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Minipsychose

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Zweifel und Angst beherrschen einen psychotischen Menschen.

Es war an einem Montag Vormittag, dass ich zu Herrn Wendelin gerufen wurde. Ich kannte ihn noch nicht. Seine Ehefrau hatte mich angerufen und mir seinen Zustand so geschildert, dass ich beschloss, sofort hinzufahren. Als ich die Wohnung betrat, kam mir Herr Wendelin entgegen, machte eine tiefe Verbeugung und pflanzte sich vor mir auf. Ich sagte ihm guten Tag und wer ich bin..
„Toll!“ sagte er nur. Dann wandte er sich ab und sprach laut etwas, was ich nicht verstehen konnte. Es waren auch keine richtigen Wörter, sondern ungeordnete Laute. Er lief aufgeregt im Zimmer umher, gestikulierte, sprach Unverständliches.
„So ist er seit gestern. Heute morgen ist es richtig schlimm geworden“, meinte seine Frau. Sie erzählte mir das Wichtigste von ihrem Mann. Ich erfuhr, dass er, solange sie ihn kannte, nicht ernsthaft krank gewesen sei. Auch einen Unfall hatte er in letzter Zeit nicht gehabt. Das war wichtig, weil somit sein Zustand nicht auf eine Hirnverletzung zurück zu führen war. Glaubhaft versicherte sie mir, dass er, außer ein bisschen Bier zum Abend, selten mehr Alkohol trank.
Ich versuchte ein Gespräch: „Herr Wendelin, Ihre Frau ist sehr besorgt über Ihren Zustand. Auch auf mich machen Sie den Eindruck, dass in Ihrer Seele ein Sturm losgebrochen ist. Habe ich recht?“
„Sturm, Sturm“, antwortete Herr Wendelin und rannte im Zimmer umher.
Ich dachte, dass er mir mit dieser Antwort recht geben wollte, aber weiter führte diese Unterhaltung auch nicht.

Eigentlich hätte ich Herrn Wendelin sofort in die Klinik schicken müssen. Aber das wollte seine Frau auf keinen Fall. Sie würde auf ihn aufpassen, sagte sie. Und da Herr Wendelin trotz seiner totalen Verwirrung kooperativ war, auch weder depressiv noch aggressiv, entschloss ich mich, einen Behandlungsversuch zu Hause zu machen.

Was ist eine Psychose?

Herr Wendelin hatte eine Psychose. Eine Psychose nennen die Ärzte einen seelischen Zustand, bei dem der Betroffene kein angemessenes Verhältnis zur Wirklichkeit hat. Er sieht die Wirklichkeit anders als sie ist und er verhält sich auch nicht angemessen. Das kann nun sehr verschieden aussehen. Jemand fühlt sich von allen abgelehnt oder gar verfolgt. Ein anderer hört Leute zu ihm sprechen, obwohl das in Wirklichkeit gar nicht so ist. Er hört Stimmen. Oder jemand glaubt, dass er von fremden Mächten gesteuert wird. Ein anderer denkt, dass die Polizei ihn eines Verbrechens wegen suche, obwohl er in Wahrheit kein Verbrechen begangen hat. Einer meiner Patienten fühlte sich vom Nachbar ständig mit versteckten Kameras beobachtet und von Wanzen abgehört, zog deshalb in eine andere Wohnung und hatte dort die gleiche Überzeugung. Eine Patientin hob ihr ganzes Geld von der Bank ab und warf die Geldscheine aus dem Fenster auf die Straße. Viele der Menschen, die wir als „Penner“ bezeichnen, haben eine besonders schwere und chronische Form der Psychose.

Eine Psychose kann also ein sehr unterschiedliches Gesicht haben. Manchmal kommt sie schleichend und bleibt. Ein andermal kommt sie wie ein Anfall und verschwindet auch wieder schnell. Dabei können einzelne Symptome zurück bleiben oder auch nicht.

Ursache

Ebenso vielfältig wie das Erscheinungsbild sind auch die Ursachen. Jede Verletzung oder Krankheit des Gehirns kann zu einer Psychose führen. Auch Krankheiten anderer Organe, z. B. der Leber oder der Nieren können, wenn sie schwer sind, psychotische Symptome verursachen. Darum muss auch immer geprüft werden, ob eine körperliche Grundkrankheit vorliegt. Aber das ist nicht häufig und wenn die Grundkrankheit beseitigt ist, verschwindet auch diese Form der Psychose. Ein erfahrener Psychiater kann beurteilen, ob darum eine gründliche körperliche Untersuchung notwendig ist und wenn ja, welche Untersuchungen sinnvoll sind.

