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Multiple Sklerose (MS)

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Frau Linz ist eine temperamentvolle Frau. Kurze Zeit, nachdem sie das erste Mal wegen irgendeiner Kleinigkeit bei mir war, fuhr sie mit ihrem Freund nach Griechenland. Nach der Rückkehr erzählte sie, dass sie während des Urlaubs für ein paar Tage beim Sehen Probleme hatte.

Symptome

„Es war wie Doppeltsehen“, meinte sie, „aber das ist nach ein paar Tagen wieder weg gegangen. Ich hatte in der ersten Woche fast einen richtigen Sonnenstich. Vielleicht hing es damit zusammen. Wir hatten uns bei einem Spaziergang etwas verirrt und ich hatte in der prallen Sonne keinen Hut bei mir. Jetzt ist wieder alles in Ordnung.“

Nervenzellen mit ihren Fortsätzen

Ich wollte sie trotzdem zum Augenarzt schicken, aber dazu kam es nicht.
„In drei Monaten ist Hochzeit“, sagte sie und strahlte. “Es gibt noch so viele Vorbereitungen. Ich mache das nachher.“
Wenige Wochen später kam sie aufgeregt in die Sprechstunde. Sie habe so ein Kribbeln in der rechten Hand und an einer Stelle sei es wie taub.
„Ja, und manchmal habe sie so ein komisches Gefühl im Rücken, wie ein Stromschlag.“
Ich ahnte etwas und schickte sie ziemlich besorgt zum Neurologen. Von dem bekam ich nach zwei Wochen einen kurzen Bericht. Er hatte sie genau untersucht und ein MRT vom Kopf machen lassen.
Er schrieb: Es bestehe kein Zweifel an der Diagnose Encephalomyelitis disseminata. Eine Untersuchung des Liquors (Rückenmarksflüssigkeit) sei nicht nötig. Er habe die Patientin noch nicht aufklären können. Mehr Symptome als von der Patientin angegeben, also Lähmungen, Gefühlsstörungen, Störungen der Koordination, des Hörens, Riechens habe er nicht gefunden.  – Also Multiple Sklerose und in zwei Monaten Hochzeit!

Aufbau des Gehirns

Die Multiple Sklerose ist eine Krankheit des Gehirns und Rückenmarks. Gehirn und Rückenmark bestehen aus Nervenzellen, die viele Fortsätze haben. Dadurch sind sie miteinander und mit den Körperorganen verbunden. Eine Nervenzelle, die z. B. einen Handmuskel steuert, ist durch einen Fortsatz  mit dem Muskel verbunden. Diese Nervenfortsätze sind bis zu einem Meter lang. Da aber auch das nicht ausreicht, das Gehirn z. B. mit demFuß zu verbinden, sind immer mehrere Nervenzellen mit einem langen Fortsatz hintereinander geschaltet.  Eine Nervenzelle, die für das Gefühl an der Hand verantwortlich ist, ist mit der Haut aber auch mit der Nervenzelle im Gehirn verbunden, die den Muskel steuert. Darum kann ich meine Hand wegziehen, wenn ich spüre, dass die Ofenplatte zu heiß ist.

Die meisten Nervenzellen liegen außen an der Oberfläche des Gehirns. Die Fortsätze der Nervenzellen ziehen in großen Strängen, gewissermaßen Kabelsträngen, durch das Innere bis ins Rückenmark. Man kann es mit einem Baum vergleichen: Die Blätter sollen die Nerzenzellen darstellen. Sie liegen außen an der Oberfläche der Krone des Baumes. Die Krone soll das Gehirn darstellen. Die Äste sollen die Fortsätze der Nervenzellen darstellen. Sie ziehen von jedem einzelnen Blatt in den Stamm des Baumes, der das Rückenmark darstellen soll. Vom Rückenmark ziehen Fortsätzew in den Körper. Aber anders als bei einem Baum, dessen Äste sich meist nicht berühren, liegen die Nervenzellfortsätze dicht an dicht im Gehirn und Rückenmark. Alle Fortsätze, die das Signal aus einer Zelle weiterleiten, sind isoliert, ähnlich wie ein Stromkabel. In unserem Vergleich mit dem Baum kann man sich diese Isolierung, die Myelinscheide heißt, wie die Rinde der Äste vorstellen.

Was passiert bei der MS?

Bei der Multiplen Sklerose kommt es im Gehirn und Rückenmark an verschiedenen Stellen zu einer Zerstörung der Myelinscheide. Das Signal aus der Nervenzelle kann nun an der Stelle, wo die Myelinscheide zerstört ist, nicht mehr weitergeleitet werden. Es entstehen also Lähmungen, wenn Leitungen betroffen sind, die zu den Muskeln laufen, Gefühlsstörungen, wenn es Leitungen getroffen hat, die vom Körper ins Gehirn laufen,  Sehstörungen, wenn Nervenfortsätze betroffen sind, die für das Sehen notwendig sind, oder Gleichgewichtsstörungen, wenn z. B. Nervenfortsätze betroffen sind, die ins Kleinhirn oder aus dem Kleinhirn laufen. Das Kleinhirn liegt hinten im Kopf und reguliert das Gleichgewicht.

