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Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 2

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Symptome

Herr Limburger ist 49 Jahre alt und erfolgreicher Anwalt. Früher, als Schüler und Student war er begeisterter Fußballspieler und hat es bis zur Regionalliga gebracht. Als der Beruf kam, dann auch die Familie, hatte er „keine Zeit“ mehr dafür. Man sieht es ihm an. Er wiegt 98 kg bei einer Größe von ein Meter neunundsiebzig. Lange ging das gut. Aber im letzten Jahr fühlte er sich oft gar nicht gut.  Er war oft müde und abgeschlagen. Ständig hatte er Durst, trank darum viel und musste darum oft auf die Toilette. Als er sich einmal an einer Scherbe eine tiefe Hautwunde zuzog, die gar nicht heilen wollte, kam er in die Sprechstunde. ” Früher heilte eine Wunde ganz schnell”, meinte er. Ob er eine trockene Haut bekommen habe, wollte ich wissen. “Ja”, meinte er nachdenklich, “das ist anders als früher.” Es stellte sich heraus, dass Herr Limburger  einen Diabetes hat. Diabetes mellitus heißt es korrekt. Der Diabetes ist eine Stoffwechselstörung, an der inzwischen viele, meist übergewichtige Menschen leiden.

Wandern z. B. schützt vor Altersdiabetes.

Blutzucker

Mit unserer Nahrung nehmen wir die Stoffe auf, die uns die nötige Energie liefern. Das sind Kohlehydrate (z. B. alle Getreidesorten), Fette (z. B. Öl), Eiweiß (z. B. Fleisch). Diese Stoffe werden in Mund, Magen und Darm in kleinere Bestandteile aufgespalten und dann durch die Darmwand ins Blut aufgenommen. Bei dieser Aufspaltung entsteht Glukose (= Traubenzucker), die für die einzelnen Zellen des Körpers der Sprit ist, den sie zur Energiegewinnung „verbrennen“. Wenn die Zellen keine Glukose bekommen, dann können sie eine Zeitlang andere Substanzen als Energielieferanten benutzen, aber früher oder später müssen sie ihren Betrieb einstellen, wie ein Motor ohne Sprit. Aber da die Zellen keine Maschine sind, können sie danach nicht wieder anfangen. Wenn sie ohne Energie sind, zerfallen die Zellen und sterben ab.

Im Blut muss also ständig Glukose für die Körperzellen vorhanden sein, der Blutzucker. Sowohl ein Zuviel wie ein Zuwenig  ist schädlich. Der Wert für den Blutzucker darf nur wenig schwanken (zwischen 70 und 135 Milligramm (= ein tausendstel Gramm) pro 1/10 Liter Blut). Bei dieser Feinregulation helfen die Energiedepots des Körpers. In der Leber und in den Muskeln ist es eine Substanz, die Glykogen heißt. Glykogen kann bei Bedarf schnell in Glukose umgebaut werden, z. B. bei einem Marathon, wenn über lange Zeit Energie gebraucht wird. Der Körper kann auch das Fett zu Glukose abbauen.

Diabetes

Die Aufnahme von Glukose aus dem Darm, die Abgabe in die Körperzellen zur Verbrennung, der Nachschub aus der Leber und den Muskelzellen, der Nachschub aus den Fettreserven, aber auch der Aufbau neuer Reserven in Leber, Muskelzellen und Fettdepots ist ein kompliziertes Gleichgewicht. An der Regulierung dieses Gleichgewichts sind viele Organe und Hormone beteiligt. Eine ganz besondere Rolle spielt hier das Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse erzeugt wird. Das Insulin sorgt dafür, dass die Glukose in die Zellen hinein gelangt.

Wenn der Köper kein Insulin herstellt (Diabetes Typ 1), kann die Glukose nicht verwertet werden, sie gelangt nicht in die Zellen.  Der Blutzuckerwert steigt an.  Oft macht sich diese Form des Diabetes schon im Jugendalter bemerkbar.  Im Extremfall führt das zu lebensbedrohlichen Zuständen. Der Diabetes vom Typ 2, der „Altersdiabetes“ entsteht fast immer später im Leben, und zwar im Gefolge von Übergewicht. Das Insulin ist zwar vorhanden, kann aber aus Gründen, die noch nicht ganz erforscht sind, den Glukosestoffwechsel nicht regulieren.  Trotz vorhandenem Insulin nehmen die Körperzellen nicht genug Glukose auf. Zunächst versucht der Körper durch vermehrte Insulinproduktion die Verwertung der Glukose zu erzwingen. Aber schließlich ermüden die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin herstellen und die Insulinproduktion nimmt ab. Auch hier ist die Folge, dass die Glukose im Blut verbleibt und hohe Werte annimmt, wenn auch selten so extrem wie beim Typ 1. Die erhöhten Blutzuckerwerte sind es auch,  woran der Arzt das Vorliegen eines Diabetes erkennt.

