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Hepatitis

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Die Vorgeschichte

Herrn Sander kenne ich noch aus der Zeit seiner Drogenkarriere. Er kam unregelmäßig in die Praxis, um sich Medikamente zu holen. Er hatte sich damals eine Hepatitis eingefangen. Er hat wohl zum Spritzen („Drücken“, wie die Junkies sagen) ein schon benutztes Besteck benutzt und sich so angesteckt.

Die menschliche Leber

Er selbst hat es gar nicht bemerkt. Vielleicht hatte er Krankheitszeichen nach der Ansteckung gehabt, aber nicht bemerkt. Erst mehr als sieben Jahre später, als er schon von den Drogen weg war, hat ein Labortest ergeben, dass etwas mit der Leber nicht in Ordnung war. Eine genaue Untersuchung ergab dann, dass er eine Hepatitis hatte, und zwar vom Typ C.

Wie er mir später erzählte, war er in verschiedenen Drogeneinrichtungen zur Entwöhnung gewesen. Schließlich hat er es gepackt, danach eine Berufsausbildung gemacht. Jetzt hat er Frau und Kind. Die Hepatitis war eine der Folgen seines früheren Lebens.

Symptome

Ich habe Herrn Sander gefragt, ob er sich erinnern könne, mal eine Gelbsucht gehabt zu haben; denn die gehört auf jeden Fall zu den typischen Symptomen. Er meinte, dass ihm das nie aufgefallen sei. Aber seine damalige Freundin habe ihm vor Jahren mal gesagt, dass seine Augen gelblich waren. Die Gelbsucht sieht man in der weißen Aderhaut des Auges besonders leicht. Ob er sich damals auch mehr als sonst müde und abgeschlagen fühlte, konnte er nicht sagen. Er meinte dazu, dass er sich während der Drogenzeit sehr oft schlecht gefühlt hatte.
„Es war die Hölle“, meinte er „da habe ich alles auf die Drogen zurück geführt.“
„Und Juckreiz, Blähungen, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit?“
All das sind nämlich die typischen Symptome der Hepatitis.
„Ach“, meinte er dazu: „das hatte ich doch ganz oft.“
So musste ich schließen, dass diese Symptome wohl mal aufgetreten waren, aber es war ihm nichts besonderes aufgefallen, weil er ständig ähnliche Symptome wegen der Drogen hatte.

Ursache der Hepatitis

In einem Lehrbuch der Medizin sind unter der Überschrift „Krankheiten der Leber“ 64 verschiedene Leberkrankheiten aufgelistet. Hier ist aber nur von fünfen die Rede, nämlich der Hepatitis, die durch spezielle Viren verursacht wird. Sie heißen Hepatitis A, B, C, D, E. (Hepar ist ein lateinisches Wort für Leber und die Wortendung -itis soll Entzündung bedeuten.) Allen gemeinsam ist, dass die Viren fast nur die Leberzellen angreifen. Die Viren können sich nur vermehren, indem sie die Prozesse in der Zelle für sich benutzen. Dadurch zerstören sie die Leberzellen. Bei den meisten Infektionen wird die körpereigene Immunabwehr so schnell aktiviert, dass sie die Viren in Schach halten bzw. ganz zerstören kann. Die Leber wird zwar geschädigt, erholt sich aber wieder. Die Hepatitis wird überwunden und die Leber ist wieder gesund, das ist die Regel bei der Hepatitis A. Oder es entsteht ein Gleichgewicht zwischen Vermehrung der Viren und Vernichtung durch die Immunabwehr, die Hepatitis wird chronisch,. Das ist oft der Fall bei der Hepatitis C.

In selten Fällen kann die körpereigene Abwehr nicht verhindern, dass die Viren alle Leberzellen befallen. Dann kann nur noch eine schnelle Lebertransplantation vor dem Tod bewahren. In einem tausendstel Liter Blut findet man  unter Umständen bis zu 10 000 000 000 Viren oder Bestandteile von ihnen.

Verbreitung und Ansteckung

Bei uns kommen im wesentlichen nur die Typen A, B und C vor. Das Virus von Typ A wird durch verunreinigte Nahrungsmittel übertragen. Wenn z. B. die Ausscheidungen eines Menschen, der diese Hepatitis hat, mit Gemüse oder Obst in Berührung kommen, das vor dem Verzehr nicht gekocht oder gründlich gewaschen wurde, kann das zur Ansteckung führen.  Der Typ B wird durch engen Hautkontakt übertragen, z. B. beim Sex. Der Typ C kann nur übertragen werden, indem die Viren direkt in den Körper eindringen. Das geschieht z. B. wenn eine Spritze, die von einem Menschen benutzt wurde, der Hepatitis C hat, noch mal benutzt wird, wie es bei Drogenabhängigen vorkam, oder wenn medizinisches Personal sich mit einer Spritze verletzt, die für einen Hepatitiskranken benutzt wurde, oder beim Piercing mit nicht sterilen Instrumenten, die auch für einen Hepatitiskranken benutzt wurden. Noch immer sind es besonders die Drogenabhängigen, die bei uns zu mehr als der Hälfte eine Hepatitis bekommen, meist Typ B oder C. Typ D kommt im Süden Europas vor und Typ E in asiatischen Ländern, besonders dann, wenn Überschwemmungen das Trinkwasser verunreinigen.

