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Wechseljahre


Wechseljahre

Jede Einzelheit in den Krankengeschichten von Gesundheitsthema stellt eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dar. Insofern ist in diesen Geschichten nichts zufällig, sie vermitteln das aktuelle Wissen der Medizin über das Krankheitsbild. - Lediglich Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig.

Die Symptome

Frau Meiner ließ sich auf den Stuhl fallen:
„Jetzt ist es soweit.“

Ich verstand nicht. Sie wischte sich die Stirn und fächelte sich Luft zu.
„Die Wechseljahre. Ich habe wieder eine Hitzewallung.“ Sie pustete.
„Schlimm?“ wollte ich wissen.
Frau Meiner meinte: „Manchmal unerträglich.“
„Erzählen Sie mal, was Sie für Symptome haben.“

„Also einmal diese Hitzewallungen. Die kommen aus heiterem Himmel, ohne Ankündigung. Das fing langsam an, aber inzwischen kommen sie mehrmals am Tag. Manchmal habe ich dazu auch noch Schweißausbrüche. Das ist für mich das Schlimmste. Ich schlafe schlecht. Ich wache auf und kann erst nach einiger Zeit wieder einschlafen. Das kenne ich nicht. Ich habe immer gut geschlafen. Manchmal bin ich auch lustlos und niedergeschlagen und gereizt. Mein Mann ist sehr geduldig, aber inzwischen beschwert er sich. Wir haben ja auch noch Sex, worauf ich sehr stolz bin, schließlich sind wir schon fast 30 Jahre verheiratet. Aber die Scheide ist so trocken, dass es mir weh tut. Ich will meinen Mann nicht zurückweisen, aber so geht das nicht.“ Sie schwieg eine Weile.

Wechseljahre

„Herr Doktor, ich habe gehört, dass Hormone helfen. Soll ich die nehmen? Irgendwas müssen Sie mir geben.“

„Schauen wir mal. Jedenfalls haben Sie so gut wie alle Symptome, die eine Frau in den Wechseljahren haben kann. Sie sind jetzt 52 Jahre alt, wie ich sehe“, ich schaute in meine Karteikarte.“Wie hat es sich denn entwickelt?“

„Na ja, die Regel kam immer unregelmäßiger. Das fing vor etwa zwei Jahren an. Dann blieb sie schließlich ganz weg, ich hatte nur so ab und zu kleinere Blutungen. Das war die Zeit, in der die Hitzewallungen und das andere angefangen haben. Kleinere Blutungen habe ich jetzt auch noch, aber nicht regelmäßig.“

Die Veränderungen

„Das ist typisch“, sagte ich. „Die Übergangsphase, die bei Ihnen noch nicht abgeschlossen ist, ist bestimmt die schwierigste. Wenn die Eierstöcke ihre normale Tätigkeit einstellen, also keine Eizellen mehr für eine Schwangerschaft liefern, lässt auch die Produktion von weiblichen Sexualhormonen, die überwiegend aus den Eierstöcken kommen, nach. Die Sexualhormone haben eine Wirkung auf den ganzen Körper. Sie regulieren nicht nur die Fortpflanzung, sondern beeinflussen die meisten Körperfunktionen. Sie regeln den Zyklus, aber haben auch Einfluss auf die Haut, die Haare, den Knochenbau, auch die Stimmung usw. Alles das verändert sich nach dem Klimakterium, aber nicht von heute auf morgen, sondern über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren. Klimakterium ist der medizinische Ausdruck für die Wechseljahre. Die Zeit danach nennen die Ärzte Menopause.“

„Ich weiß“, sagte Frau Meiner. „Was ist mit den Hormonen? Soll ich welche nehmen?“

Hormone, ihr Nutzen

„Man kann durch Verabreichung von weiblichen Sexualhormonen, ähnlich wie sie auch in der Pille enthalten sind, die meisten Beschwerden lindern oder sogar beseitigen. Die Hormone mindern die Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die Scheide wird nicht so trocken, falls eine Inkontinenz der Blase besteht, wird sie besser, die Entwicklung einer Osteoporose, das ist Knochenbrüchigkeit, die im Alter leicht entsteht, wird verhindert.

