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Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Das Symptom

Frau Simon ist schon viele Jahre meine Patientin. Vor kurzem wurde sie 78 Jahre alt. Jetzt kam sie in die Sprechstunde und erzählte: „Herr Doktor, mein Gleichgewicht ist gestört. Wenn ich aufstehe von einem Stuhl, dann schwanke ich. Mir ist das unangenehm, weil ich denke, dass die Leute mich für betrunken halten. Genauso sieht das nämlich aus. Wenn ich die Straße entlang gehe, dann gehe ich manchmal in Schlangenlinien, besonders wenn es dunkel ist. Ich mache das wie ein betrunkender Mensch. Ich versuche dann eine Linie entlang zu gehen. Und wenn ich neben eines meiner Kinder hergehe, dann stoße ich oft an sie dran. Am besten geht es noch, wenn ich mich bei meinem Mann unterhacke. Aber der ist auch nicht mehr so stabil mit seinen 79 Jahren. Ansonsten bin ich doch noch fit. Wenn ich schnell gehe, ist es übrigens nicht so ausgeprägt.  Ich will und brauche keinen Rollator.“

Ich beruhigte Frau Simon: „Nein, einen Rollator brauchen Sie nicht. Aber versuchen Sie es mal mit einem Stock. Nicht wegen der Kraft, sondern weil er Ihnen ein sichereres Gefühl gibt. Sie schwanken nicht so mit diesem dritten Bein. Das Gleichgewicht ist eine Sache des Gehirns. Im Alter nehmen alle Organe an Leistungsvermögen ab. An der Haut können wir die Veränderungen des Alters leicht beobachten. Aber was mit der Haut passiert, das geschieht mit allen inneren Organen auch, mit den einen mehr, mit den anderen weniger.

Das Gehirn und seine Aufgaben

Das Gehirn ist ja für vieles zuständig. Am auffälligsten ist es mit dem Gedächtnis. Immer lässt es im Alter etwas nach. Ganz allmählich merken wir, dass wir Namen nicht mehr so gut erinnern. Etwas auswendig lernen fällt uns schwerer usw. Das bedeutet nicht, dass sich eine Demenz oder gar die Alzheimersche Krankheit entwickelt. Das ist glücklicherweise nur bei einigen Menschen der Fall. Ich habe einen Patienten, der hat Schwierigkeiten, eine Treppe schnell hinunter zu gehen. Die ersten Stufen geht es, dann sieht er zwar die Stufen, wird sich aber unsicher, wie er die Füße setzen soll. Dieser Mann kann noch gut sehen, er kann auch noch gut und schnell laufen. Aber die Koordination zwischen dem was er sieht, nämlich die Treppenstufen und wie er die Füße setzen muss, diese Koordination gelingt ihm nicht mehr sicher. Ähnlich ist es übrigens bei Ihnen. Wenn Sie bei Helligkeit den Weg durch die Augen kontrollieren können, geht es besser. Wenn die Sichtkontrolle in der Dunkelheit nicht mehr so gut möglich ist, wird es schwieriger. Wie ist es denn bei Ihnen mit dem Riechen?“

Frau Simon stutzte: „Ja, das ist anders geworden. Früher hatte ich eine empfindliche Nase und roch vieles, was mir unangenehm war. Jetzt rieche ich vieles nicht mehr. Meine Kinder sagen manchmal, dass irgendwas stinkt und ich merke nichts. Wenn meine Tochter mit mir ein Parfüm kauft und sie mich fragt, wie ich das finde, dann sage ich schon mal gut oder nicht gut, habe aber in Wahrheit gar nichts gerochen.“ Frau Simon sah mich schuldbewusst an.

„Sehen Sie“, sagte ich „das Gehirn besteht aus verschiedenen Bereichen. Vorne z. B. sitzt unter anderem der Bereich für das Riechen. Der Teil, der für das Gleichgewicht zuständig ist, befindet sich im Kleinhirn, das ist hinten unten. Sie wissen doch, was die Parkinsonsche Krankheit ist. Sie ist verknüpft mit Zittern der Hände, manchmal auch des Kopfes. Die Mimik wird starr und die Menschen haben Schwierigkeiten, schnell von einer Bewegung zur anderen zu wechseln. Ursache ist in all diesen Fällen, dass die Nervenzellen in den entsprechenden Hirnbereichen mit dem Alter allmählich weniger werden. So lässt die Leistung dieses Bereichs allmählich nach und kann schließlich ganz unmöglich werden.“

Frau Simon schaute mich mehr und mehr verdrossen an. „Das bedeutet ja, dass mein Gehirn immer schlechter wird. Schließlich bin ich ganz hirnlos, oder?“

„Nein, das bedeutet es gar nicht. Nehmen wir zum Vergleich noch mal die Haut. Erstens wird die zwar älter, aber deswegen geht sie doch nicht verloren. Sie mögen noch so alt werden, sie schützt immer den Körper, wenn Sie nicht eine spezielle Hautkrankheit kriegen. Zweitens sind die Alterserscheinungen nicht an allen Hautstellen gleich. Die Haut am Rücken z. B. ist auch im hohen Alter anders, straffer als etwa am Handrücken.“

