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Lungenentzündung (nosokomiale Pneumonie)

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.
Röntgenbild der Lunge. Man sieht deutlich rechts und links die gebogenen Rippen. Das Weiße in der Mitte, das wie ein Sack aussieht, ist das Herz. Die Lunge  rechts und links ist mit Luft gefüllt und erscheint darum dunkel, weil die Röntgenstrahlen leichter hindurch dringen.

Röntgenbild der Lunge. Man sieht deutlich rechts und links die gebogenen Rippen. Das Weiße in der Mitte, das wie ein Sack aussieht, ist das Herz. Die Lunge rechts und links ist mit Luft gefüllt und erscheint darum dunkel, weil die Röntgenstrahlen leichter hindurch dringen.

Frau Seide, 82 Jahre alt, lebte seit Jahren in einem Altenheim. Aber sie war noch einigermaßen rüstig, vor allem aber war sie eigensinning. So ist sie unbeaufsichtigt auf einen Stuhl gestiegen, weil sie etwas auf ihren Kleiderschrank stellen wollte, und prompt gestürzt. Sie hat sich durch den Sturz am Becken einen kleinen Knochenbruch zugezogen. Viel brauchte, bzw. konnte man da nicht machen. Es war keine schlimme Sache. Aber es tat ihr natürlich weh. Nach einem Tag Krankenhaus wurde sie wieder ins Altenheim entlassen.

Die Altenpflegerinnen dort wussten, dass Frau Seide trotz der Verletzung tagsüber nicht im Bett bleiben durfte. Aber sie war wie gesagt sehr eigensinnig. Und weil ihr das Aufstehen weh tat, war sie oft durch nichts aus dem Bett zu kriegen.

Warum ist Bettruhe manchmal gefährlich?

Über die Nachtruhe hinaus gehende Bettruhe ist für Alte und Kranke aus zwei Gründen gefährlich. Durch die Bettruhe fließt das Blut sehr langsam. In den Venen, besonders der Beine, können sich Gerinnsel bilden, die in die Lunge verschleppt werden. Wenn das passiert, man nennt es Lungenembolie, besteht Lebensgefahr. Darum ist das Aufstehen so wichtig.

Aber es war ein gutes Altenheim, in dem Frau Seide lebte. Die Betreuer versuchten auf andere Weise zu verhindern, dass es zu dieser gefürchteten Komplikation kam. Der Arzt des Hauses verordnete Heparin, das täglich gespritzt wurde. Auf diese Weise wurde die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabgesetzt. Frau Seide bekam zusätzlich enge Stützstrümpfe, die Beine wurden hoch gelagert und sie musste die Beine in Abständen bewegen.

Aber es gibt eine zweite Gefahr. Bei Bettruhe werden die Muskeln nicht angestrengt. Somit ist der Bedarf an Sauerstoff gering und die Atmung deswegen flach. Lungenbläschen, die nicht gebraucht werden, fallen zusammen. In diesen zusammengefallenen Lungenbläschen kann sich schnell eine Lungenentzündung entwickeln. Um das zu verhindern, machte die Physiotherapeutin täglich Atemübungen mit Frau Seide.

Aber es nütze nichts. Vielleicht lag es daran, dass Frau Seide zeit ihres Lebens eine starke Raucherin gewesen war. Nach 3 Tagen bekam sie Fieber und hustete viel. Sie fühlte sich sterbenskrank. Im Blut fanden sich Zeichen einer akuten Entzündung und das Röntgenbild der Lunge ergab ziemlich eindeutig, dass sie eine Lungenentzündung bekommen hatte. Noch am gleichen Tag wurde sie wieder ins Krankenhaus verlegt.

Antibiotikaresistenz

Das Problem bei Frau Seide war einmal, dass sie zwar hustete, aber sie war zu schwach, um so stark zu husten, dass sie etwas aus der Tiefe der Lunge hätte aushusten können. Wenn das möglich gewesen wäre, hätte man aus dem Auswurf die Bakterien anzüchten und dann testen können, gegen welche Antibiotika sie empfindlich waren. Man nennt diese Untersuchung, also die Anzüchtung der Bakterien mit Antibiotikatest „Resistenzbestimmung“. (Resistenz bedeutet Widerstand, gemeint hier gegenüber dem Antibiotikum).