Aber zwei Dinge müssen Sie dabei im Kopf haben: Erstens lässt sich durch die Hormone der eigentliche Alterungsprozess nicht wirklich aufhalten. Wenn man isoliert eine Sache wie die Hormonproduktion künstlich aufrecht erhält, erschwert man dem Körper auch etwas, sein neues Gleichgewicht zu finden. Zweitens haben die Hormone auch Nebenwirkungen und Risiken, die man bedenken muss.“

Frau Meiner wollte wissen, welche Nebenwirkungen es sind.

„Einmal übliche Nebenwirkungen, die man auch bei anderen Medikamenten haben kann, wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Juckreiz usw. Diese Nebenwirkungen merkt man aber und man kann dann entsprechend reagieren. Bedeutsamer sind die Risiken. Damit meint man, dass es zu ernsten Komplikationen kommen kann. Die sind zwar nicht häufig, aber wenn Sie Hormone nehmen wollen, sollten Sie darüber informiert sein.“

Hormone, die Risiken

„Was für Risiken sind es denn?“

„ Thrombosen, also Blutgerinnsel, Schlaganfall, Erkrankung der Gallenblase, Krebs und zwar der Brust, der Eierstöcke oder der Gebärmutter.“

„Das ist ja ein Horrorszenarium“, meinte Frau Meiner.

„Na, so schlimm ist es auch wieder nicht. Entscheidend ist, wie oft es passiert. Sie fliegen ja auch mit dem Flugzeug, obwohl manchmal eins runter fällt. Nur wenn bei einer Fluggesellschaft Flugzeugabstürze häufiger vorkommen, meiden Sie die. Außerdem muss man die Dauer der Anwendung berücksichtigen. Wenn sie ein halbes Jahr Hormone nehmen, ist das ganz anders zu bewerten als wenn Sie es viele Jahre tun. Ich habe hier eine Tabelle, schauen Sie! Da bekommen Sie erst mal einen Überblick über die Risiken.“

schwerwiegend weniger schwerwiegend
  • Brustkrebs leicht erhöht, wenn 5 Jahre und mehr Hormone
  • Eierstockkrebs leicht erhöht, wenn 5 Jahre und mehr Hormone
  • Gebärmutterkrebs erhöht
  • Darmkrebs leicht vermindert
  • Schlaganfall leicht erhöht
  • Gallenblasenerkrankung erhöht, besonders bei Frauen mit Übergewicht
  • Blutgerinnsel (Thrombose) erhöht, besonders im 1. Jahr der Hormonbehandlung

Frau Meiner guckte sich die Tabelle an und meinte:

„Sie haben eben gesagt, dass es auf die Häufigkeit ankommt. Was heißt denn hier leicht erhöht? Und wie hat man das raus gekriegt?“

„Nun, man beobachtet Frauen, die keine Hormone nehmen, und andere, die Hormone bekommen. Nach einem, nach zwei, nach drei usw. Jahren guckt man, wie viele von der einen Gruppe, wie viele von der anderen die Krankheit bekommen haben. Das Resultat war, dass von zehntausend Frauen in den Wechseljahren, die keine Hormone genommen haben, ungefähr dreißig pro Jahr Brustkrebs bekommen. Von zehntausend Frauen, die mit Hormonen behandelt wurden, haben ca. achtunddreißig Brustkrebs bekommen, also acht mehr. Das ergibt fast eine zusätzliche Erkrankung auf tausend Frauen. Auf gleiche Weise hat man das Risiko der anderen Erkrankungen gemessen.“

„Das ist ja wie mit den elftausend Jungfrauen von Köln“, meinte Frau Meiner. „Aber im Ernst: Die Zahlen sind ziemlich abstrakt. Sie sagten auch, dass die Behandlungsdauer eine Rolle spielt. Wie soll ich mich denn nun entscheiden?“

