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Schmerz und Depression

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Frau Werk war früher eine charmante Frau, die nun schon seit vielen Jahren in meine Praxis kommt. Sie wurde als sogenannte Wolgadeutsche in der ehemaligen Sowjetunion geboren. Ihr Vater war unter Stalin erschossen worden und sie war später mit ihrer Mutter nach Deutschland gekommen. Hier fand sie eine Arbeit als Übersetzerin.

Vielfach lassen sich Schmerzen und Depression nicht auseinanderhalten.

Frau Werk hatte, soweit ich das mitbekommen habe, einen Lebensgefährten, mit dem sie zusammen in einem kleinen Häuschen lebte. Kinder hatte sie keine, auch keine sonstigen Verwandte. Die Mutter verstarb nach ein paar Jahren. Schließlich ging Frau Werk in Rente und seit dieser Zeit etwa ist sie auch allein. Ich weiß nicht genau, was mit ihrem Lebensgefährten war, weil sie darüber nicht sprach und auch nicht sprechen wollte.

Warum Schmerzen?

Frau Werk tauchte nun öfter in meiner Praxis auf. Sie hat Schmerzen, wie sie sagt, und zwar im Rücken. Auf dem Röntgenbild kann man die Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule sehen. Das ist ein Grund, Schmerzen zu haben. Aber es fiel mir auch auf, dass Frau Werk meinen Vorschlägen, wie sie durch Übungen und mehr Bewegung den Rückenschmerzen entgegen arbeiten könnte, ablehnend gegenüber steht. Sie will Schmerzmittel und sonst nichts. „Wenn ich mich stark bewege, dann tut es weh“, meint sie. Übungen könne sie darum keine machen.

Eines Tages rief mich ein Kollege aus dem Krankenhaus an. Er habe eine ältere Dame aufgenommen, Werk sei ihr Name, mit einem Delirium. Sie habe mich als ihren behandelnden Arzt angegeben. Sie habe ein Delir und er wollte wissen, ob sie trinke. So viel ich weiß, trinkt sie nicht vermehrt Alkohol. Aber woher das Delir? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen.

Frau Werk war in den letzten Monaten nicht mehr zu mir gekommen, sondern zu einem Kollegen gegangen, den ich kannte. Ich rief ihn an und wir fanden schließlich die Erklärung.

Einsamkeit

Das Alleinsein hatte Frau Werk depressiv gemacht. Die Rückenschmerzen, die sie spürt, sind wohl echt, aber die Depression verhindert, dass sie irgend etwas tut, um den Schmerzen entgegen zu wirken. Nur stark wirkende Schmerzmittel, die dem Morphium ähnlich sind, will sie haben. Diese Schmerzmittel führen bei ihr zu einem Wohlgefühl, wie es bei diesem Medikament üblich ist – anders als die Schmerzmitteln, die man bei „gewöhnlichen“ Schmerzen nimmt, wie Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen usw. Unter dem starken Medikament hatte Frau Werk einige Zeit Ruhe. Aber wenn die Wirkung abklang, entstanden Entzugserscheinungen. Das ist eine Konsequenz dieser „zentral wirkenden Schmerzmittel“, wie sie heißen. Schmerzen und Depression kehren verstärkt zurück. So musste Frau Werk mit der Zeit die Dosis immer weiter erhöhen.

Frau Werk hatte einen Arzt gefunden, der ihr die starken Schmerzmittel verschrieb. Und weil die Dosis, die sie brauchte immer größer wurde, hat er ihr noch andere Psychopharmaka verschrieben. Schließlich nahm sie ohne Wissen des Arztes so viel, dass sich die typischen Symptome eines Delirs entwickelten. Die alte Dame wusste nicht mehr, wo sie war, sie kannte das Datum nicht, sie konnte nicht schlafen, glaubte, dass Einbrecher in ihr Haus kämen und lief im Schlafanzug völlig verängstigt auf die Straße, wo sie schließlich von der Polizei aufgegriffen wurde.

In der Klinik, in die sie eingewiesen war, wurde zunächst eine Entgiftung durchgeführt. Frau Werk fühlte sich wieder wohl, die Schmerzen nahmen ab, auch ohne Medikamente. Sie war ja nicht alleine.

Frau Werk geht es jetzt auch zu Hause sehr viel besser. Sie bekommt ihr Essen auf Rädern, ein Pfleger oder eine Krankenschwester kommt täglich zu ihr. Ein bis zwei Mal die Woche geht sie in eine Tagesstätte für Senioren. So ist für ein Minimum an Kontakten gesorgt und sie ist deutlich weniger depressiv. Ihre Kindheit in der Sowjetunion, der Mord an ihrem Vater, die Flucht haben ihre Persönlichkeit so geprägt, dass sie es immer schwer hatte, sich ein soziales Netz aufzubauen. Nachdem ihr Lebensgefährte gestorben war, vereinsamte sie völlig. So ist sie jetzt im Alter darauf angewiesen, dass andere für ihre sozialen Kontakte sorgen. Das ist jetzt geschehen, und das hilft ihr.

 

Hauptsymptome Depression kann sich durch körperliche Schmerzen äußern.

Behandlung  Die Depression sollte behoben werden. In dem hier beschriebenen Fall war es die Einsamkeit, die eine Depression begründete.

Beitrag von , letztmals geändert am 26.02.2013, 21:45 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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