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Leukämie – Blutkrebs

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Frau Lersch ist seit langem meine Patientin, aber sie ist ein gesunder Mensch und braucht mich nur selten. Vor einem halben Jahr erschien sie wieder und war ziemlich aufgelöst. „Mein Mann hat Leukämie“, sagte sie. „Ich bin völlig am Ende und muss den ganzen Tag heulen.“ Frau Lersch hatte viel Zeit gebraucht, ehe sie sich in der Lage fühlte, mit einem Mann zusammen zu leben. Vor zehn Jahren hatte sie ihren Ralf gefunden und mit ihm war sie glücklich. Und jetzt dieses Unglück!

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) mit einer Blutkrebszelle

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) mit einer Blutkrebszelle

 

Symptome

Frau Lersch erzählte mir kurz die Geschichte ihres Mannes, der nicht mein Patient war. „Es sind bestimmt drei Monate jetzt, dass Ralf immer müde war. Das kannte ich nicht an ihm. Er fühlte sich schlapp, hatte wenig Appetit und schließlich nahm er auch noch ab. Zuerst dachte ich, dass sei eine verschleppte Grippe, weil er auch Fieber zwischendurch hatte. Aber als er dann noch blaue Flecken bekam, obwohl er sich nicht gestoßen hatte, schickte ich ihn wieder zum Arzt. Der stellte dann fest, dass die Leber und die Milz vergrößert waren und dass Ralf eine ziemlich schwere Blutarmut hatte. Dann ging alles sehr schnell: Leukämie. Die weißen Blutkörperchen liegen bei 15 000, die roten Blutkörperchen sind vermindert, daher auch die Müdigkeit und Schlappheit. Ich habe mich gleich im Internet informiert.“

Die Blutzellen

Frau Lersch wusste in der Tat ziemlich gut Bescheid. Leukämie ist eine Form von Blutkrebs.

Das Blut besteht erstens aus roten Blutkörperchen, also roten Zellen (Erythrozyten), die in der Blutflüssigkeit schwimmen. Sie geben dem Blut die rote Farbe. Normalerweise hat der Mensch ca. 5 Millionen davon in einem Millionstel Liter Blut. Die Erythrozyten werden im Knochenmark und in der Milz gebildet. Sie sind für den Transport von Sauerstoff von der Lunge in den Körper zuständig. Sie leben nicht länger als einige Wochen und müssen also, wenn sie verschlissen und vom Körper abgebaut worden sind, durch neue ersetzt werden. Das sind täglich etwa 200 Milliarden Erythrozyten.

Daneben gibt es die weißen Blutzellen bzw. -körperchen (Leukozyten). Davon hat der Mensch normalerweise etwa 8 tausend in einem Millionstel Liter Blut. Die Leukozyten sind für die Immunabwehr zuständig. Sie werden im Knochenmark und in den Lymphknoten gebildet. Das Knochenmark ist das Innere größerer Knochen. Auch die Leukozyten lebem nur begrenzte Zeit und müssen dann erneuert werden.

Was ist Leukämie?

Neue Blutkörperchen, ob weiß oder rot, werden von Stammzellen, die sich im Knochenmark und in den Lymphknoten befinden, gebildet. Diese Stammzellen können, wie auch die Stammzellen anderer Körperorgane, entarten. Dann werden daraus keine richtigen Blutzellen und sie hören nicht auf, sich weiter und weiter zu teilen.

Dadurch wird nun Produktion von normalen Erythrozyten und Leukozyten massiv behindert. Es gibt zu wenig Erythrozyten und darum kann nicht mehr genug Sauerstoff transportiert werden. Das  führte dazu, dass sich Herr Lersch so schlapp fühlte. Weil es nicht mehr genug normale Leukozyten gibt, wird die Immunabwehr geschwächt und bricht schließlich zusammen. Herr Lersch hatte mehr als sonst Infekte. Schließlich wird auch die Produktion der Blutplättchen (Thrombozyten), wovon hier noch nicht die Rede war, die auch im Knochenmark entstehen, behindert. Die Thrombozyten sind für die richtige Gerinnung des Blutes mitverantwortlich. Herr Lersch bekam beim geringsten Druck schon blaue Flecken.

Verschiedene Typen von Leukämie

Es gibt eine Leukämie, die aus Stammzellen des Knochenmarks entsteht. Sie heißt myeloische Leukämie. Sie gibt es in akuter und in chronischer Form. Die Leukämie, die aus Stammzellen in den Lymphknoten entsteht, heißt lymphatische Leukämie. Auch sie gibt es in akuter und chronischer Form. Akut bedeutet plötzlich und heftig. Die akuten Formen führen unbehandelt in wenigen Monaten zum Tod. Von den chronischen Formen gibt es verschiedene Unterformen. Sie entwickeln sich langsam und sind weit weniger gefährlich.

Normalerweise entwickeln sich aus den Stammzellen viele verschiedene Arten von weißen Blutzellen. So können auch sehr verschiedene krebsige Entartungen entstehen, neben den Leukämien z. B. das sogenannte Hodgkin Lymphom, das Plasmozytom, das …

All das wusste Frau Lersch. Sie hatte sich im Internet genaustens informiert, und sie hätte es mir am liebsten haarklein erklärt. Sie wusste auch, welche Art Leukämie ihr Mann hatte. „Eine akute myeloische Leukämie, und zwar ziemlich bösartig. Aber glücklicherweise hat die Therapie gut angeschlagen“, meinte Frau Lersch.