In Deutschland haben ungefähr fünf Millionen Menschen einen Diabetes Typ 2.

Folgen des Diabetes

Wenn der Diabetes nicht behandelt wird, also ständig der Blutzucker erhöht ist, entwickelt sich nach ein paar Jahren eine Arteriosklerose (Verkalkung) der großen, aber vor allem der  kleinen Schlagadern (Arterien). Betroffen sind häufig die Arterien in der Netzhaut des Auges (Retina), in der Niere und in den Nerven von Armen und Beinen. Früher oder später verstopfen die Arterien. Die Folge sind Sehstörungen,  Blutvergiftung, Gefühlsstörungen an Beinen oder Armen, offene Stellen am Fuß usw.  Wenn die großen Arterien betroffen sind, kommt es zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder anderes. Ein Schreckenszenario also, das aber nur in Extremfällen  Wirklichkeit wird. Außerdem können die bösen Folgen durch eine konsequente Behandlung vermieden werden. Herr Limburger hatte noch keines dieser Symptome.

Behandlung

Herr Limburger hatte einen Diabetes vom Typ 2. Das beste Mittel dagegen ist abnehmen und Bewegung. Dann kann der Körper seine komplizierte Aufgabe, den Zellen ausreichend Glukose zur Verfügung zu stellen, wieder erledigen. Wenn es gelingt, das Körpergewicht zu reduzieren und der Betreffende sich auch mehr bewegt, verschwindet der Diabetes oft. Sehr wirksam ist auch eine Ernährung mit Nahrungsmittel, die bei der Verdauung nicht so viel oder nicht so schnell Glukose entstehen lassen. Schließlich gibt es auch eine Reihe von Medikamenten, die dem Körper helfen, den Blutzucker zu regulieren. Wenn der Diabetes allerdings sehr stark ausgebildet ist, kann es  notwendig werden, Insulin zu spritzen.

Herr Limburger war mit der Einhaltung einer Diät, nämlich die Reduzierung von Speisen, die zu einem schnellen Blutzuckeranstieg führen, einverstanden. Zusätzlich musste er sich daran gewöhnen, regelmäßig zu essen. Er musste lernen, ungefähr abzuschätzen wieviel Kalorien eine Mahlzeit enthält und er musste sein Essen darauf abstellen, wieviel Kalorien er braucht. Wenn er Joggen war, braucht er natürlich mehr als wenn er den ganzen Tag nur im Büro gesessen hatte. Um all das zu lernen verwies ich ihn mit seiner Frau an eine Ernährungsberaterin. Nach einem Jahr hatte er fast 10 kg abgenommen. Herr Limburger konnte auch dem Sport wieder eine Bedeutung in seinem Leben geben. Fußball ging nicht mehr, aber er fand eine Sportgruppe in einem großen Verein. Später erzählte er mir, dass er das Glück hatte, in der Gruppe auf Leute zu treffen, die locker und immer fröhlich seien. Er genieße diese Stunden sehr. Ich verschrieb ihm auch Medikamente, die er täglich nehmen muss.. Schließlich musste Herr Limburger lernen, wie sich eine Unterzuckerung (= Hypoglykämie) bemerkbar macht: durch Blässe, kalten Schweiß, Zittern, anfangs Heißhunger, wenn es schlimm wird Trübung des Bewusstseins. Eine Unterzuckerung ist gar nicht gut für den Körper, in Extremfällen sogar gefährlich. Dagegen hilft schnell etwas Traubenzucker, den Herr Limburger immer bei sich trägt.

Herr Limburger brauchte nicht eigenständig den Blutzucker zu messen. Er kam anfangs in kurzen Abständen in die Praxis. Dabei wurde der Blutzucker gemessen und an bestimmten Blutwerten (Glukose in den roten Blutkörperchen, HbA 1c) konnte ich erkennen, dass sich der Blutzucker auf normale Werte eingestellt hatte. Voraussetzung dafür war, dass Herr Limburger verlässlich die Behandlungsregeln einhielt. Nicht mal auf das gute Essen musste er verzichten.

Symptome: Vermehrter Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, trockene Haut, schlechte Wundheilung, Gewichtsabnahme. Fast immer sind die Betroffenen übergewichtig. Spätschäden nach einigen Jahren: Gefäßverschlüsse in vielen Organen. Im schlimmsten Fall darum Herzinfarkt, Schlaganfall, Sehstörungen, Nervenstörungen, Schmerzen, offene Beine u.a.

Behandlung: Bewegung, also Sport, Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung, Medikamente. Wenn das alles nicht ausreicht, muss Insulin regelmäßig gespritzt werden.

Ausführliche Informationen über den Diabetes beim Deutschen Zentrum für Diabetesforschung DZD:

http://www.dzd-ev.de/?id=14720

Zur Technik der Glukoseüberwachung:

http://www.accu-chek.de/services/de/eltern/index.jsp

 

Beitrag von , letztmals geändert am 13.01.2016, 12:47 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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