Verschiedene Störungen und die Ursachen

„Bei der Parkinsonschen Krankheit gehen Nervenzellen im Hirnstamm (das ist der Teil des Gehirns, der in das Rückenmark übergeht) zu Grunde. Bei der Gleichgewichtsstörung ist besonders das Kleinhirn betroffen, das liegt hinten unten. Vom Riechen haben wir schon gesprochen. Das Gedächtnis ist wohl im vorderen Teil des Gehirns lokalisiert. Die Sprache, also Sprache verstehen, und selbst aktiv sprechen, ist im Schläfenbereich des Gehirns gelegen. Manchmal kommt es im Alter zur Lähmung der Arme, was mit einer Degeneration von Nervenzellen im vorderen Teil des Gehirns aber auch im Rückenmark zusammen hängen kann. Bei den meisten Menschen geht es so mit 68 richtig los, so dass sie die Einbußen merken.“

Frau Simon winkte ab. „Ich glaube, das will ich gar nicht alles hören. Aber ich verstehe, was Sie mir sagen wollen. Wenn ein Teil des Gehirns nicht mehr so gut funktioniert, wie bei mir der Gleichgewichtssinn und das Riechen, dann bedeutet das nicht, dass alles andere auch weniger wird. Habe ich Sie da richtig verstanden?“

„Ja. Das bedeutet, dass Sie zwar beim Gehen unsicher geworden sind, dass Sie das Parfüm Ihrer Tochter nicht mehr gut riechen können, auch nicht den Gestank, aber sie können Zeitung lesen, sie behalten, was Sie gelesen haben, sie können noch wandern usw. Ihre Fitnes ist nicht mehr wie vor 25 Jahren, aber Sie sind den Anforderungen gewachsen und das Leben kann Ihnen Spaß machen. Soweit ich sehe, sind Sie ja auch nicht krank.“

“Die Gangunsicherheit, über die Sie klagen, die Ihnen wie ein Schwindelgehühl vorkommt, scheint mir am ehesten durch eine Alterung des Kleinhirns verursacht. Villeicht ist aber auch Ihr Gleichgewichtsorgan im Ohr etwas beeinträchtigt. Wenn z. B. die langen Nerven in den Beinen beeinträchtigt sind, wie es im Alter auch vorkommen kann, würden Sie mehr ein unsicheres Gefühl in den Beinen haben.”

Was bedeutet altern?

„Gott sei Dank“, meinte Frau Simon. „Und wie wird es weiter gehen? Kann man gegen das alles etwas tun?“

Medikamente gegen das Alter gibt es keine. Aber sie sollten üben, üben, üben, und zwar alles. Das heißt einfach, nehmen Sie am Leben teil, auch wenn es Ihnen manchmal schwer fällt. Nichts hält so jung wie das. Und gehen Sie auch den Anstrengungen nicht aus dem Wege.“

Das lachte Frau Simon wieder. „Ich kann mich nicht beklagen. Ich kann noch eine Menge und das freut mich auch. “

„Unser ganzes Leben müssen wir Abstriche machen. Die Träume unserer Kindheit und Jugend, viele bleiben Träume. Und was wir uns später vornehmen, nie erreichen wir ganz das, was wir eigentlich wollen. Aber das macht uns lange Zeit nicht so viel aus, weil wir ja hoffen, dass unser nächster Versuch den großen Erfolg bringen wird. Das geht allen Menschen so, auch denen die so mächtig erscheinen. Im Alter erst realisieren wir, dass diese Unvollkommenheit nicht zu überwinden ist.

So hat sich eigentlich im Alter nichts Grundsätzliches geändert. Eigentlich ist es wie immer. Die Welt, in die wir hinein gestellt wurden, wie haben sie nicht gemacht. Es zählt immer nur, was wir aus dem machen, was wir haben. Ich denke, dass dies die Weisheit des Alters ist, die keine Verbitterung darüber erlaubt, dass unser Leben immer und zu jeder Zeit beschränkt ist.“

Symptome: “Schwindel” ist ein Ausdruck, der oft nur Gangunsicherheit meint, wie sie im Alter häufig ist, kann aber auch bedeuten, dass man sich wie auf einem Karussel fühlt. Ebenso unterschiedlich kann die Ursache auch im Alter sein. Eine genaue Diagnose kann der Neurologe stellen.

Behandlung:  Wenn eine besondere Erkrankung dahinter steckt, ist von dem Neurologen zu klären, welche Behandlung angezeigt ist. Meistens handelt es sich um eine Gangunsicherheit, die Folge des Alterungsprozess ist. Am meisten hilft in diesen Fällen, in allen Lebensbereichen so aktiv zu bleiben wie möglich.

 

 

Beitrag von , letztmals geändert am 05.10.2015, 14:25 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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