Behandlung

Herr Lersch hatte eine Chemotherapie hinter sich. Das Medikament wurde hoch dosiert gegegeben. Nach nur einer Woche waren bei ihm keine krebsigen Blutzellen mehr im Blut oder Knochenmark nachweisbar. Das war natürlich ein gutes Ergebnis, wie es aber nicht selten ist. Diese Zeit ist nicht ohne Gefahr; denn auch die gesunden Abwehrzellen werden duch die Chemotherapie beeinträchtigt. Darum musste Herr Lersch in der Zeit gut vor Infektionen geschützt werden.

Jetzt bekam Herr Lersch kontinuierlich weiter Medikamente in niedrigerer Dosis, die verhindern sollen, dass einzelne zurück gebliebene Krebszellen sich weiter vermehren. Wenn die Krebszellen sich trotzdem wieder stark vermehren sollten, muss man es noch mal mit einer intensiven Chemotherapie mit einem anderen Mittel versuchen. Die Forschung ist sehr intensiv auf diesem Gebiet, so dass in relativ kurzen Abständen neue Medikamente entwickelt werden. Darum waren bei Herrn Lersch auch Krebszellen tief gefroren, um damit gegebenenfalls testen zu können, ob sie durch ein bestimmtes Medikament geschädigt werden können. Die intensive Chemotherapie war erst vor wenigen Tagen abgeschlossen worden, so dass man noch nicht sagen konnte, wie das Ergebnis war.

Bei einer chronischen Leukämie macht man es im Prinzip genau so. Aber die Behandlung ist weniger dramatisch.

Frau Lersch sah man die Spannung der vergangenen Wochen an.“Mein Mann tut so, als ob er eine Erkältung hat. Der will gar nichts wissen. Die Chemotherapie hatte ihm sehr zugesetzt. Er sah fürchterlich aus und ihm war lange kotzelend. Wissen Sie, was der gesagt hat? ‘Muss das sein? Kann ich nicht einfach nach Hause gehen?’ Einmal habe ich sogar von Krebs gesprochen, da hat er abgewunken. Davon will ich nichts hören, hat er gesagt.“ Frau Lersch schaute mich empört an, so dass ich mich genötigt sah, sie zu beruhigen: „Es ist seine Art, mit dieser Krankheit umzugehen. Im übrigen weiß er doch, dass Sie sich genauestens informieren. Es beruhigt ihn, dass Sie insofern gut auf ihn aufpassen.“ Dann aber wollte Frau Lersch doch etwas von mir wissen. „Was, wenn doch wieder Leukämiezellen im Blut auftauchen?“

„Wenn wieder Leukämiezellen erscheinen wird man ein anderes Medikament benutzen, von dem man hofft, dass es gegen die Krebszellen des Blutes wirksam ist. Da aber alle diese Medikamente auch den gesunden Körperzellen arg zusetzen, muss man vorsichtig sein und kann nicht beliebig viele Medikamente in beliebiger Dosierung geben.“
„Und wenn das auch nichts nützt?“
„Dann bleibt immer noch die Transplantation von Stammzellen.“

Stammzellentransplantation

Die Medikamente, die man bei der Leukämie gibt, sind Zellgifte. Will man alle entarteten Stammzellen sicher vernichten, muss man das Medikament so hoch dosieren, dass alle Stammzellen sicher abgetötet werden, also auch die gesunden. Man muss dann neue Stammzellen, die gesund sind, dem Körper zuführen. Andernfalls würde er sehr schnell sterben. Für die neuen gesunden Stammzellen braucht man einen Spender, der Blutzellen hat, die möglichst ähnlich wie die des Erkrankten sind. Inzwischen gibt es Datenbanken, in denen die Besonderheiten von möglichen Spendern aus aller Welt gespeichert sind. Denn anders als ein Organ, wie etwa eine Niere oder Leber, kann jeder Gesunde Stammzellen aus seinem Blut spenden, ohne dass er einen Schaden davon hätte.

Der erste Schritt bei einer Transplantation ist also, einen geeigneten Spender zu finden. Der zweite Schritt ist, alle Blutstammzellen abzutöten. Das ist die gefährlichste Phase, weil für ein paar Tage keine Immunabwehr existiert. Die Patienten müssen isoliert und vor jeder Infektion geschützt werden. Dann werden sofort die neuen Stammzellen übertragen. Da aber, außer bei eineiigen Zwillingen, kein Mensch mit einem anderen im Zellaufbau identisch ist, muss der Empfänger zusätzlich Medikamente bekommen, die verhindern, dass der eigene Körper die Spenderzellen abstößt. Da aber Stammzellen von Immunzellen übertragen werden, kann es passieren, dass die neuen Immunzellen den Körper. in den sie nun gelangen als Fremdkörper betrachten, den sie angreifen. Auch das muss man durch Medikamente verhindern.

Frau Lersch rang nach Atem, als wir darüber sprachen. Aber es war doch noch lange nicht so weit bei ihrem Mann. Und zweitens ist die Stammzelltransplantation in einigen Zentren schon zur Routine mit ausgezeichneten Erfolgen geworden.

Symptome: Schlappheit, Fieberschübe, häufige Infekte, Blutgerinnungsstörungen (z. B. blaue Flecken), Blutarmut (Anämie). Die akuten Formen der Leukämie haben heftige Symptome. Die chronischen Formen sind ärmer an Symptomen, so dass sie oft nur zufällig bei einer ärztlichen Untersuchung entdeckt werden.

Behandlung: Chemotherapie. Wenn Chemotherapie nicht anschlägt, evtl. Stammzelltransplantation.

 

 

Beitrag von , letztmals geändert am 07.10.2015, 10:05 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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