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Schwerhörigkeit im Alter

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Symptome

Herr Marx ist jetzt knapp über 60. Er ist Angestellter in einer großen Firma und hat viel zu telefonieren. „Ich verstehe die Leute nicht mehr so gut. Meine Kinder sprechen ja auch so schnell und nuscheln viel.

Neulich sagte meine Tochter beim Abendessen, dass sie mal auf die Toilette gehen würde. Aber ich habe verstanden ‘Antoinette’. „Was ist mit Antoinette?“ habe ich gefragt. Sie können sich vorstellen, wie die Familie gelacht hat. Dabei höre ich alles sehr laut. Mich stört oft ein Geräusch, wo andere sich nicht belästigt fühlen. Auch im Kino verstehe ich schlecht und das Fernsehen muss ich so laut stellen, dass sich die anderen gestört fühlen. Ja, und wenn mir meine Frau mal etwas ins Ohr flüstern will, verstehe ich nichts, absolut nichts.“

Ja, so ist das mit der Schwerhörigkeit, die im Alter oft auftritt. Zuerst schwindet die Empfindlichkeit des Ohres für hohe Töne, während die für tiefe Töne lange erhalten bleibt. Nun vermitteln die tiefen Töne aber den Eindruck von laut oder leise. Solange also die tiefen Töne normal gehört werden, hört Herr Marx fast alles so laut wie einer, der normal hören kann. Aber die Buchstaben, die überwiegend aus hohen Tönen bestehen, hört er schlecht oder gar nicht. Das sind das c, s, f, d, t, z. Er hört dann z. B. “Mist” wie “mit” oder nur als “Mi”. Das ist, wie wenn man z. B. Zcke schreiben würde. Das kann Zucker, Zacke, Zicke, Zecke heißen. Das ist besonders ausgeprägt z. B. beim Fernsehen oder im Kino. Die Sprache wird durch den Lautsprecher meist dadurch verzerrt, dass bestimmte Frequenzen, also Tonhöhen wegfallen. Der Ton dröhnt Herrn Marx im Ohr, aber er versteht sehr schlecht. Beim Flüstern werden nur sehr hohe Töne erzeugt, die Herr Marx darum nicht verstehen kann, obwohl er das Geflüster als Ton sehr gut wahrnimmt.

Anatomie des Ohres

Die Entwicklung wird weitergehen. In ein paar Jahren wird es so sein, dass Herr Marx die Sprache der anderen gut hören kann, aber er versteht nur schlecht, was sie sagen oder gar nichts mehr, so als ob die anderen in einer fremden Sprache reden. Erst wenn dann schließlich auch die tiefen Töne nicht mehr gut wahrgenommen werden, werden alle Geräusche für Herrn Marx auch leiser.

Die komischen Missverständnisse, die so oft Anlass zum Lachen für die andern sind, kommen so zustande: Wenn das Gehirn nur den Wortteil oi … tte hört, versucht es dem einen Sinn zu geben. Es sucht also ein Wort, das ungefähr diesem Laut entspricht, in dem Beispiel von Herrn Marx “Antoinette”. Gegebenenfalls macht das Gehirn einen Satz dazu, der lautlich einigermaßen passt. Das ist bei Schwerhörigen immer so.

Das Gehirn braucht für dieses Suchen nach einem passenden Sinn eine gewisse Zeit, so dass Schwerhörige der Sprache der anderen oft hinterherhinken. Dieses Suchen des Gehirns ist auch anstrengend und darum wird das Zuhören anstrengend.

Ursache

Herr Marx wollte wissen, was die Ursache für seine Schwerhörigkeit war. Angesichts seines Alters war es wohl einfach ein altersbedingter Zerfall (Degeneration) der Nerven in der Schnecke des Ohres. Manche Menschen bekommen das, andere nicht. Wahrscheinlich ist das genetisch festgelegt. Ein Lärmtrauma, also extrem starker Lärm kann auch in frühen Jahren zu Schwerhörigkeit führen. Darum tragen die Menschen, die starkem Lärm ausgesetzt sind, z. B. die Leute, die auf den Flughäfen die Maschinen betanken, einen Ohrenschutz. Aber für ein Lärmtrauma gab es bei Herrn Marx keinen Hinweis.

