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Parkinsonismus

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Herr Lube leidet an der Parkinsonschen Krankheit. Deswegen ist er in Behandlung eines Neurologen. Angefangen hat die Krankheit vor ca. 11 Jahren damit, dass Herr Lube über Steifheit der Muskeln klagte und ich bei einer Untersuchung bemerkte, dass beim Gehen der rechte Arm gar nicht richtig hin und her pendelte.

Diese Krankheit entsteht dadurch, dass Nervenzellen im Gehirn zu Grunde gehen. Es sind aber nicht irgendwelche Zellen, sondern Nervenzellen, die bei der Regulation der Bewegungen mitwirken.

Man erkennt das Großhirn mit der gefurchten Oberfläche, das Kleinhirn, das hinten unter dem Großhirn liegt und eine feinere gefurchte Oberfläche hat, und darunter den kleinen Hirnstamm mit glatter Oberfläche. Der Hirnstamm geht über in das Rückenmark, das hier auf dem Bild abgeschnitten ist.

Funktionsweise des Gehirns

Alle Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark haben besondere Aufgaben. So gibt es Nervenzellen, die die Reize aus dem Auge empfangen und zu Bildern verarbeiten. Sie liegen im hinteren Teil des Großhirns. (Siehe dazu die nebenstehende Abbildung.) Andere Zellen sind für die Bewegung der Gliedmaßen zuständig. Sie liegen im mittleren Teil des Großhirns, im Kleinhirn und im Hirnstamm. Die verschiedenen Ansammlungen von Nervenzellen im Gehirn haben verschiedene Funktionen. Sie sind aber alle auf z. T. sehr komplexe Weise miteinander verbunden.

An der Bewegung unseres Körpers sind viele Teile des Gehirns beteiligt. Wenn ein Mensch z. B. seinen Arm ausstreckt, muss er gleichzeitig, und zwar ohne zu überlegen, das Körpergewicht verlagern, sonst würde er ja umfallen. Beteiligt sind bei einer solchen Bewegung darum die Augen, die signalisieren, dass Platz für das Ausstrecken des Armes da ist, das Gleichgewichtsorgan im Ohr, sowie die Muskeln von Rumpf, Beinen und Armen. Das Kleinhirn, um ein anderes Beispiel zu nennen, ist für die Feinabstimmung der Bewegungen zuständig. Wenn man z. B. schreibt, erfordert das sehr feine Bewegungen der Hand und Finger, die nur durch die gleichzeitige Aktivität von Beugemuskeln und Streckmuskeln der Finger möglich sind. Die Anspannung der Beuger muss mit der Erschlaffung der Strecker abgestimmt sein und umgekehrt, und zwar in einer sehr raschen Folge.

Weil die Nervenzellen auf bestimmte Funktionen spezialisiert sind, führt jeder Verlust von Nervenzellen zu Funktionsausfällen. (Das ist z. B. in der Leber anders. Die Leberzellen machen alle dasselbe und wenn eine zugrunde geht, kann eine andere nachwachsen.)
Beim Parkinsonismus kommt es zur Degeneration von Nervenzellansammlungen (Degeneration nennen Mediziner den Untergang von Zellen oder Gewebe.), die für die genaue Abstimmung von Körperbewegungen wichtig sind. Sie liegen im Kleinhirn und  im Hirnstamm.

Symptome

Bei Herrn Lube fing es an, als er Mitte fünfzig war. Die ersten Symptome waren, dass automatische Bewegungen nach und nach verschwanden. Die Arme pendelten nicht mehr beim Gehen und die Mimik beim Sprechen nahm ab. Die ersten Jahre hat er sich ohne medikamentöse Behandlung durch viel Sport fit gehalten. Aber bald kam ein Zittern der Hände (medizinisch: Tremor), mehr rechts als links  hinzu. Zusätzlich klagte er darüber, dass alles so langsam ging. Wenn er z. B. gehen wollte, kam er nur langsam in Gang. Auch wenn er plötzlich stehen bleiben wollte, konnte er seine Bewegungen nicht mehr abrupt verändern. Wenn man seinen Arm oder ein Bein passiv bewegt, spürt man einen Widerstand der Muskulatur. Der Blutdruck fiel etwas ab, wenn er aufstand, so dass er sich unsicher fühlte. Andere typische Symptome, wie häufigen Harndrang, Depressionen oder ein „Salbengesicht“, was durch vermehrte Talgproduktion der Haut zustande kommt, hat er glücklicherweise nicht.

