren Betrieb einstellen, wie ein Motor ohne Sprit. Aber da die Zellen keine Maschine sind, können sie danach nicht wieder anfangen. Wenn sie ohne Energie sind, zerfallen die Zellen und sterben ab.
Im Blut muss also ständig Glukose für die Körperzellen vorhanden sein. Sowohl ein Zuviel wie ein Zuwenig ist schädlich. Der Wert für den Blutzucker darf nur zwischen 70 und 135 Milligramm pro Deziliter Blut schwanken. Bei dieser Feinregulation helfen die Energiedepots des Körpers. In der Leber und in den Muskeln ist es Glykogen, das bei Bedarf schnell in Glukose umgebaut werden kann, z. B. bei einem Marathon, wenn über lange Zeit Energie gebraucht wird. Der Körper kann auch das Fett zu Glukose abbauen.
Die Aufnahme von Glukose aus dem Darm, die Abgabe in die Körperzellen zur Verbrennung, der Nachschub aus der Leber und den Muskelzellen, der Nachschub aus den Fettreserven, aber auch der Aufbau neuer Reserven in Leber, Muskelzellen und Fettdepots ist ein kompliziertes Gleichgewicht. An der Regulierung dieses Gleichgewichts sind viele Organe und Hormone beteiligt. An erster Stelle ist hier das Insulin zu nennen, das in der Bauchspeicheldrüse erzeugt wird. Auch die Hirnanhangsdrüse, die „Stresshormone“, ein besonderes Hormon Glukagon, die Nieren, die Leber und viele andere sind beteiligt. Die genauen Zusammenhänge haben wir nur ungefähr verstanden.
Wenn der Köper kein Insulin herstellt (Diabetes Typ 1), kann die Glukose nicht richtig verwertet werden. Der Blutzuckerwert steigt enorm an. Im Extremfall führt das zu lebensbedrohliche Zustände. Der Diabetes vom Typ 2, der „Altersdiabetes“ entsteht fast immer später im Leben, und zwar im Gefolge von Übergewicht. Das Insulin ist zwar vorhanden, kann aber aus Gründen, die noch nicht ganz erforscht sind, den Glukosestoffwechsel nicht regulieren. Auch hier ist die Folge, dass die Glukose im Blut verbleibt und hohe Werte annimmt, wenn auch selten so extrem wie beim Typ 1. Die erhöhten Blutzuckerwerte sind es auch, woran der Arzt das Vorliegen eines Diabetes erkennt.
Wenn der Diabetes nicht behandelt wird, also ständig der Blutzucker erhöht ist, entwickelt sich nach ein paar Jahren eine Arteriosklerose der großen, aber vor allem der kleinen Schlagadern (Arterien). Betroffen sind häufig die Arterien in der Netzhaut des Auges (Retina), in der Niere und in den Nerven von Armen und Beinen. Früher oder später verstopfen die Arterien. Die Folge sind Sehstörungen, Blutvergiftung, Gefühlsstörungen an Beinen oder Armen. Natürlich kann das alles auch kombiniert sein. Wenn die großen Arterien betroffen sind, kommt es zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder anderes. Ein Schreckensszenario also, das aber nur in Extremfällen Wirklichkeit wird. Außerdem können die bösen Folgendurch eine konsequente Behandlung vermieden werden.
Herr Limburger hatte einen Diabetes vom Typ 2. Das beste Mittel dagegen ist abnehmen und Bewegung. Dann kann der Körper seine komplizierte Aufgabe, den Zellen ausreichend Glukose zur Verfügung zu stellen, wieder erledigen. Sehr wirksam ist auch eine Ernährung mit Nahrungsmittel, die bei der Verdauung nicht so viel oder nicht so schnell Glukose entstehen lassen. Wenn der Diabetes sehr stark ausgebildet ist, kann es notwendig werden, Insulin zu spritzen. Das ist beim Typ 1, bei dem der Körper kein Insulin herstellen kann, immer notwendig.
Herr Limburger war mit der Einhaltung einer gewissen Diät, nämlich die Reduzierung von Speisen, die zu einem schnellen Blutzuckeranstieg führen, einverstanden. Dazu verwies ich ihn mit seiner Frau an eine Ernährungsberaterin. Aber mehr traute er sich nicht zu. Dem Sport wieder eine Bedeutung in seinem Leben geben, auf das viele Essen verzichten, das wollte er nicht. Also verschrieb ich ihm Medikamente, die den Blutzucker nach unten regulieren. Die Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass sie helfen, die Folgeschäden zu vermeiden.