Die Schnecke (Cochlea) hat die Form eines Schneckengehäuses (siehe das Bild). In ihrem Hohlraum sind Nerven ausgespannt wie die Saiten eines Flügels. Über das Trommelfell, die Mittelohrknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel wird der Schall an diese Nerven weitergegeben, so dass die kurzen Nerven bei hohen Tönen, die langen bei tiefen mitschwingen. (Die Nerven in der Schnecke kann man auf dem Bild nicht sehen.) Die Schwingung wird an das Gehirn als wahrgenommener Ton über den Hörnerven weitergegeben. Bei der Schwerhörigkeit von Herrn Marx waren die kurzen Nerven kaputt gegangen, mit den Jahren würden auch die längeren betroffen sein. Aber in der Natur ist das meiste im Überfluss angelegt. Es gib viele Nerven in der Schnecke für jede Frequenz. Diese Nerven gehen allmählich einer nach dem anderen zu Grunde. Wenn noch einige vorhanden sind, kann das dadurch ausgeglichen werden, dass diese Frequenz verstärkt wird – wie es ein Hörgerät macht. In sehr hohem Alter wird Herr Marx vielleicht kaum noch etwas hören, wenn alle Nerven kaputt sind. Dann nützt auch kein Hörgerät mehr, so wenig wie eine Brille bei Blindheit. Es kann aber auch sein, dass der degenerative Prozess sehr langsam verläuft, so dass ein gutes Restgehör auch noch in sehr hohem Alter vorhanden ist. Aufhalten kann man diesen Zerfallsprozess aber nicht.

Hörgerät

Herrn Marx habe ich erst mal zu einem Hals-, Nasen-, Ohrenarzt geschickt. Der sollte klären, ob sich nicht doch irgendeine Krankheit des Ohres hinter der Schwerhörigkeit versteckt und dann ein Audiogramm machen. Im Audiogramm wird untersucht, wie groß die Hörminderung für alle Frequenzen ist. Das Ergebnis war, wie ich vermutet hatte. Es handelte sich um eine typische Altersschwerhörigkeit. Ein Hörgerät war notwendig geworden.

Hörgeräte haben ein Mikrophon, das den Schall aufnimmt. Bestimmte Frequenzen werden verstärkt und dann durch einen kleinen Lautsprecher an das Ohr weiter gegeben. Durch einen kleinen Computer im Hörgerät wird geregelt, welche Frequenzen viel, welche weniger verstärkt werden. Das Hörgerät verstärkt also nicht alles, sondern nur die Frequenzen, deren Wahrnehmung vermindert ist. Das Hörgerät kann den Schall auch nur verstärken. Wenn also die Nerven, die für eine bestimmte Frequenz zuständig ganz verschwunden sind, hilft auch kein Hörgeät mehr.

Die Art, wie der Schall ans Trommelfell gebracht wird, ist unterschiedlich. Entweder der kleine Lautsprecher befindet sich in dem Teil, der hinter dem Ohr ist, und der Schall wird durch ein Schläuchlein bis vor das Trommelfell geleitet. Oder Mikrophon und Computer befinden sich in dem Teil hinter dem Ohr und der Lautsprecher liegt im Gehörgang vor dem Trommelfell und ist mit dem Teil, der hinter dem Ohr liegt, durch einen dünnen Draht verbunden. Oder alles wird so klein gehalten, dass es in den Gehörgang passt, also Mikrophon, Computer und Lautsprecher – dazu die kleine Batterie, die jedes Gehörgerät braucht. Aber Mikrophon, Computer und Lautsprecher arbeiten besser, wenn sie nicht allzu klein sind, und die Batterie hält länger.

Hörgeräte können heute vieles. Sie können die Hintergrundgeräusche heraus filtern, was das Hören erleichtert, sie können auf Telefonie oder Sprache oder Musik eingestellt werden. Im Kino, am Telefon oder in der Kirche kann der Ton über elektromagnetische Wellen ans Hörgerät übertragen werden. Ähnliches gilt auch für den Fernseher. Dazu braucht es allerdings Zusatzgeräte. Der Hörakustiker berät in diesen Fragen.

Herr Marx trägt inzwischen ein Hörgerät. „Nur eines“, wie er sagt. „Damit kann ich zwar nicht so gut hören, woher der Schall kommt, aber ich fühle mich nicht so behindert. Später, wenn das Hören stärker eingeschränkt ist, werde ich wohl zwei tragen müssen. Aber vielleicht kommt es ja gar nicht so weit.“

Hauptsymptome: Das Hören wird schwieriger. Das geschieht lange Zeit nicht in der Art, dass der Ton leiser wird, sondern so dass die Sprache nicht mehr verstanden wird – so als würden alle Menschen nuscheln. In schlimmeren Fällern ist es so, als  sprächen die anderen in einer Fremdsprache, die man nicht kennt.

Behandlung: Hörgeräte.

Beitrag von , letztmals geändert am 07.12.2015, 12:06 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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