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Schlaganfall (transiente ischämische Attacke)

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Symptome

Herr Weidering, 68 Jahre alt, kam sehr aufgeregt in die Sprechstunde. Er war in Begleitung seiner Frau, die die Geschichte erzählte. „Vorgestern, als die Kinder da waren, konnte er plötzlich nicht mehr sprechen. Es war wohl die Aufregung. Ich glaube, verstanden hat er alles. Aber er kriegte kein Wort heraus. Nach einer halben Stunde war alles wieder normal. Es ist auch nichts zurück geblieben. Aber vielleicht sollte man das mal gründlich untersuchen.“

Ich konnte Frau Weidering keine Vorwürfe machen. Aber eigentlich hätte sie mit ihrem Mann sofort ins nächste Kranklenhaus gehen sollen. Mit solchen Symptomen ist nicht zu spaßen. Lähmungen, z. B. einer Körperhälfte, eines Beines, Sprachstörungen oder auch massive Sehstörungen – was aussieht wie ein Schlaganfall, ist streng genommen ein Schlaganfall, auch wenn alles in ein paar Stunden oder bis zum nächsten Tag wieder verschwunden ist.

Was ist da passiert?

Herr Weidering hatte eine transiente ischämische Attacke. Dieser komplizierte medizinische Name drückt aus, was bei Herrn Weidering passiert ist. „Transient“ heißt vorüberghehend und “ischämisch“ bedeutet Durchblutungsstörung. Die Symptome von Herrn Weidering waren Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Aber im Gegensatz zu einem „richtigen“ Schlaganfall war die Durchblutungsstörung nicht dauerhaft, sondern nur vorübergehend.

Ein Schlaganfall kommt dadurch zustande, dass eine Ader, die das Gehirngewebe mit frischem Blut versorgt (also eine Arterie), verstopft. Das Gehirn bekommt an dieser Stelle kein Blut mehr und das Hirngewebe stirbt dort ab. Wenn es z. B. das Zentrum für die Beinbewegung betrifft, ist eine Beinlähmung die Folge. So können alle Körperbereiche betroffen sein, Bewegung und Gefühl, Sprache, Sehen usw., je nachdem, wo sich das abspielt, das heißt, welche Arterie verstopft ist. Die Arterien verzweigen sich wie die Äste eines Baumes. Wenn es eine große Arterie ist, die nicht mehr durchgängig ist, dann sind auch große Bereiche des Gehirns betroffen und die Symptome sind entsprechend schwer. In extremen Fällen kann der Tod eintreten. Sind nur kleine Arterien verstopft, ist auch der Bereich, der ohne Blut bleibt, klein, so dass die Ausfälle gering oder auch gar nicht bemerkbar sind.

Bei einer transienten ischämischen Attacke ist der Grund auch eine Durchblutungsstörung. Ein bestimmter Bereich des Gehirns bekommt kein Blut, kann also nicht funktionieren. Aber die Durchblutung kommt innerhalb kurzer Zeit wieder zustande und die Lähmung geht zurück. Zunächst passiert nichts weiter. Herr Weidering war ohne Symptome, als er in die Sprechstunde kam. Aber es ist doch eine bedenkliche Angelegenheit, und zwar weil meistens sehr bald ein „richtiger“ Schlaganfall folgt, wenn man nichts unternimmt.

Die Ursachen eines Schlaganfalls

In den allermeisten Fällen ist die Ursache eines Schlaganfalls eine Arteriosklerose, also eine Erkrankung der Arterien, die mit einer Verkalkung einhergeht. Die Innenwand der Arterien wird dadurch an vielen Stellen geschwürig und darauf bilden sich dann leicht Blutgerinnsel, die die Arterie an dieser Stelle verengen oder gar verstopfen. Das passiert besonders häufig an den Stellen der größeren Arterien, wo sie sich verzweigen, also z. B. am Hals, wo sich die große Halsschlagader aufteilt in die Arterie, die das Gesicht versorgt und die Arterie, die das Gehirn versorgt.

So war es auch bei Herrn Weidering. Die Untersuchung, die in den nächsten Tagen erfolgte, ließ eine solche Verkalkung mit geschwüriger Innenwand in den Halsschlagadern erkennen. Offensichtlich hatte sich auf einem solchen Geschwür ein Blutgerinnsel gebildet, das zwar die Arterie nicht ganz verschloss, aber vom Blutstrom losgerissen und fortgespült worden war. Irgendwo ist dieses Stück Gerinnsel hängen geblieben, wo der Durchmesser der Arterie kleiner als das Stückchen wurde, und verstopfte an dieser Stelle die Arterie. Wenn das Stück Blutgerinnsel in die Ader verschleppt worden wäre, die das Gesicht versorgt, hätte Herr Weidering nichts gemerkt, weil das Gewebe dort die Verstopfung einer kleinen Arterie gut verträgt. Aber das Gehirn eben nicht. Es war wohl ein sehr kleines Stück gewesen, das nur eine sehr kleine Arterie verstopfen konnte. Es kam zwar zu einer Lähmung, aber es ist kein Hirngewebe abgestorben.