Ursachen

Das Krankheitsbild Parkinsonismus (benannt nach dem Arzt James Parkinson, der es 1817 als erster beschrieben hat) kann verschiedene Ursachen haben. Die Einnahme bestimmter Medikamente (Neuroleptika) kann einen Parkinsonismus auslösen, der aber wieder verschwindet, wenn die Neuroleptika abgesetzt werden. Der Boxer Muhammad Ali hat einen starken Parkinsonismus, wahrscheinlich als Folge von Kopfschlägen, die er während seiner Boxerkarriere hinnehmen musste. Manchmal ist die Krankheit erblich. Meistens aber entsteht sie aus Gründen, die wir nicht kennen. Das ist wohl auch bei Herrn Lube so. Die oben schon erwähnten Nervenzellansammlungen in Kleinhirn und Hirnstamm gehen einfach zugrunde. Warum gerade diese und nicht andere, weiß man nicht. Die Krankheit kann sehr rasch verlaufen, in  anderen Fällen ist der Verlauf langsamer und erstreckt sich über viele Jahre. Eine Verminderung der Intelligenz ist nicht mit dem Parkinsonismus verbunden, obwohl die Verlangsamung der Bewegung auch mit einer Verlangsamung des Denkens verbunden sein kann. Wenn die Krankheit lange bestanden hat, kann im hohen Alter allerdings vieles an Funktionsausfällen dazu kommen.

Behandlung

Als die Krankheit nach einigen Jahren so weit fortgeschritten war, dass sich Herr Lube ernsthaft behindert fühlte, wurde die medikamentöse Behandlung begonnen. Mit Medikamenten kann der Verlauf nicht aufgehalten, aber die Symptome können auf lange Zeit unterdrückt werden. Das wirksamste und am meisten verordnete ist L-DOPA. Bei Herrn Lube haben sie die Symptome für einige Jahre fast zum Verschwinden gebracht. Aber die Degeneration schritt weiter fort und die Medikamente konnten nicht mehr alles unterdrücken, am wenigsten das Zittern. Wenn Herr Lube vergisst, die Medikamente zu nehmen, kann es passieren, dass ihm der Speichel aus dem Mund läuft, weil das automatische Schlucken seltener wird. Weil auch die Bewegung seiner Gesichtsmuskeln weniger wird, auch die läuft meist automatisch ab, wirkt sein Gesicht starr.

In den letzten Jahren ist zur Behandlung schwerer Fälle eine neue Methode entwickelt worden.  Man führt feine Drähte in bestimmte Zentren des Gehirns ein, durch die diese Zentren mit schwachen Strömen kontinuierlich gereizt werden.  “Tiefe Hirnstimulation” nennt man das.  Die Symptome scheinen sich zu bessern, aber es kommt wohl auch zu Veränderungen des Wesens. Wenn überhaupt, ist diese Mehode allenfalls für besonders schwere Fälle, wie sie selten sind, geeignet.

Wie bei so vielen chronischen Krankheiten ist das Üben das Wichtigste. Herr Lube lässt in seinen Anstrengungen nicht nach. Er treibt Sport und lässt nichts an Veranstaltungen aus, wenn nur seine Frau mitkommt.

Hauptsymptome: Bewegungsarmut, Steifheit der Muskulatur, Gliederzittern, evt. fettiges Gesicht. Diese Symptome sind anfangs gering, nehmen aber im Verlauf von Jahren weiter zu.

Behandlung: Üben, L-DOPA und andere Medikamente

Beitrag von , letztmals geändert am 16.01.2016, 11:55 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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