Antibiotika (Einzahl: Antibiotikum) sind Medikamente, die für Bakterien giftig sind, aber dem Körper nicht wesentlich schaden. Nun gibt es sehr viele unterschiedliche Bakterien, die auf die einzelnen  Antibiotika auch sehr unterschiedlich reagieren.

Bei Frau Seide musste man sich damit begnügen, diese Resistenmzbestimmung mit dem Auswurf zu machen, den Frau Seide aushusten konnte. Der stammte aus dem Mund, bzw. dem oberen Teil der Luftröhre. Die Bakterien dort waren aber nicht notwendig dieselben, die die Lungenentzündung verursacht hatten, die in der Tiefe der Lunge in den Lungenbläschen saßen.

Nosokomiale Entzündung

Seit der Entdeckung der Antibiotika haben sich viele Bakterienstämme entwickelt, die sich an bestimmte Antibiotika gewöhnt haben. Sie werden in ihrem Wachstum durch das Antibiotikum nicht behindert. Weil in Krankenhäusern oft Antibiotika verschrieben werden, sind viele der Bakterien (der Arzt sagt oft auch „Keime“), die sich dort finden, resistent gegen viele Antibiotika. Man nennt eine bakterielle Entzündung, die man sich im Krankenhaus geholt hat, „nosokomial“. Auch in Altenheimen gibt es viele Bakterien, die resistent sind gegen alle möglichen Antibiotika. Ein besonders gefürchteter Bakterienstamm heißt MRSA.  Nosokomiale Entzündungen sind schwer zu behandeln.

Frau Seide hatte eine nosokomiale Pneumonie.

Behandlung

Frau Seide ging es mit der Lungenentzündung nicht gut. Sie hatte, wie es bei alten Leuten nicht selten ist, zwar nur mäßig Fieber und auch die Entzündungszeichen im Blut waren nur mäßig ausgeprägt. Aber das war kein Hinweis dafür, dass die Lungenentzündung harmlos war, sondern dass der Körper nicht zu einer kraftvollen Reaktion der Immunabwehr in der Lage war. Die Atmung war etwas beschleunigt, und das war ein bedenkliches Zeichen. Es bedeutete, dass die innere Lungenfläche, die für den Gasaustausch zur Verfügung stand, schon eingeschränkt war. Wenn nämlich durch die Entzündung viele Lungenbläschen verstopft sind, ist die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von CO 2 (der verbrauchte Sauerstoff) behindert. Das kann der Körper teilweise ausgleichen, indem die Atmung beschleunigt wird. Frau Seide war auch zu schwach, um den Eiter, der sich in der Lunge gebildet hatte, abzuhusten. So war die Situation nicht gut.

Nicht jede nosokomiale Entzündung verläuft so schwer wie bei Frau Seide. Aber in ihrem Fall meinten die Ärzte zu deren Kindern, dass es unklar war, ob sie es überleben würde. Entscheidend würde sein, ob ein Antibiotikum gebe, das gegen die Bakterien wirksam sei. Sie müssten es mit einem Antibiotikum auf gut Glück versuchen, weil sich eine sichere Resistenzbestimmung nicht machen ließe.

Nun, Frau Seide hatte Glück. Die Antibiotika, die zur Anwendung kammen, waren wirksam. Die Situation blieb zwar einige Tage kritisch, aber sie verschlimmerte sich nicht. Nach einer Woche bahnte sich auch langsam eine Besserung an.

Beigetragen dazu, dass Frau Seide die Lungenentzündung schließlich überwand, hatten die Atemübungen und die intensive Krankengymnastik.

Hauptsymptome: Zeichen einer Lungenentzündung wie Fieber, Husten, Körperschwäche und das typische Röntgenbild der Lunge

Behandlung: Ein Antibiotikum finden, das doch noch wirksam ist, Atemübungen und Krankengymnastik

Siehe auch ambulant erworbene Lungenentzündung:  http://www.gesundheitsthema.de/lungenentzuendung/ 

Beitrag von , letztmals geändert am 15.11.2015, 10:05 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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