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Psychose: Mutter und Tochter

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Die Vorgeschichte

Maria ist 41 Jahre alt und als Erzieherin in einem Kindergarten tätig. Sie hat eine 22 jährige Tochter, die an einer schizophrenen Psychose leidet. Die Eltern Marias waren als junge Leute aus Griechenland nach Deutschland gekommen. Maria selbst ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie hätte gern studiert, aber die Eltern drängten sie zu heiraten und so hatte sie schon mit 19 Jahren ihre Tochter Helena bekommen. Ihr Mann, den auch mehr die Eltern ausgesucht hatten, war ein großspuriger Faulenzer, der ständig fremd ging. Aber Maria brauchte mehr als 10 Jahre bis sie ihn rauswarf und fortan mit ihrer Tochter alleine lebte.

Es ist manchmal schwer zwischen Mutter und Tochter.

Es ist manchmal schwer zwischen Mutter und Tochter.

Als Helena 16 Jahre alt war, kündigte sich die Schizophrenie an. Es gab einige furchtbare Jahre, in denen Maria fast verzweifelt wäre. Helena ging nicht mehr zur Schule, ließ sich verwahrlosen, lief in unmöglichen Kleidern rum, haschte, war tagelang oder auch wochenlang verschwunden und trieb sich mit zwielichtigen Männern rum. Maria hatte zwischendurch auch den Verdacht, dass Helena auf den Strich ging. Immer wieder kam sie in die Klinik, weil sie halluzinierte und Wahngedanken hatte. Der Vater tat das, was er immer schon getan hatte, er kümmerte sich nicht um seine Tochter. Nur zu den Eltern von Maria, die Helena als kleines Kind sehr geliebt hatte – was auch umgekehrt galt – blieb das Verhältnis gut. Aber die Großeltern waren alt und krank und brauchten selbst mehr Hilfe, als dass sie sich um Helena hätten kümmern können.

Das Problem der Mutter

Maria kam zu mir, weil sie eine Beratung wollte.
„Was soll ich machen? Die Ärzte haben Helena nur Medikamente verschrieben, die sie nicht nehmen will. Helena war auch in verschiedenen Übergangsheimen. Da ging es einigermaßen gut. Aber irgendwann ist sie weggelaufen und alles war umsonst.

Ich habe oft darüber nachgedacht, warum Helena so krank geworden ist. Meine Ehe war von Anfang miserabel und das Kind hat alles mitgekriegt. Mein damaliger Mann hat Helena entweder nicht wahrgenommen oder verflucht. Er hat sie richtig verflucht, weil ich mich um das Kind gekümmert und ihn nicht bedient habe. Solange er im Haus war, gab es nur Streit. Ich musste ja arbeiten, weil er nichts tat, nur Geld von mir wollte. Aber er hat Helena nicht versorgt, meine Eltern haben es gemacht, wenn ich zur Arbeit war.“

So erzählte Maria. Ich kenne das. Sie fand nichts Gutes an ihrer Tochter, aber die Schuld dafür suchte sie bei einem anderen. Aber dann sagte sie:
„Ich schiebe die ganze Schuld dem Vater in die Schuhe. Bestimmt wäre alles anders gekommen, wenn er ein guter Vater und Ehemann gewesen wäre. Aber irgendetwas muss ja auch mit mir sein. Ich glaube, dass ich irgendetwas nicht so gemacht habe, dass Helena gedeihen konnte. Aber ich weiß nicht was.“

Diese letzte Bemerkung ließ mich aufhorchen. Ich dachte, dass Maria vielleicht in der Lage sein würde zu verstehen, dass es mehr mit ihr als mit dem Vater zu tun hatte. Es würde bestimmt schwer für sie sein, das zu verstehen. Aber ein Mädchen verkraftet auch den schlimmsten Vater einigermaßen, wenn die Mutter Halt und Orientierung geben kann.
„Sie haben recht Frau Dimitriu“, sagte ich. „Niemand auf der Welt hat mehr Einfluss auf Ihre Tochter als Sie, die Mutter.“
„Ich kann mir das nicht vorstellen“, antwortete sie, „meine Tochter hat immer das Gegenteil gemacht, wenn ich ihr etwas gesagt habe. Aber irgendwie scheinen Sie doch recht zu haben. Und wenn ich jetzt darüber nachdenke, stimmt es ja. Dieser Zwang von Helena, gerade das zu machen, was ich nicht wollte, zeigt ja auch, wie abhängig sie von mir ist.“

Was ist richtig?

Aber es hat lange gedauert, bis Maria wirklich verstand, was passiert war. Lange erzählte sie mir immer nur von dem, was ihr Sorgen machte, von ihren endlosen fruchtlosen Bemühungen, Helena ein bisschen Normalität beizubringen. Ich dagegen wollte ihr zeigen, dass Helena vor allem mehr Vertrauen in ihre eigene Kraft brauchte.
„Jetzt hatte sie die Idee, ihren Schulabschluss nachzumachen. Ich habe ihr gesagt, dass ich das prima finde. Ich bin mit ihr in das Kolleg gegangen, um die Formulare abzuholen, und habe die mit ihr zusammen ausgefüllt. Als dann eine Einladung kam, sich im Kolleg vorzustellen, wollte ich auch mitgehen. Ich bleibe draußen, habe ich ihr gesagt. Ich bringe dich nur hin und kann dir Mut machen. Aber am Morgen ist sie nicht aufgestanden. Ich habe gebettelt, geschrien, sie aus dem Bett gezerrt. Es hat alles nichts genützt. Sie ist nicht hingegangen.“
Ich versuchte Maria klar zu machen, dass Helena den Mut verloren hatte, weil sie wohl das Gefühl bekam, dass ohne die Mutter nichts laufen würde. Maria sah das ein.