Folgen der Hepatitis

Die Leber produziert die Stoffe, die für den Eiweißaufbau der Zellen notwendig sind, sie produziert Hormone, Gerinnungsfaktoren, Galle, sie reguliert die Nährstoffverarbeitung des Körpers, kurz sie ist das zentrale Organ für alle wichtigen Stoffwechselprozesse. Wenn sie zusammenbricht, ist Leben nicht mehr möglich. Wie gesagt, bei der Hepatitis kommt es zwar vor, dass sie zusammenbricht, aber das ist sehr selten.

Häufiger ist, dass aus der akuten Hepatitis eine chronische Hepatitis wird. Das bedeutet, dass der Körper die Viren in Schach halten aber nicht vollständig beseitigen kann. Die Abwehrzellen können die meisten Viren vernichten, aber es bleiben immer ein paar übrig, die einzelne Leberzellen befallen und sich in denen wieder vermehren. Da es nur wenige Viren sind, die nur einen relativ kleinen Teil der Leberzellen befallen und die Leber leicht neue Zellen bilden kann, macht das nicht so viel aus. Das Problem ist, dass mit der Zeit bei einer chronischen Hepatitis ein Leberkrebs entstehen kann oder dass durch den ständigen Untergang von Leberzellen die Leber mehr und mehr vernarbt. Diese Vernarbung nennt man, wenn sie weiter fortgeschritten ist, Leberzirrhose. Bekannt ist die Leberzirrhose auch als Spätfolge langjährigen Alkoholmissbrauchs. Die Leberzirrhose hat einige böse Folgen für den Gesamtorganismus. Eine leichte Form der Leberzirrhose hatte sich bei Herrn Sander schon gebildet, als man entdeckte, dass er eine chronische Hepatitis hatte.

Behandlung

An welchem Typ Hepatitis ein Mensch erkrankt ist, kann man durch spezielle Laboruntersuchung bestimmen. Die einzelnen Typen verhalten sich etwas unterschiedlich. Typ A und E braucht man normalerweise nicht zu behandeln, der Körper wird alleine mit ihr fertig. Nur bei Menschen mit einer HIV Infektion oder nach einer Organtransplantation, die eine Dämpfung des Immunsystems verlangt, sind auch diese Typen sorgfältig zu beobachet, weil sie dann gefährlich werden können. Wenn die Hepatitis leicht verläuft, ist die Behandlung relativ einfach. Oft ist nicht einmal Bettruhe nötig. Bei den meisten Formen werden Medikamente, die die Vermehrung der Viren behindern, gegeben. Ein wichtigste Medikament heißt Interferon. Es erleichtert dem Körper, die Viren zu vernichten. So sind heute die meisten Menschen nach einer durchgemachten Hepatitis wieder ganz gesund.

Auch der Typ C, an dem Herr Sander litt, verläuft zwar meistens nicht sehr schwerwiegend, wird aber oft chronisch. So war es bei Herrn Sander. Nachdem die Hepatitis entdeckt wurde, hat er eine lange Therapie gemacht. Viele Monate hat er fast täglich eine Spritze, die die Vermehrung der Viren verhindern sollte, bekommen, später allerdings nur noch ein Mal die Woche. Das Ergebnisse war gut. Trotz des späten Therapiebeginns lassen sich heute keine Viren mehr in seinem Blut feststellen. -  Seit kurzem gibt es ein sehr wirksames Medikament für die Behandlung der Hepatitis C. Sofosbuvir heißt es, der Handelsname ist Sovaldi. (700 Euro nimmt die Firma, die es hergestellt hat, für eine Tablette.)

In den weniger entwickelten Ländern stehen die komplizierten Labormethoden für die Diagnostik und die Medikamente für die Behandlung nur unzureichend zur Verfügung. Darum ist dort die Hepatitis in allen ihren Formen noch sehr verbreitet.

Vorbeugung

Es gibt wirksame Impfungen gegen Typ A und B. Durch die Impfung gegen Typ B besteht auch ein Schutz gegen Typ D, weil die D Viren nur zusammen mit den B Viren leben können. Gegen Typ C und E gibt es noch keinen wirksamen Impfschutz. Da die Hepatitis vom Typ A von alleine ausheilt, die Hepatitis vom Typ B aber unbehandelt oft chronisch wird, werden die Kinder bei uns gegen die Hepatitis B geimpft.

Hauptsymptome: Gelbsucht, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Juckreiz, Schmerzen im Oberbauch. In ganz  seltenen Fällen sehr schwerer Verlauf mit weiteren Symptomen.

Behandlung: Je nach Typ und Verlauf der Hepatitis unter Umständen keine besondere Behandlung. In den meisten Fällen aber spezielle Medikamente. Bei Kindern Impfung gegen Typ B. Ansonsten evtl. auch Impfung gegen Typ A.

Beitrag von , letztmals geändert am 10.12.2015, 15:00 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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