Am häufigsten ist eine Psychose bei der Schizophrenie oder bei einer schweren Depression. Sowohl die Schizophrenie wie die Depression sind seelische Störungen, von denen keine körperliche Ursache bekannt ist. Auch die Annahme, dass sie vererbt würden, ist durch nichts bewiesen. Im Gegenteil spricht vieles dafür, dass diese seelischen Krankheiten Entwicklungsstörungen sind. Die Anfänge kann man meistens bis in die frühe Kindheit zurück verfolgen.

Behandlung

Herr Wendelin war trotz seiner psychotischen Verwirrtheit kooperativ. Er ließ sich von mir köperlich untersuchen. Offensichtlich spürte er, dass seine Frau und ich ihm helfen wollten. Das ist nicht häufig so bei Patienten mit einer akuten Psychose. Ich dachte darum, dass es vertretbar wäre, ihn zu Hause zu behandeln. Ich gab ihm eine Spritze mit einem Neuroleptikum (so heißen die Medikamente, die die Symptome einer Psychose beseitigen können). Dazu bekam er ein Schlafmittel, weil es dass beste für ihn wäre, bis zum nächsten Tag durchzuschlafen. Ich besprach mit seiner Frau, wie ich das Ganze verstand und trug ihr auf, gut auf ihren Mann aufzupassen. Sie solle nicht zögern mich anzurufen, wenn sie sich unsicher fühlen würde. Für den nächsten Tag bestellte ich beide in meine Praxis.

Frau Wendelin hat nicht angerufen. Ich hatte sie als eine tatkräftige Frau eingeschätzt, die die Ruhe bewahren würde. Sie kam mit ihrem Mann zur vereinbarten Zeit in die Praxis. Herrn Wendelin ging es deutlich besser. Er konnte nun selbst ausdrücken, dass er innerlich ein Chaos spürte und von wechselnden Ideen beherrscht würde. Er dachte ständig, dass er etwas tun müsse, aber jede Minute waren es andere Gedanken.

Ich schrieb Herrn Wendelin für zwei Wochen krank. Er kam zunächst täglich in meine Praxis. Die Medikamente hatte ich beim ersten Besuch gespritzt, damit sie schnell wirken sollten. Jetzt reichte, dass er sie als Tabletten nahm. So war die akute Psychose nach zwei Wochen ausgestanden. Noch zwei weitere Wochen brauchte es, bis er wieder voll arbeiten konnte.

Herr Wendelin blieb in meiner psychotherapeutischen Behandlung, denn ich fürchtete, dass sich dieses Ereignis wiederholen würde. Das war auch mehrfach der Fall. Aber die Abstände wurden immer größer, schließlich blieb die Psychose auch über mehr als sieben Jahre aus. Beruflich war Herr Wendelin weiterhin sehr erfolgreich. Niemand, außer seiner Frau, wusste von seiner Krankheit. Die Familie hat sich inzwischen um mehrere Kinder vergrößert.

Natürlich interessierte mich, was der Auslöser für die erste Psychose war; denn einen Auslöser gibt es immer. Viel später kamen wir beide dahinter. Seine Frau hatte zu der Zeit erfahren und es mit ihrem Mann besprochen, dass sie schwanger war. Herr Wendelin hatte selbst eine außerordentlich unglückliche Geschichte mit seinem jüngeren Bruder in einer unsäglichen Familiensituation. Es gab gute Gründe anzunehmen, dass dieses Kind, das sich damals ankündigte, und auf das er sich auch sehr freute, für Herrn Wendelin unbewusst die Situation wiederbelebte, die er mit seinem jüngeren Bruder erleben musste.

Die Diagnose, die ich Herrn Wendelin gab, hieß “akute schizophreniforme psychotische Störung”. Das bedeutet: Es war eine psychotische Störung, die akut war, nicht chronisch. Sie sah aus wie eine Schizophrenie, aber war keine.

Hauptsymptome: Verkennung der Wirklichkeit, Wahn, Halluzinationen, Verwirrtheit, Unruhe

Behandlung: Neuroleptika. Danach Psychotherapie

Beschreibung einer jungen Frau, wie sie psychotisch wird, unter

http://www.familienstuerme.de/psyche/psychose/schrecken.html

Beitrag von , letztmals geändert am 17.10.2015, 15:36 Uhr.

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Prof. Dr. med. Frank Matakas
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