Wenn das Herz nicht mehr richtig funktioniert, kann es passieren, dass sich solche Blutgerinnsel im Herzen bilden und von dort ins Gehirn verschleppt werden.

Das Risiko für Herrn Weidering war, dass sich solche Ereignisse meist wiederholen. Wenn das losgerissene Blutgerinnsel größer ist, kann eine größere Arterie verstopft werden. Hinzu kommt, dass eine Arteriosklerose immer alle Arterien betrifft. Man musste darum annehmen, dass auch die Arterien im Gehrin arteriosklerotisch erkrankt waren. Leicht kann sich auch dort ein Blutgrinnsel bilden und eine Arterie total verschließen.

Behandlung

Die Arteriosklerose hatte Herr Weidering nun mal. Rückgängig machen ließ sie sich nicht. Es war auch zu erwarten, dass sie weiter fortschreiten würde. Herr Weidering musste damit rechnen, dass er in Zukunft einen richtigen Schlaganfall bekommen würde. Doch gab es auch eine Behandlungsstrategie, die das Ereignis um Jahre hinaus zögern könnte. Das wäre schon ein großer Gewinn.  Schließlich kann alle ärztliche Kunst nur das Leben verlängern.

Die Behandlung bestand aus zwei Maßnahmen. Trotz seines Alters würde es sich für Herrn Weidering lohnen, ein gesünderes Leben zu führen. Das hieß: nicht rauchen, abnehmen, körperliche Bewegung, Korrektur des hohen Blutdrucks. Die zweite Maßnahme war, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab zu setzen, so dass sich nicht mehr so leicht Blutgerinnsel in den Arterien bilden konnten. „Verdünnung des Blutes“ heißt das auch. Dafür musste Herr Weidering regelmäßig Medikamente nehmen.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, die verengte Stelle aus der Halsschalgader heraus zu operieren.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, den Plaque (so nennt man das, was die Ader verengt) aus der Halsschalgader heraus zu operieren.

Wenn die Arteriosklerose an der Halsschlagader besonders ausgeprägt ist, kann man auch versuchen, die Einengung dort operativ zu beseitigen (siehe das Bild). Aber das ist eine riskante Operation, die sich nur lohnt, wenn die Halsschlagader fast schon verschlossen ist.

Es gab noch ein Drittes. Herr Weidering und seine Frau wurden darüber aufgeklärt, dass bei einem ähnlichen Ereignis, eine sofortige Einweisung in ein Krankenhaus mit einer Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten notwendig sei. Sie sollten sich erkundigen, wo sich die nächste solche Abteilung befindet. Wenn noch mal eine Lähmung oder eine Sprachstörung oder Sehstörung auftritt, soll sie ihn sofort in diese Abteilung bringen. Wenn sie den Transport, aus welchen Gründen auch immer, nicht machen kann, soll sie ohne zu zögern einen Krankenwagen rufen und sie soll es dringend machen. Jeder Schlaganfall und jede transiente ischämische Attacke ist ein Notfall.

Man kann in der Klinik die verschlossene Arterie oft wieder eröffnen, aber nur wenn der Patient früh genug kommt. Man versucht das Gerinnsel mit dem Medikament Heparin, das in die Blutbahn gespritzt wird, aufzulösen. Manchmal versucht man auch mit einem Schlauch (Katheter), den man durch die Körperschlagader bis zu der verstopften Stelle vorschiebt, das Gerinnsel zu entfernen.

Wenn sie sich aber nicht sicher ist, ob sich bei ihrem Mann ein Schlaganfall entwickelt, wenn sie also nur den Verdacht hat, soll sie folgendes machen:

1. ihren Mann auffordern zu lächeln.

2. ihn auffordern die Arme mit den Handflächen nach oben nach vorne zu strecken.

3. ihn auffordern ihr irgendeinen Satz nachzusprechen.

Wenn (1) das Lächeln schief ist  oder (2) ein Arm absinkt oder (3) die Sprache ganz nuschelig ist oder ganze Wörter nicht gesprochen werden können, dann besteht der dringende Verdacht, dass sich ein Schlaganfall anbahnt. Dann soll sie alles stehen und liegen lassen und ihren Mann in die Klinik bringen.

Herr Weidering war einsichtig. Er hat das Rauchen gelassen, erfolgreich abgenommen und macht mit seiner Frau Sport. Dazu nimmt er verlässlich seine Medikamente. Jetzt sind anderthalb Jahre vergangen und er fühlt sich wohl.

Hauptsymptome: Lähmungen, Störungen der Sprache, des Sehens oder ähnliches. Wenn es kein richtiger Schlaganfall ist, gehen diese Symptome schnell wieder zurück.

Behandlung: Gesundes Leben und Medikamente, die die Gerinnung des Blutes behindern zur Vorbeugung. Bei Symptomen, auch wenn sie nur leicht sind, so schnell wie möglich in eine Spezialklinik.

Informationen über das Gehirn, Schädigung des Gehirns und was man dagegen tun kann, auch unter: www.rub.de/np-ratgeber

 

 

Beitrag von , letztmals geändert am 13.01.2016, 12:28 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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