„Nicht nur die Behandlungsdauer ist entscheidend, auch andere Faktoren. Das macht die Abschätzung schwierig. Zum Brustkrebs habe ich Ihnen erklärt, was wir wissen. Für den Eierstockkrebs gilt, dass von achttausend Frauen, die Hormone bekommen, eine zusätzlich den Krebs bekommt. Das ist wenig. Beim Gebärmutterkrebs ist es etwas anders. Unter mehrjähriger Hormonbehandlung ist die Häufigkeit drei bis zehn mal so groß. Und da dieser Krebs ohnehin relativ häufig ist, fällt diese Steigerung ins Gewicht. Beim Schlaganfall ist es so, dass von tausend Frauen, die Hormone bekommen, etwa eine zusätzlich erkrankt. Man muss nun diese Risiken alle zusammen zählen; denn eine Frau kann ja jede dieser Erkrankungen bekommen. Ich würde mal schätzen, dass von zweihundert, maximal fünfhundert, Frauen, die fünf Jahre und mehr die Hormone nehmen, eine zusätzlich irgendeine der genannten Krankheiten bekommt.“

„Das ist aber nicht wenig“, sagte Frau Meiner.

„Nein, bestimmt nicht. Nehmen wir zum Vergleich das Risiko, bei einem Flug abzustürzen. Im Jahr gibt es weltweit etwa fünfhundertfünzig Millionen Flüge (egal, wie lang sie dauern), davon führen vier zum Absturz. Das ist ungefähr ein Absturz auf hundertsechzig Millionen Flüge. Wenn es auf jeden zweihundertsten wäre, würden wohl nur noch wenige fliegen.“

Was tun?

„Also keine Hormone, Herr Doktor?“

„Man sollte zurückhaltend sein. Wenn aber die Beschwerden das Leben richtig verderben, sind sie eine Option. Man muss nur darauf achten, Dosis und Dauer auf das Notwendige zu beschränken.

Was ich Ihnen rate ist:

1. Machen Sie Ihren Frieden damit, dass Sie sich in einem neuen Lebensabschnitt befinden. Sie sind noch nicht alt, aber jung sind Sie auch nicht mehr. Es hat sich in jeder Hinsicht in Ihrem Leben etwas verändert. Die körperliche Verfassung ist nur ein Teil davon. Diese Einstellung ist ein wirksames Mittel gegen die Depression.

2. Unterstützen Sie Ihren Körper, damit er seine neue Balance finden kann. Also versuchen Sie, ein Gleichgewicht zwischen körperlicher Anstrengung durch Sport, Arbeit und Entspannung zu finden. Besonders die Hitzewallungen und Schweißausbrüche reagieren sehr gut auf Sport. Wenn Sie Sport weniger mögen, machen Sie Yoga oder Meditationen, etwas was Ihnen und Ihrem Körper gut tut.

3. Gegen die Trockenheit der Scheide kann ich Ihnen ein Gel verschreiben. Wenn das nicht nützt, könne Sie eine Hormonsalbe bekommen. So hat die Scheide Hormone, die aber kaum in den Körper gelangen.

4. Wenn Sie die Symptome nicht aushalten, sollten Sie Hormone versuchen. Es gibt sie in verschiedenen Darreichungsformen: als Tablette, Pflaster, Spritze, Salbe. Wenn sie die nur vorübergehend nehmen, sehe ich darin kein Problem.“

Frau Meiner hat sich entschieden, es erst mal ohne Hormone zu versuchen. Aber ich glaube, sie wird zeitweise doch darauf zurückkommen wollen.

Hauptsymptome: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Trockenheit der Scheide, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen.

Behandlung: Gegen die Kreislaufbeschwerden Sport, Gymnastik, Entspannung. Evtl. Hormonsalbe gegen die Veränderungen der Scheide. Unter besonderen Umständen vorübergehend weibliche Geschlechtshormone.

Beitrag von , letztmals geändert am 17.11.2015, 07:35 Uhr.

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Herausgeber

Prof. Dr. med. Frank Matakas
Herausgeber medizinische Beiträge

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