Bei einer späteren Gelegenheit erzählte sie:
„Ich habe mir das zu Herzen genommen, was sie neulich gesagt haben. Eine Freundin von mir meinte, ich müsste Helena ruhig mal auf die Nase fallen lassen. Dann würde sie sich irgendwann aufraffen und merken, dass sie auch alleine was kann. Ich habe auch das versucht. Sie hat über Zahnschmerzen geklagt. Da habe ich nur gesagt, dass sie doch unseren Zahnarzt kennt. Sie soll anrufen und einen Termin machen. Aber ich habe den Termin nicht für sie gemacht, obwohl Helen geweint hat vor Schmerzen. Ich kann das Loch im Zahn sehen. Helena isst fast gar nichts mehr, nimmt jede Menge Schmerztabletten, aber sie geht nicht zum Zahnarzt.“
Ich riet ihr, sie solle den Termin ruhig für ihre Tochter machen und mitgehen. Sie könne doch nicht zusehen, wie ihr Kind vor die Hunde geht.
„Neulich haben Sie gesagt, ich soll ihr etwas zutrauen. Jetzt tue ich das und da ist es auch nicht richtig.“
„Ich meinte, sie sollen Ihrer Tochter helfen, da wo sie Hilfe braucht. Aber sie sollen nicht die Verantwortung für sie übernehmen.“
„Das verstehe ich nicht“, meine Maria.

Die Einsicht

Auf dieses Thema kamen wir oft zurück, und eines Tages, sagte sie mir:
„Ich glaube, jetzt habe ich Sie endlich verstanden. Helena hat mich neulich angerufen und erzählte mir, dass sie Angst vor den Männern habe. Ich weiß nicht, wo sie da gerade war. Sie wollte aber nicht, dass ich sie abholte und sagte mir nicht, wo sie war. Sie sprach nur von ihrer Angst. Dann legte sie auf. Zuerst hatte ich große Angst um sie und wollte sie zurückrufen, um zu erfahren wo sie war. Und dann plötzlich hatte ich den Gedanken, dass sie doch kein kleines Kind mehr ist, wahrscheinlich mehr Erfahrung mit Männern hat als ich, dass sie mich angerufen hat, um sich Mut zu machen, aber mein Eingreifen nicht will. Wissen Sie, ich war immer noch sehr besorgt um sie, aber meine panische Angst ging weg und ich merkte, was Sie meinen, wenn Sie mir immer sagen, ich soll ihr mehr zutrauen. Ich soll ihr helfen, wenn sie Hilfe braucht, aber nicht die Verantwortung für sie übernehmen.“ Maria schwieg eine Weile.

„Ich weiß jetzt auch, was mein Problem ist. Als ich dann nicht anrief und mir dachte, dass Helena es schon irgendwie schaffen wird und die Konsequenzen ihres Handelns selbst verantworten muss, da merkte ich, wie ich mich alleine fühlte. Auf irgendeine Weise musste ich sie loslassen und ich wurde ganz traurig, dass mir die Tränen kamen. Aber ich konnte fast willkürlich die panische Angst um sie wieder empfinden, und dann war sie wieder meine kleine Helena, die ich nie verlieren würde. Ich glaube, das war es, was meinem Kind die Entwicklung verbaut hat. Oje, oje! – Aber wenn der Vater nicht so ein Arsch wäre, hätte ich Helena auch nicht so an mich binden müssen.“

Maria hat noch viel Zeit gebraucht, bis diese Einsicht so fest in ihr verankert war, dass sie auch danach handeln konnte. Ganz allmählich veränderte sich so die Beziehung zu Helena. Die ist kein anderer Mensch geworden. Das wird nach der Entwicklung in ihrer Kindheit und Jugend auch nicht möglich sein. Aber sie ist ruhig geworden, kann alleine leben und braucht die Hilfe der Mutter sehr viel weniger als früher. Sie hat eine bescheidene aber realistische Lebensperspektive. Sie hat eine Freundin und sie hat einen Freund.

Maria hat die Vereinsamung bitter gespürt, bis sie sich besann, dass es dafür ein Heilmittel gibt, nämlich die Liebe. Diesmal hatte sie eine glückliche Hand. Helena meinte neulich zu ihr, dass sie nun fast einen richtigen Papa hat.

Hauptsymptome: Bei der schizophrenen Psychose gibt es immer auch große Auseinandersetzungen mit den Eltern.

Behandlung: Für Eltern ist es schwierig heraus zu finden, was die Entwicklung des Kindes so beeinflusst hat, dass es zu der Psychose gekommen ist. Aber es lohnt sich. Schuldzuweisungen, auch an sich selbst, sind ebenso falsch wie nutzlos.

Die ausführliche Beschreibung einer Psychose unter: http://www.familienstuerme.de/

Beitrag von , letztmals geändert am 13.10.2015, 10:09 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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