Nehmen wir noch einmal das Bild des Baumes: Wenn Myelinscheiden kaputt gehen, kann man sich das so vorstellen, dass die Rinde eines Astes kaputt geht. Das betrifft aber bei der MS nicht nur einen einzigen Zellfortsatz mit seiner Myelinscheide, sondern viele, die nebeneinander liegen. Manchmal ist die Ausdehnung der Stelle, wo die Myelinscheiden kaputt gegangen sind, die Ärzte nennen es “Herd”,  klein wie ein Stecknadelkopf, manchmal groß wie eine Bohne. Manchmal geht jede Myelinscheide in dem Herd kaputt, manchmal nur jede zweite oder dritte. Was kaputt ist, kann der Körper nicht reparieren. Wohl aber werden Myelinscheiden, die in der Nachbarschaft eines Herdes liegen, oft in Mitleidenschaft gezogen, ohne kaputt zu gehen. Die entsprechenden Fortsätze fallen aus, wenn der Herd entsteht, können sich aber erholen. Die Ausfälle sind also am Anfang größer als nach einigen Wochen.

Wir wissen nicht, wie diese Krankheit entsteht. Es lässt sich auch nicht sagen, wann es wieder zu einem neuen Herd kommen wird, wie groß er sein wird und wo im Gehirn oder Rückenmark er liegen wird. Mit den Jahren nehmen die Herde zu, aber sehr oft sehr langsam. Es gibt Medikamente, die die Zahl der Schübe vermindern.

Verlauf der MS

Das Gespräch mit Frau Linz ist mir bis heute vor Augen, obwohl es fast 20 Jahre her ist. Sie hat bitterlich geweint und ich musste sehr an mich halten, um die Fassung zu bewahren. Ich bin gerne Arzt, aber das war einer der Momente, in denen es mir keinen Spaß gemacht hat.

Der Neurologe hatte angeboten, die Behandlung von Frau Linz zu übernehmen. Vorher kam sie noch einmal mit ihrem Freund. Sie war ziemlich gefasst.
„Ich denke, wir sollten die Hochzeit absagen. Aber mein Freund will das nicht. Erklären Sie ihm, was das für eine Krankheit ist.“

Ich erklärte es ihm und fügte hinzu:
„Kein Mensch kann sagen, wie die Krankheit verlaufen wird. Normalerweise kann ihre Verlobte damit ein hohes Alter erreichen, manchmal, wenn auch in der Minderzahl der Fälle, verläuft sie schnell. Schnell heißt hier, dass Ihre Verlobte  in 10 Jahren vielleicht einen Rollstuhl braucht. Aber wie gesagt, viel wahrscheinlicher ist, dass sie in größeren Abständen  neue Symptome bekommt, von denen dann ein Rest bleibt. 90 Jahre alt wird sie wahrscheinlich nicht, aber sie kann Oma werden.

Die beiden wollten wissen, wie es mit Kindern ist.
„Sie können schwanger werden. Erblich ist die Krankheit nicht. In der Schwangerschaft schreitet die MS selten fort. Aber nach der Geburt kann es einen Schub geben, muss aber nicht.“

Der Freund war entschlossen. Die Hochzeit hat statt gefunden. Frau Linz hat zwei Kinder bekommen, beide gesund. Sie kann nicht mehr sicher laufen, schwankt öfter, so dass sie einen Stock benutzt. Sie ist beim Sehen behindert, ihr Gesichtsfeld ist eingeschränkt. Sie hat öfter einen unwiderstehlichen Harndrang, obwohl kaum Urin in der Blase ist. Aber sie übt diszipliniert, um die Beeinträchtigungen auszugleichen. Ihr Temperament hat Frau Linz behalten. Manchmal weint sie bei mir, aber dann meint sie:
„Ich habe zwei wunderbare Kinder und mein Mann liebt mich. Finanziell haben wir keine Sorgen. Was will ich mehr! Unsterblich sind wir alle nicht.“

Vielleicht trägt die Krankheit von Frau Linz auch dazu bei, dass das Familienleben im wesentlichen harmonisch ist. Alle wissen es zu schätzen, wenn die Mutter noch für Mann und Kinder sorgen kann. Der Ehemann weiß, dass es sehr auf ihn ankommt und die Kinder haben gelernt, dass sie auch etwas Rücksicht nehmen müssen.

Hauptsymptome: Die MS beginnt in der Regel mit nur einzelnen und wenig ausgeprägten Symptomen.  Die können aber jede Hirnfunktion betreffen. Also vielleicht sind es kleine Lähmungen oder Gefühlsstörungen oder Störungen des Sehens oder des Hörens oder Riechens oder des Gleichgewichts oder solcher Körperfunktionen, die auch vom Gehirn gesteuert werden, also z.B. Wasserlassen. Kommt es zu weiteren Schüben, entstehen auch neue Symptome.

Behandlung: Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, zu denen laufend neue hinzu kommen, die die Schübe verringern und mildern. Üben, Reha-Maßnahmen. Nicht den Mut zu verlieren, ist das Entscheidende.

Weitere Informationen unter  http://www.dmsg.de/ms-behandeln/

Beitrag von , letztmals geändert am 16.01.2016, 12:10 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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